Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Neues aus der Vertriebswelt der Großen

Keine Ruhe auf den Dampfern!

© Foto: Logray - Fotolia.com

Die Zahlen sind nicht gut. So müssen die großen Vertriebe AWD, MLP und OVB auch in ihren Neun-Monats-Ergebnissen von gesunkenen Provisionserlösen berichten

Zumindest im Vergleich zu den vorherigen Quartalen gibt es teils Verbesserungen im 3.Quartal (finanzwelt online berichtete). Abgesehen vom Umsatz gab es zudem bei manchem Vertrieb auch weitere Unruhen.

Sammel- oder Einzelklage? Als ob die Gerüchte um die Datenskandale beim AWD in Deutschland nicht ausreichen würden. So gab es auch beim Nachbarn in Österreich gerichtliche Streitigkeiten. Der Vorwurf an den Alpen-AWD im zweitgrößten Zivilverfahren Österreichs: Beim Verein für Konsumenteninformation (VKI) haben sich von Oktober 2008 bis Februar 2009 rund 7.000 Anleger über die Beratungsmethoden durch die AWD-Berater beim Kauf von Immofinanz und Immoeast beschwert. „Nachdem mit dem AWD keine außergerichtliche Lösung zu erzielen war, haben wir diesem Personenkreis die Teilnahme an der Sammelklagen- Aktion angeboten“, so VKI-Chefjurist Dr. Peter Kolba. Rund 2.500 haben sich demnach bei der Aktion angeschlossen; deren Schaden liegt bei rund 30 Mio. Euro. Bislang sind zwei Tranchen der Sammelklagen bei Gericht eingebracht worden: Ende Juni für 119 Anleger, Ende September für 145 Anleger.

Der AWD wiederum weist den pauschalen Vorwurf des VKI einer systemischen Fehlberatung naturgemäß zurück. Laut Aussage des Finanzdienstleisters sei „... bei den in der VKI-Klage enthaltenen Beratungsfällen eine Systematik nicht zu erkennen.“ So finden sich in der vom VKI eingereichten Klage bspw. mehrere Anleger, die ihre Immobilienaktien nachweislich nicht über den AWD erworben haben. Darüber hinaus sind etliche der in der Klage angeführten Anleger durchaus erfahrene „Aktien-Kunden“, die im Laufe der Jahre eine Vielzahl von Kauf-, Nachkaufs- und Verkaufstransaktionen getätigt und dabei immer wieder auch erhebliche Gewinne erzielt haben. „Alleine aus diesen Beispielen sollte ersichtlich sein, dass jeder Beratungsvorgang einzeln zu betrachten ist und von Fall zu Fall erhebliche Unterschiede bestehen“, so die Antwort aus Hannover. Im Übrigen habe man in der Vergangenheit mehrfach deutlich gemacht, dass das Unternehmen bereit sei, in berechtigten Einzelfällen zu gütlichen Lösungen mit den Betroffenen zu kommen. Dies setze jedoch eine dezidierte Prüfung der Einzelfälle voraus.

Wird die Sammelklage nicht zugelassen, wäre dies laut VKI für eine Vielzahl der Kläger ein Knock-Out. Schließlich sind Einzelklagen ca. fünf Mal so teuer als die Sammelklage; „Das ist von dritter Seite nicht finanzierbar“, so Dr. Kolba. Und weiter erklärt er: „Dem AWD geht es darum, aus der Haftung zu flüchten. Wir dagegen sehen die Sammelklage als das einzige Mittel an, die von uns behauptete `systematische Fehlberatung´ zu beweisen. Gerade die Zusammenschau der 2.500 Aussagen von Anlegern wird deutlich machen, dass seitens des AWD mit System falsch beraten wurde. Dazu kommt, dass wir ein Sachverständigen- Gutachten zu der Frage beantragt haben, ob der AWD als „Finanzoptimierer" anhand einfacher Analysen der Bilanzdaten der Immofinanz hätte erkennen müssen, dass sich diese Aktie nicht für konservative Anleger eignet. Soll dieses Gutachten in 2.500 Einzelverfahren immer wieder erstellt werden?“

Nun warten beide Seiten auf die Entscheidung über die Zulässigkeit der Sammelklagen. Das HG Wien hat am 22. Oktober 2009 kundgetan, dass über die Anträge des AWD auf Zurückweisung der Klage schriftlich entschieden wird. Dies wird bis Ende des Jahres wohl geschehen. Das Prozesskostenrisiko wird übrigens vom deutschen Prozesskostenfinanzierer Foris AG getragen, wodurch sich die Geschädigten ohne Kostenrisiko an der Sammelklagen-Aktion beteiligen können. Auch der AWD Österreich ist laut eigenen Angaben für eine gerichtliche Auseinandersetzung gut vorbereitet und hat in angemessener Höhe Risikovorsorge getroffen. Ein juristisches Vorgehen gegen den damalig zuständigen Vorstand Wolfgang Prasser steht nicht im Raum. Ebenso wenig steht ein Rückzug aus der Region Österreich zur Debatte.

Kapitänwechsel. Mit solchen Problemen hat der Kölner Vertrieb OVB nicht zu kämpfen. Dessen Probleme sind von interner Art. So war die Abbildung der Rückstellungen für Stornorisiken im Abschluss zum 31. März 2009 unzutreffend. Im Rahmen der Erstellung des Halbjahresfinanzberichts zum 30.06.2009 sind diese unzutreffenden Buchungen laut OVB festgestellt und korrigiert worden. Somit sind die Rückstellungen für Stornorisiken und die Steuerrückstellungen sowohl zum 30. Juni 2009 als auch in der dargestellten Vergleichsperiode zutreffend ermittelt worden. Ferner wurde derweil Mitte Oktober mit Wilfried Kempchen der Nachfolger vom ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Michael Frahnert bestimmt (bezüglich Frahnert befindet man sich im Übrigen derzeit auch noch in juristischen Unstimmigkeiten). Der neue Kapitän heißt somit Kempchen und ist erst im Juli in den Vorstand aufgestiegen. Kempchen kennt den OVB seit 38 Jahren. Bis Juli war er als „Senior Landesdirektor" für insgesamt 37 Landesdirektionen verantwortlich.

(Marc Oehme)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: