Interview mit Bernt von zur Mühlen, Vorstand der Deutsche Medienkapital AG
„Deutschland als Produktionsstandort wird in den kommenden Jahren verstärkt von Medienfonds profitieren“
FINANZWELT: Sie beobachten derzeit die Diskussion um die Förderung des deutschen Produktionsstandortes. Wie schätzen Sie dieses Thema aus der Sicht als Medienfondsinitiator, aber auch als langjährig erfahrener „Medienmann“ ein?
von zur Mühlen: Selbstverständlich bringen wir als Deutsche Medienkapital AG und Initiatorin von Filmfonds einer Debatte über ein Modell „Sale and Lease Back in Deutschland“ Sympathien entgegen, wenn es der Filmindustrie und speziell den Anlegern von geschlossenen Filmfonds in ihren wirtschaftlichen und unternehmerischen Interessen entgegenkommt. Wenn das vorgeschlagene System auf Deutschland übertragbar ist und es für die Filmfonds nutzbar ist – dann ist es gut. Die Bedingungen für Medienfonds würden sich durch Sale und Lease Back nicht ändern. Es wäre ein zweites, zusätzliches Modell. Die klare unternehmerische Aussage des Medienerlasses bliebe davon unberührt.
FINANZWELT: Im Prinzip geht es um Arbeitsplatzförderung durch eine neue Form der steuerlichen Subvention. Haben die Medienfonds versagt, wenn es um den Standort Deutschland geht?
von zur Mühlen: Filmfonds in Deutschland brauchen keine Initiative eines „Sale and Lease Back“, wenn es darum geht „German Spend“ zu aktivieren, also mehr für die Wertschöpfung von international verwertbaren Filmen in Deutschland zu tun. Hier entwickelt sich übrigens von der Öffentlichkeit recht unbemerkt ein internationaler Austausch von Know-how und letztendlich Beschäftigung. Nicht umsonst hat „Hollywood-Gouverneur“ Schwarzenegger gesetzliche Initiativen gestartet, um Filmproduktionen nicht nach Kanada oder Europa abwandern zu lassen.
FINANZWELT: Hat denn Deutschland als Produktionsstandort nicht genügend Anreize, um zu überzeugen?
von zur Mühlen: Aber selbstverständlich. Gerade jüngst haben wir doch erlebt, dass es Bernd Eichinger als Nicht-Amerikaner fertig gebracht hat, "Resident Evil 2" einen Blockbuster in den USA zu starten. Es bleibt aber noch viel Überzeugungsarbeit von unserer deutschen Seite aus zu tun, um den amerikanischen Partnern den Produktionsstandort Deutschland schmackhafter zu machen. Konkret bieten sich aber bereits jetzt interessante Perspektiven: So werden wir im Interesse unserer Anleger alle Möglichkeiten ausschöpfen, so günstig wie möglich zu produzieren. Wenn das in Babelsberg, den Bavaria Studios oder z.B. im Studio Hamburg möglich ist, sehr gut. Deutsche Studios sind für internationale Produktionen hochinteressant, weil hier oft 15 % kostengünstiger bei hoher Qualität produziert wird als in US-Studios. Dennoch kann man natürlich bei der Konzentration auf inländische Produktionsmöglichkeiten nicht auf den Weltvertrieb verzichten.
FINANZWELT: Kommen wir zu Ihrem aktuellen Fondsangebot. Wie würden Sie die Hauptverkaufsargumente umschreiben?
von zur Mühlen: Lassen Sie uns nicht von Verkaufsargumenten, vielmehr über die Philosophie hinter dem Fonds sprechen. Zunächst einmal sind wir der Meinung, dass Medienfonds, eigentlich alle Fonds, transparent im Hinblick auf schnelle Überprüfbarkeit der Leistung sein müssen. Dem haben wir entsprochen durch garantierte Ausschüttungen ab dem Jahre 2006. Ferner sollten – aus unserer Sicht – Medienfonds so konzipiert sein, dass sie dem Investor keine steuerlichen Risiken aufbürden, selbst dann, wenn es sich nur wie ein Schimmer am Horizont andeutet. Insofern haben wir auf eine Fremdfinanzierung unseres Fonds verzichtet.
FINANZWELT: Zum ersten Mal in seiner langen Mediengeschichte bringt sich Prof. Dr. Helmuth Thoma als Unternehmer aktiv ein. Auch mit dem ehemaligen Springer-Vorstand Prof. Dr. Manfred Niewiarra sowie dem Medienprofi Alfred Hürmer haben Sie richtige Hochkaräter im Aufsichtsrat. Wie spiegelt sich das denn im Fonds wider?
von zur Mühlen: Die Kunst besteht doch nicht darin, einen steuerrechtlich sauberen Fonds zu machen. Die Kunst besteht vielmehr darin, ihn mit Leben zu erfüllen. Wir brauchen Menschen, die die Kreativität besitzen, gute Filmstoffe zu erkennen und umzusetzen. Wir brauchen die Nähe zu diesen Stoffrechten und zu Weltvertrieben, die die enstandenen Filme vermarkten. Da sich Thoma, wie wir alle, sicher darin ist, dass der Medienmarkt ein riesiges Potential hat, haben wir eine Bündelung dieser kreativen Kräfte in unserem Fonds vorgenommen, die gleichzeitig den Blick für die wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht verlieren.