Interview mit Alfred Platow
Kombi aus Versicherung und Ethik
Alfred PlatowDer älteste in Deutschland angebotene Fonds, der die strengen Kriterien für nachhaltiges umwelt- und sozialpolitisches Wirtschaften beachtet, der 1996 aufgelegte ÖKOWORLD ÖKOVISION CLASSIC, kommt von der versiko-Tochter. Noch heute ist versiko (mit 24,9 %) an der Ökorenta AG beteiligt, die von Alfred Platow, dem Firmengründer und Vorstandsvorsitzenden der versiko AG, gegründet wurde. finanzwelt sprach mit ihm.
finanzwelt: Als Sie vor mehr als 30 Jahren mit der Beratung in nachhaltigen Geldanlagen begannen, standen Sie allein auf weiter Flur. Heute, gerade auch in der Krise, entdecken immer mehr Anbieter von Kapitalanlageprodukten die Ökologie. Sehen Sie das mehr mit einem lachenden oder weinenden Auge?
Platow: Eher mit einem lachenden Auge. Wir können uns bestätigt fühlen, weil immer mehr Menschen, Anleger und Finanzdienstleister die Bedeutung der nachhaltigen Geldanlage erkannt haben. Sogar der Marktführer Allianz bietet jetzt eine Lebensversicherung an, die in den Deckungsstock nachhaltig investiert. Das verschafft uns, die wir schon lange auf Nachhaltigkeit gesetzt haben, Rückenwind. Und wir können zudem darauf verweisen, dass wir anders als die meisten Konkurrenten schon 34 Jahre positive Erfahrungen gesammelt haben.
finanzwelt: Die Krise ist aber auch an Ihnen nicht spurlos vorübergegangen. Seit 1999 ist Ihr Unternehmen an der Börse, die Aktie blieb von Kursverlusten nicht verschont. Wie sehen Sie Ihr Haus im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld?
Platow: Vor dem Hintergrund der ungünstigen Rahmenbedingungen hat sich das Unternehmen gut geschlagen. Wir können eine Dividende von 0,06 Euro je Vorzugsaktie und 0,05 Euro pro Stammaktie zahlen. Zudem haben wir im Dezember ein Aktienrückkaufprogramm abgeschlossen. Aber die versiko-Aktie konnte sich dem allgemeinen Kurstrend an den Börsen nicht entziehen.
finanzwelt: Die weltweiten Konjunkturankurbelungsprogramme enthalten auch Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur und zur Förderung der erneuerbaren Energien. Glauben Sie, dass nachhaltige Geldanlagen gestärkt aus der aktuellen Krise hervorgehen?
Platow: Davon bin ich überzeugt. Vor allem durch das Obama-Programm zur Überwindung der Wirtschaftskrise sind die regenerativen Energien und Nachhaltigkeit noch einmal in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt worden. Zudem hat die Krise zu einer Änderung des Verbraucher- und Anlegerverhaltens geführt. Transparenz und Sicherheit haben heute einen größeren Stellenwert als vor der Krise. Wir gehen davon aus, dass der Wachstumsmarkt der Alters- und Gesundheitsvorsorge nach Überwindung der Finanzkrise besondere Chancen für diejenigen Unternehmen bieten wird, die sich nachhaltig positionieren.
finanzwelt: Gerade auf Grund der aktuellen Krise haben viele Menschen die Bedeutung einer sicheren Altersvorsorge erkannt. Die Altersvorsorge gilt heute mehr denn je als Wachstumsmarkt. Wie nehmen Sie daran teil?
Platow: Schon seit 1992 ist versiko mit der versiRente auf dem Markt, einer Lebensversicherung, die die Versicherungsleistungen mit Aspekten der nachhaltigen Kapitalanlage verbindet. Außerdem bieten wir die fondsgebundene Lebensversicherung versiLife an, die in nachhaltige Fonds investiert, und mit ÖkoTrust eine Vermögensverwaltung mit Fonds. In der betrieblichen Altervorsorge sind wir seit 1987 tätig. Damals gründete versiko mit anderen ökologisch-nachhaltig orientierten Unternehmen eine überbetriebliche Pensionskasse. Unser jüngstes Produkt in diesem Segment ist die eenergie-Rente, eine betriebliche Altersversorgung für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus den Unternehmen der erneuerbaren Energien.
finanzwelt: Unter den geschlossenen Fonds stoßen derzeit vor allem Solarfonds auf reges Anlegerinteresse. Gehören auch geschlossene Fonds zu der von Ihnen angebotenen Produktpalette?
Platow: Unsere Kunden kommen ursprünglich vor allem aus dem grün-alternativen Umfeld und haben in den neunziger Jahren gern Windkraftfonds gezeichnet. Aber wir haben auch viele Schiffsfonds vermittelt, mit denen unsere Anleger jahrelang hohe und dank der Tonnagesteuer steuerfreie Ausschüttungen erzielt haben. Derzeit kaufen wir für unsere Anleger vor allem Neue Energien-Zweitmarktfonds, die vom Produktlieferanten Ökorenta aufgelegt werden. Zur Beimischung eines gut diversifizierten Portefeuilles eignen sich geschlossene Fonds hervorragend, weil der Anleger bei diesen Produkten nicht von volatilen Börsenkursen irritiert wird.
finanzwelt: Die Emission von Investmentfonds ist ein zweiter wichtiger Kernbereich Ihrer Geschäftstätigkeit. Warum eigene Fonds?
Platow: Unser Ziel ist es, durch strenge Kriterien der Nachhaltigkeit Branchenstandards zu setzen. Unsere Tochter ÖKOWORLD LUX S. A. ist die einzige Investmentgesellschaft, die ausschließlich nachhaltige Fonds auflegt.
finanzwelt: Wie stellen Sie die Einhaltung der Kriterien und gleichzeitig ein optimales Management des Fondsvermögens sicher?
Platow: Dies lässt sich nicht einheitlich sagen. Bei der Ökovison-Fondsfamilie, der Hauptproduktlinie, wird anhand von klar definierten Positiv- und Negativkriterien, die von einem Anlageausschuss festgelegt werden, das Anlageuniversum definiert. Und es wird laufend kontrolliert, ob die ausgewählten Unternehmen die nachhaltigen Standards einhalten. KO-Kriterien sind Atomkraft, Rüstung, Chlorchemie, Tierversuche oder Verletzung der Menschenrechte. Das „day to day Management" ist ausgelagert an international renommierte Portfoliomanager. Dabei wird auf eine breite Risikostreuung gesetzt und branchenübergreifend in kleinere bis mittelgroße Unternehmen sowie zu rund einem Drittel in Blue Chips investiert.
Im Jahr 1975 gründeten Alfred Platow und Klaus Odenthal die „Alfred & Klaus - kollektive Versersicherungsagentur", die 1987 in versiko GmbH umgewandelt wurde. 1995 wurde daraus die versiko AG, 1999 folgte der Börsengang. Aktionäre der versiko AG sind überwiegend Kundinnen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Vorstand wird gebildet von den Firmengründern und der Rechtsanwältin Helga Nissen. Heute betreut das Unternehmen mehr als 50.000 Kunden und ist einer der Marktführer in der nachhaltigen Vermögensberatung und Anbieter von Investmentfonds. Über die 100-prozentige Luxemburger Tochter ÖKOWORLD LUX S. A. emittiert das Unternehmen selbst Nachhaltigkeitsfonds.
(Das Gespräch führte Dr. Leo Fischer)







