Was Lebensversicherer 2004 zu bieten haben
Keine fetten Jahre
Die laufende Gesamtverzinsung der deutschen Lebensversicherer geht 2004 nochmals zurück. Ein Ende der Talsohle scheint aber in Sicht. Doch die unterschiedliche Behandlung von Neu- und Bestandskunden ist ein gefährliches Spiel. Was das Jahr 2004 bringen wird.
Kunden deutscher Lebensversicherer können sich 2004 endgültig auf eine Gewinn-beteiligung zwischen 3,25 und 6,0 % einstellen. Die neueste Untersuchung des Assekuranz-Marktforschungsdienstes map-report zeigt: Im Schnitt werden die Guthaben mit rund 4,39 % verzinst. Marktführer Allianz liegt mitten drin (4,5 %). Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte die Allianz trotz schwerer Börsennachwehen noch 5,3 % gutgeschrieben.
Manfred Poweleit, Chefredakteur von map-report, hält die Deklaration 2004 sogar noch für mindestens 0,2 Prozentpunkte zu hoch. Grund: Vier von fünf Euro aus den Sparbeiträgen der Kunden hätten die Lebensversicherer in festverzinslichen Wertpapieren angelegt. Bei Neuanlagen bekommen sie dafür derzeit nur rund 4 % Zinsen pro Jahr. Trotzdem würden die Kundenguthaben 2004 höher verzinst.
Indes sind die Unterschiede zwischen den Gesellschaften beim Kapitalanlagegeschick deutlicher geworden. Eine Umfrage von „Capital“ ergab, dass 13 Anbieter in diesem Jahr nur noch den Garantiezins ausschütten, den sie Kunden für Verträge, die zwischen Juli 1994 und Juni 2000 abgeschlossen wurden, versprochen hatten (4,0 %). Im Mittelwert der letzten zehn Jahre können sich die Versicherer dagegen noch in den Erfolgen vergangener Jahre sonnen - sie kamen im Schnitt auf 6,62 % Zinsen pro Jahr (Details liefert map-report mit Heft 564 zum Preis von 75 Euro; Bestellung über www.map-report.com). Dagegen nahm sich die Wertentwicklung deutscher Aktienfonds in dieser Zeitspanne sehr bescheiden aus (- 1,52 % pro Jahr). Deutsche Rentenfonds brachten akzeptable 4,86 %, offene Immobilienfonds magere 3,53 %.
Angesichts sinkender Überschussbeteiligungen haben sich mehrere Gesellschaften einen Trick einfallen lassen, um das Neugeschäft anzukurbeln: Sie verteilen Überschüsse neuerdings in Abhängigkeit vom Garantiezins. So bietet die Alte Leipziger Neukunden jetzt 4,4 % Überschussbeteiligung, während Bestandskunden nur 4,3 % bekommen. Bei der Victoria ist die Diskrepanz noch deutlicher: 3,42 % für Neukunden und nur 3,30 % für Bestandskunden. Begründung der Alten Leipziger: Wegen der höheren Garantie in den Vorjahren gegenüber den aktuell gebotenen 2,75 % wäre weniger Geld aus Altverträgen für renditestarke Anlagen vorhanden. Daher sei auch mit geringeren Kapitalerträgen zu rechnen. Weitere Anbieter wollen sich vom Einheitszins verabschieden. Damit droht das Ende der Tarif-Generationengerechtigkeit. Das neue Modell, Überschüsse in Abhängigkeit vom Garantiezins zu verteilen, hatte bei Redaktionsschluss jedoch nicht den Segen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Der Verdacht der BaFin: Es könnte der Grundsatz verletzt sein, dass Kunden mit ähnlichen Verträgen gleich behandelt werden müssen. Bis zur Klärung wollen die Aufseher laut einem internen Rundschreiben „einer unterschiedlichen Gesamtverzinsung auf Grund unterschiedlicher Garantiezinsen nicht zustimmen".
Dabei hätten die Versicherer eigentlich andere Probleme. So sind ihre Beispielrechnungen immer noch nicht auf dem aktuellen Stand und beschwören damit ein ernstzunehmendes Haftungsproblem herauf. Zwei von drei Beispielrechnungen sind noch nicht plausibel, kritisiert die Ratingagentur Assekurata. Und: 2003 wurde bei rund zwei Drittel aller Lebensversicherungen die laufende Gesamtverzinsung für die Kunden zu hoch angesetzt. Folge: Die Beispielrechnungen könnten in dieser Höhe niemals realisiert werden. Das offenbare der Blick auf die Soll-Rendite, also jene Verzinsung, die ein Unternehmen erzielen muss, um die dem Kunden in Aussicht gestellte Leistung erbringen zu können. So will die hoch gelobte Gothaer-Tochter Asstel bei einer Kapital-Police für einen Mann (30) über 30 Jahre Laufzeit 7,99 % laufende Gesamtverzinsung ausschütten. „Um das zu schaffen, müsste sie in den nächsten drei Jahrzehnten jährlich knapp 8 % am Kapitalmarkt verdienen - ein unwahrscheinliches Szenario“, meint Assekurata-Chef Reiner Will.
(Detlef Pohl)







