Private Equity
Jahrhundertjahrgänge reifen in den Portfolios
© Foto: Patricia Hofmeester - Fotolia.comBei Private Equity ist ein Stimmungsumschwung unverkennbar. Für antizyklische Investoren ergeben sich hervorragende Chancen.
Es war schon eine kleine Sensation: Als einzige Assetklasse legte Private Equity bei der Zahl der neu aufgelegten Fonds und dem prospektierten Eigenkapital im 1. Quartal 2010 gegenüber dem 4. Quartal 2009 zu. Während der Gesamtmarkt der geschlossenen Fonds nach den BaFin-Genehmigungen in den ersten drei Monaten im Vergleich zum letzten Quartal 2009 weiter um 30 % schrumpfte, wuchs der Markt für Private Equity – jeweils gemessen am prospektierten Eigenkapital – um rund 50 %.
Die Emissionshäuser teilen offenbar die Zuversicht, die sich in der Private Equity Branche zeigte. Bereits für das 4. Quartal 2009 diagnostizierten die Consultingunternehmen Deloitte und PwC einen weltweiten Stimmungsumschwung für Private Equity. „Der europäische Private Equity Markt wird sich 2010 vor allem im zweiten Halbjahr erholen“, glaubt Richard Burton, der bei PricewaterhouseCoopers (PwC) das Private Equity Geschäft leitet.
Allerdings: Im Vertrieb von geschlossenen Private Equity Fonds spiegelt sich der Stimmungsumschwung der Emissionshäuser noch nicht wider: „Private Equity Fonds haben sich im 1. Quartal schlechter entwickelt als erwartet“, konstatiert Wolfgang Kubatzki, Leiter geschlossene Fonds bei der Feri EuroRating Services AG, nach einer Vertriebsumfrage im April.
Der Einbruch war enorm. Nach einem Höhenflug in den Jahren 2003 bis 2007, der Platzierungszahlen von über 2 Mrd. Euro brachte, wurden im Jahr 2009 nur noch 462 Mio. Euro eingesammelt. Negative Nachrichten in der Platzierungsphase sind nun einmal kein gutes Umfeld für den Vertrieb. „Geringere Fondsgrößen, längere Platzierungszeiten, Portfoliowertberichtigungen und ein signifikant geringeres Fremdkapital“ kennzeichneten 2009 nach Norbert Wangemann, Senior Analyst für Private Equity Fonds bei Scope, die Situation des weltweiten Private Equity Markt. Hinzu kamen die Kursverluste bei Aktien, dem Pendant zu den nicht börsennotierten Unternehmensbeteiligungen. Wenn die Börsen ins Straucheln geraten, kann Private Equity kaum reüssieren. „Denn der lukrativste Exit ist nun einmal der Börsengang“, weiß Robert List, für Private Equity Fonds zuständiger Geschäftsführer von BVT. Inzwischen haben die Börsen das Schlimmste überstanden und IPOs sind wieder möglich.
Und Erfolgsgeschichten gibt es wenige, dazu ist der geschlossene deutsche Private Equity Fonds, der erstmals in den Jahren 1998/99 auf den Markt kam, noch zu jung. In den USA sieht das anders aus. Private Equity war in den letzten 10 Jahren (per Ende Juni 2009) bei Yale, der reichsten Universität der Welt, die top-performende Assetklasse mit einem Jahresertrag von 26 %. „Seit 1973, als mit den PE-Investments begonnen wurde, kam Yale auf einen durchschnittlichen Jahresertrag von 30 %“, konstatiert Horst Güdel, Vorstand des Marktführers RWB AG.
Aber kleine Erfolgsgeschichten gibt es dennoch in Deutschland. Die Fonds Blue Capital Equity I und Blue Capital Equity II, die 2003 und 2004 aufgelegt wurden und heute zu der Gruppe WealthCap gehören, konnten mit den jüngsten Ausschüttungen im März 2010 bereits 140 und 105 % an die Anleger auszahlen. Der Blue Capital Equity II war der erste Fonds, der ausschließlich in Secondaries investierte, die heute besonders attraktiv erscheinen. Secondaries sind Anteile an früher aufgelegten Zielfonds oder auch an Zielunternehmen, die von den ursprünglichen Investoren verkauft werden, weil diese sich aus der Assetklasse zurückziehen. „Solche Secondaries können heute mit hohen Abschlägen von bis zu 60 % erworben werden“, meint BVT-Geschäftsführer List. Ausplatziert hat gerade Marble House Capital einen Secondaries-Fonds, vier Anbieter sind mit solchen Fonds auf dem Markt.
Der Private Equity 12 Balance von WealthCap versucht den noch vorhandenen Attentismus der Anleger durch eine Kapitalgarantie der Mutter Unicreditbank AG zu überwinden. „Diese soll eine Brücke sein für Anleger, die noch vor einem Einstieg in Private Equity zurückschrecken“, meint Gabriele Volz, Geschäftsführerin von WealthCap.
Zahlreiche Fonds unterschiedlicher Größe, Anlagestrategie und Schwerpunktbildung sind derzeit auf dem Markt, da hat der Anleger die Qual der Wahl. Neben Dachfonds werden auch vermehrt Branchenfonds und Fonds mit regionalen Schwerpunkten angeboten. „Aber für die Mehrheit der Anleger kommt wegen der breiten Diversifizierung am ehesten ein Dachfonds in Frage“, meint Reiner Hambrecht, Vorstandsvorsitzender der SFV AG. Allerdings: Die weltweit anlegen den Dachfonds investieren kaum in den deutschen Mittelstand. Auf den deutschsprachigen Mittelstand (DACH-Region) haben sich Alfred Wieder und das HMW Emissionshaus fokussiert. „70 % der Erwerbstätigen stellt der deutsche Mittelstand, der 57 % der Bruttowertschöpfung in Deutschland erwirtschaftet“, unterstreicht Alfred Wieder, Vorstand der Alfred Wieder AG. „Unser Branchenfokus liegt auf Biotechnologie, Medizintechnik und Umwelttechnologie“, ergänzt Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der HMW Emissionshaus AG. Rückendeckung erhält er gerade durch eine Umfrage von Rödl & Partner bei den deutschen Beteiligungsgesellschaften: „Insbesondere Unternehmen der Branchen IT, Umwelt, Medizintechnik und Biotech stehen im Fokus der Beteiligungsfirmen“, resümiert Björn Stübiger, bei Rödl & Partner verantwortlich für die Studie.
Selten waren die Einstiegschancen in Private Equity so günstig wie heute. „Die Jahre 2009, 2010 und 2011werden sich als hervorragender Investitionszyklus erweisen, der vielleicht noch besser ist als die Jahre 2001 bis 2003“, meint RWB-Vorstand Güdel.
(Dr. Leo Fischer)







