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Zukunftssicherung im Leistungssport

Kein Monopoly Geld

© Foto: Friday - Fotolia.com

Wenn die Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika am 11. Juni dieses Jahres startet, werden „sie“ wieder bewundert. „Sie“ – damit sind Spieler wie Kaka, Mesi, Ballack oder Lampard gemeint, „sie“, die mit dem Ball Dinge fabrizieren können, wovon viele Menschen nur träumen! Doch die Karriere eines Profis ist überschaubar. Für die Zeit danach haben viele Sportler wenig bis keine Vorsorge getroffen.

„Diese Fußballmillionäre. Die verdienen so viel Geld, die müssen doch nie mehr arbeiten.“ Wer kennt diese Sätze nicht? Die utopisch hohen Gehälter von Fußballern stehen oft im Fokus der Öffentlichkeit. Profis wie Christiano Ronaldo (13 Mio. Euro im Jahr) oder Michael Ballack (6,5 Mio. Euro im Jahr) bräuchten sich eigentlich keine Probleme mehr um die Altersvorsorge machen. Und auch gute Zweitliga Spieler sollten eigentlich im Rahmen einer „gesunden“ Laufbahn genug verdienen, um sich eine Existenz nach dem aktiven Fußball aufbauen zu können. So bezeichnete aktuell der Zweitliga-Trainer Claus-Dieter Wollitz die Spielergehälter in der 2. Bundesliga als völlig überzogen. Und dennoch: Es gibt immer wieder eine Reihe von Spielern, die nach dem Ende der aktiven Laufbahn finanziell scheitern.

In den Medien sind dabei besonders die extrem gescheiterten Existenzen in Erinnerung geblieben. So konnte jeder den 19-maligen Nationaltorwart und 534-maligen Bundesligatorwart Eike Immel im Dschungel-Camp erleben, kurz nachdem er einen Offenbarungseid leisten musste! Unvergessen auch der Nihilismus von einem der besten Flügelstürmer der Welt, George Best, der sich in seinem Lebensmotto äußerte: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“ Bei Eintracht Frankfurt verspekulierte sich beinahe eine halbe Mannschaft in den 80er Jahren mit Bauherrenmodellen, und erst vor ein paar Jahren verzockten Bundesliga-Profis wie Andrzej Juskowiak oder Martin Schneider große Teile ihres Vermögens, weil sie sich dem Finanzberater Jörg-Michael Knippel anvertrauten, der seinerzeit Vermögensberater für Immobilien in Ostdeutschland war – ein Fehler, wie sich im nachhinein herausstellte. So erwiesen sich die Immobilien als Flop, und in der Not soll Knippel illegal Gelder zwischen verschiedenen Fonds hin und her geschoben haben, um die Verluste zu verschleiern.

Doch das sind bei weitem keine Einzelfälle. So haben laut Erhebungen der Vereinigung der Vertragsfußballer (VdV) gerade einmal 10 % der Fußballer nach ihrer aktiven Zeit ausgesorgt, 25 % haben zudem erhebliche Probleme, einen neuen Job zu finden. Auch ein Grund, weshalb sich die VdV bereits seit einigen Jahren sehr aktiv im Bereich Fort- und Weiterbildung für Fußballer engagiert.

Doch wieso geraten so viele Fußballprofis in die Existenzfalle? Deren Einstellung ist hier ein wichtiger Fakt. Aufgrund der Tatsache, dass andere Sportler wie Turner oder Hockeyspieler keine Millionen verdienen und sich somit der Tatsache bewusst sind, dass es ein Leben nach dem Sport gibt, schließen viele im Laufe ihrer sportlichen Laufbahn eine berufliche Weiterbildung ab. Fußballer leben dagegen in einer Scheinwelt. Die Medien und die Fans, aber auch das weitere Umfeld sorgen dafür, dass Fußballspieler schon in relativ jungen Jahren „verdorben“ werden. „In einer Branche, in der die Protagonisten mit Geld um sich werfen wie beim Monopoly-Spiel, hat die Zukunftssicherung vielfach eine untergeordnete Rolle. Manch jungem Spieler verkaufen Sie schneller den dritten Porsche als eine vernünftige Anlage“, erklärt Rechtsanwalt Dr. Markus H. Schneider, der zudem Referent beim Deutschen Fußballbund ist. Und so kommt es, dass sich Spieler in ihrer aktiven Zeit viel Luxus leisten, ganz in dem Gedanken, es wird schon mit den Geldeingängen immer so weitergehen – bis das böse Erwachen kommt.

Frühzeitiger Vermögensaufbau tut daher Not. Für den Außenstehenden stellt sich die Frage, ob hierfür nicht die Spielerberater zuständig sind. „Leider ist dies nicht oft der Fall“, so Schneider und setzt fort: „Oft werden die Spieler mit ihrem Risikomanagement alleine gelassen.“ Zudem sind Spielerberater nicht unbedingt auch fähige Vermögens- oder Versicherungsberater. „Grundsätzlich müssen Fußballer bedenken, dass ihre aktive Zeit und damit die großen Gehälter nur befristet sind. Daher sollten sie unbedingt eine entsprechende Reserve für später aufbauen“, erklärt Christian Schmeckmann vom Finanz- und Vermögensberater MLP und Experte für die Absicherung von Sportlern. Wichtig sei es, rechtzeitig eine Planung für die Zeit nach dem aktiven Fußball aufzusetzen und sich dafür professionellen Rat zu holen. „Viele Fußballer kaufen während ihrer Erfolgszeit Immobilien oder tätigen andere teure Investitionen und nehmen dafür Kredite auf. Doch die können sie danach häufig nicht mehr bedienen – und dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen“, so Schmeckmann.

Um für das Alter vorsorgen zu können, haben der DFB und die VdV vor einigen Jahren ein für den deutschen Profifußball einzigartiges Vorsorgekonzept entwickelt. Das Versorgungswerk bietet dabei als überbetriebliche Unterstützungskasse Spielern und Angestellten von Fußballvereinen und -verbänden alle Vorteile einer betrieblichen Altersversorgung (Sozialabgaben bzw. Steuerfreiheit) und garantiert somit eine rentable Kapitalanlage sowie gegebenenfalls Hinterbliebenenvorsorge. Darüber hinaus bietet das Versorgungswerk für die betriebliche Altersversorgung auch die Direktversicherung und die Riester-Rente mit Sonderkonditionen an.

Doch auch im „reinen“ Versicherungsbereich ist es bei Fußballprofis keinesfalls so, dass die Sportler gut genug abgesichert sind – und das obwohl eine erstklassige medizinische Versorgung ein Muss für jeden Sportler ist, der sein Geld mit seinem Körper verdient. Nach Recherchen von finanzwelt gibt es nur eine recht kleine Anzahl von privaten Krankenkassen, die Berufsfußballer aufgrund der eventuellen Kostenübernahme bei Verletzungen überhaupt aufnehmen. Auch sinnvolle Berufsunfähigkeits- bzw. Spielunfähigkeitsversicherungen sind nur äußerst schwer zu erhalten. Es soll sogar Fußballprofis geben, die noch ohne private Haftpflichtversicherung herumlaufen ...

Fazit: Es klingt merkwürdig, ist aber Realität. Obwohl Bundesligaspieler sehr viel Geld verdienen, sind nicht gerade wenige von ihnen nach ihrer aktiven Karriere stark abgestürzt. Es ist daher sehr merkwürdig, dass es in einem Markt, in dem Millionen umherschwirren, nur sehr wenige Experten gibt, die sich auf das Thema Risikomanagement beim Fußballprofi fokussieren.

(Marc Oehme)


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