Der Kommentar
221 Fonds wurden 2001 nach einer Untersuchung des Instituts für Marktbeobachtung (ima) dicht gemacht. „Die Börsenkrise geht auch an den Fondsgesellschaften nicht spurlos vorüber“, meint hierzu Joachim Meyer, Vorstand der Fonds-Consult Research AG.
Nimmt man eine grobe Analyse vor, wurden ebenso viele Renten wie Aktienfonds geschlossen. Es waren jeweils 88. Bei den Aktienfonds waren vorrangig Fonds mit speziellen Ausrichtungen betroffen: Länderfonds von Staaten mit geringer Marktkapitalisierung oder Fonds, die in Teilmärkten agierten. Bei den Rentenfonds waren mehrheitlich Standartprodukte wie beispielsweise europäische Rentenfonds betroffen. Auf der einen Seite gibt es Fondsschließungen bei echten Laufzeitfonds handelt. Das ist o.k. Immer mehr ist aber die Straffung der Produktpalette nach einer Fusion der Grund.
Wenn sich Fondsgesellschaften zusammenschließen, ergeben sich möglicherweise Doppelungen im Angebot, die sinnlos sind. Eine Fondsschließung ist in diesem Fall die beste Möglichkeit, denn eine Änderung der Anlagepolitik könnte viele Anleger zum Wechsel zwingen, und Fonds-Fusionen sind derzeit noch nicht erlaubt. Neben diesen „normalen“ Gründen gibt es schließlich noch Schließungen, die die Gesellschaften selbst verschuldet haben, weil sie zu spät auf Trends setzen oder Produkte anbieten, die keiner haben oder besser halten will. „Viele Gesellschaften kümmern sich mehr um Marketing als um ihre Kernkompetenz, das Fondsmangement“, kritisiert Meyer. Damit mag er recht haben. Denkbar ist aber auch, sozusagen als schlechteste aller Lösungen, dass die Performance des Fonds dauerhaft so daneben liegt, dass immer mehr Anleger dem Fonds den Rücken kehren. Ab einem bestimmten Punkt sind die Fixkosten im Verhältnis zum Volumen so groß, dass sich der Fonds weder für die Gesellschaft noch den Anleger rechnet. Bei einer Fondsschließung verschwindet das Fondsvermögen dann nicht, sondern wird ausgezahlt.
Meist bieten die Gesellschaften die Möglichkeit, kostenlos in einen anderen Fonds zu wechseln. Nach Ablauf der Kündigungsfrist erhält man als Anleger den aktuellen Wert seiner Fondsanteile ausbezahlt, wenn man einen Wechsel ablehnt oder seine Anteile vorher nicht verkauft. Ärgerlich wird eine Fondsschließung, wenn die Anteile bei Schließung im Minus liegen und die Gesellschaft keine Fonds mit ähnlicher Ausrichtung anbietet. In diesem Fall sollte man in einen Fonds derselben Gesellschaft mit anderer Ausrichtung wechseln oder seine Fondsanteile mit Verlust verkaufen und zu einer anderen Firma gehen. Wer eine Fondsschließung vermeiden will, sollte das Fondsvolumen im Auge behalten. Es ist also sicher nicht unwichtig, dass man auch das mögliche Volumen „seines” Fonds im Auge behalten sollte. Zudem sollten sich Anleger vorab informieren, welche Möglichkeiten im Fall einer Fondsschließung angeboten werden. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die Fondsschließungen eher ab denn zunehmen werden.