Die defensiven Reize der Sünde
Investments in Alkohol, Tabak, Waffen und Glücksspiel
Die Theologen haben sich zu allen Zeiten darüber beklagt, wie fest Sünden und Lasterhaftigkeit in der Natur des Menschen verankert seien.
Damit gehört der Fonds in der Klasse der international anlegenden Aktienfonds in den Horizonten über 1, 3 und 5 Jahre jeweils zu den besten 3 %. Das ist eine enorme Leistung. Die Zahlen zeigen auch deutlich, dass gerade das an der Börse schwierige Jahr besonders gut gelaufen ist für diesen Fonds.
Das Zocker-Segment des Fonds stützt sich auf die Casino-Branche. Die brummt mit Umsätzen in den USA von über 32 Mrd. USD, womit sie etwa die Kinos klar überflügelt. In dieser Summe fehlen zudem noch die Ergebnisse der Kasinos, die in den Indianerreservaten in den USA unter speziellen gesetzlichen Regelungen arbeiten. Zweites Standbein der Branchenkonjunktur ist der asiatische Glücksspielmarkt, der vor dem Hintergrund des allgemeinen Booms derzeit floriert. So hat Singapur ein 40 Jahre währendes Verbot aufgehoben. US-Betreiber wollen spätestens 2009 ein eigenes Haus im gewohnten Standard am Ort eröffnen. Die Kasinoumsätze in Macao, vor der chinesischen Küste, wachsen explosionsartig (45 % gegenüber Vorjahr) und sollen bis 2010 nach Schätzungen der örtlichen Behörden eine Größenordnung um 13 Mrd. USD erreicht haben.
Auch die Waffenlieferanten im Depot sorgen für Stabilität: Diese Branche ist seit den 80er Jahren praktisch vollständig unkorreliert mit dem breiten Markt und der Konjunktur, weil die Umsätze in ihr eher von politischen Faktoren und Moden abhängig sind als von wirtschaftlichen Entwicklungen. Dennoch gab es bis in die 80er Jahre einen fühlbaren Gleichlauf in den USA, weil das Gewicht der Rüstungsausgaben mit 6- 9 % vom Bruttoinlandsprodukt (BIP) die gesamte Richtung der Konjunktur beeinflusste. Dieser Anteil ist auf 3-4 Prozentpunkte vom BIP zurückgegangen und hat so die Korrelationen auf der Ebene der Kapitalmärkte gelockert.
Positiv zu Buche schlagen auch die Tabak-Titel des Fonds, weil diese Branche offenbar ein echter Krisengewinner ist. Ein näherer Blick in die Statistik ergab, dass in Zeiten mit hoher Volatilität die Märkte, gemessen an breiten Indizes wie dem Standard & Poor´s 500, deutlich verlieren, die Tabak-Aktien im Speziellen aber signifikant zulegen können.
Unter Anlagegesichtspunkten bedauerlich an dieser Strategie der „unmoralischen“ oder „sozial verantwortungslosen“ Investments ist, dass der Fonds offiziell nur in den USA verfügbar ist. Deutsche Anleger müssen also mit Kosten und Widerständen rechnen, wenn sie sich engagieren wollen. Wahrscheinlich geht der einfachste Weg immer noch über eine deutsche Bank mit US-Tochter oder US-Filiale, die Stücke beschaffen und das Depot führen. Möglicherweise wird aber auch das Fonds-Management den Schritt über den Atlantik nach Euroland wagen, denn der Fonds hat trotz des ebenso frommen wie prüden Klimas in den USA beim Volumen die wichtige Schwelle von 100 Mio. USD genommen, die ernstzunehmende Unternehmen von Liebhabereien trennt.
Es bleibt in jedem Falle bemerkenswert, dass sich (jedenfalls unserer Kenntnis nach) noch keine deutsche oder europäische Fondsschmiede dazu entschließen konnte, ein vergleichbares Produkt auf den Markt zu bringen. Die Kundschaft würde sich trotz des Booms der ethischen, ökologischen und nachhaltigen Investments wohl finden. Zumal die objektiven Investmenteigenschaften, vor allem das Risikoprofil, gerade auch für institutionelle Anleger attraktiv sein müssten.
(Martin Klingsporn)







