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Legenden live – Udo Keller

IOS – Sein Leben

Udo KellerUdo Keller

Der zehnjährige Erfolgsweg der IOS (Investors Overseas Services 1960 bis 1970) ist bis heute eines der größten Rätsel der Finanzdienstleistungsbranche in Deutschland. Bedeutende Unternehmer und Manager der heutigen Finanzdienstleistungsszene haben ihren Berufsweg bei IOS begonnen.

Die IOS beherrschte vom 05. Februar 1960 bis Mitte 1970 die Weltbühne der Kapitalanlage. Ende 1969 bestand der IOS-Konzern aus 60 Tochtergesellschaften. In über 100 Ländern der westlichen Welt waren an die 15.000 Außendienst-Mitarbeiter für IOS tätig. Eine Million deutsche IOS-Kunden zitterten Ende 1970 um 8 Milliarden Mark Spargeld.

Ich bin bei Udo Keller eingeladen. Udo Keller war eine IOS-Berühmtheit. Legendär bis heute seine Schulungen bei IOS. Der Anlass in der Einladung ist ein Buch über Klaus Jung, an dem ich gerade arbeite (s. finanzwelt 6/08, Portrait Klaus Jung). Dieses Buch beschreibt neben Klaus Jung ein Dutzend der bedeutendsten Unternehmer der Kapitalanlagebranche der Jahre 1970 bis heute. Klaus Jung ist neben Udo Keller der bedeutendste Verkäufer von Investmentfonds unseres Landes. Er ist derzeit noch aktiv und Aufsichtsratschef einer der größten deutschen Maklerpools Jung, DMS & Cie. Kellers und Jungs Leben weisen erhebliche Parallelen auf. Keller: „ Jung und ich waren nicht mittels einer IOS-Struktur verbunden. Klaus Jung war mir in meiner IOS-Zeit als Autor eines grandiosen Verkaufsgesprächs aufgefallen. Dieses habe ich mir von ihm ausgeliehen und habe danach gehandelt. Jung hat, aus meinem Blickwinkel beobachtet, in Deutschland immer einen hervorragenden Ruf gehabt und später in der Branche sowieso."

Jung fing 1958 an, Investmentfonds zu verkaufen. Udo Keller startete am 18. August 1965. „Die IOS war für mich der größte Aufwecker, der Katalysator für meine erste eigene Firma, die ich am 01. Mai 1965 gegründet habe. Mein Büro war im Europa Center. In kürzester Zeit hatte ich eine kleine Vertriebstruppe aufgebaut. Von Bernie Cornfeld (IOS-Gründer) erhielt ich dann die Erlaubnis, in einer anderen Stadt in Deutschland eine weitere Agentur zu eröffnen. Das war eine enorme Ehre!" Keller formuliert ohne Pathos, fast druckreif, die Erinnerung ist präzise. Die IOS, seine IOS, ist die ganz große Startrampe für ihn gewesen.

Das Gespräch mit Keller findet in Neversdorf, 45 Autominuten von Hamburg entfernt statt. Udo Keller wartet schon. Ich werde in den Garten seines Anwesens geleitet. Dort hinten, 200 Meter vom Eingang entfernt, sehe ich ihn. Er sitzt wie in Stein gemeißelt auf einer Bank. Die Haltung kerzengerade. Schwarzer bodenlanger, rotgefütterter Mantel. Schwarze Schuhe, schwarzer, breitkrempiger Hut. Eisgrauer Bart. Die Arme gerade und nach vorne gerichtet, die Hände übereinander, auf einem Gehstock platziert. Der Blick unbeweglich. Das Gesicht ausdruckslos. Die Bank ist eingelassen in mannshohe Gebüsche.

Das Gelände um ihn herum, erst kürzlich angelegt, gepflegt wie ein englischer Park, professionelles Layout. Die Wege mit hellem Baumraspel belegt. Vor ihm ein Pond, der im Laufe des heutigen Tages noch drei junge Störe aufnehmen wird. Hügelig das Grundstück, wie auch die Gegend. Sein Privathaus, ein feudaler, rustikaler Neubau auf den Mauern eines alten Bauernhauses. Verstreut an den Rändern der Gehwege Statuen und Kunstwerke asiatischen Ursprungs.

„Sie sind gar nicht mehr im Bilde, was in der Allfinanz derzeit los ist"?, frage ich. „Nein, ich habe mich auch ganz offiziell und mit allem Drumherum verabschieden lassen, und ich bin seit dieser Zeit ein glücklicherer Mensch geworden als vorher."

„Ich habe die ganzen Jahrzehnte auf diesen Tag des Verkaufens hingesteuert, überwiegend alleine zu sein, mit der Natur und meinen Büchern verbunden zu sein, denn ich habe jetzt die Zeit dazu, zu lesen."

Jetzt kommt das Gespräch auf Tecis. „Ich habe die Tecis gegründet, mit null, habe die Tecis zur Börse gebracht und dann meine Anteile verkauft. Den letzten Rest meiner Aktien habe ich an Herrn Maschmeyer verkauft. Von dem Verkaufserlös (den ich auf über 150 Mio. Euro schätze, Anm. d. Autors.) habe ich dann unter anderem dieses Haus gebaut und einige andere Immobilien erworben. Ich habe den größten Teil meines Vermögens in eine Stiftung investiert und investiere für diese Stiftung weiteres Geld, aber immer nur, um dem Stiftungszweck und dem Stiftungsziel zu entsprechen."

„Ich habe mich von meinem bisherigen Leben auf freundliche Weise verabschiedet und kann sagen, dass das alles überwiegend gut gelaufen ist. Ich habe niemandem eine Mark gestohlen, ich habe niemanden übervorteilt, habe einen glänzenden Börsengang hingelegt. Der erste Kurs war eine Verachtundzwanzigfachung. Mit diesen Aktien sind einige Leute in meiner Firma auch reich geworden."

Nach dem kleinen Exkurs zu der Qualität der Moral unter Kaufleuten kommt Keller zurück zu Klaus Jung. „Die Idee, die hinter Klaus Jung und mir stand, war eindeutig: Es ging um den Verkauf von Investmentfonds in der ganzen Welt. Zum Schluss war IOS in 126 Ländern der Welt tätig. Der Gesamtumsatz pro Jahr belief sich auf einige Milliarden Dollar."

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