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Kommentar

Der Kommentar

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Stern schreibt es, die Wirtschaftswoche auch. Selbst die Welt am Sonntag. „Eichel verdiene die meisten Oscars” - heißt es da. Was kocht hier eigentlich hoch? Verlieren wir uns selbst beim internationalen Filmgeschäft in Provinzialität? So haben die ansonsten für ihre Recherchequalität bekannten Wirtschaftswoche-Redakteure bei ihrem Beitrag verstärkt auf Meinungsmache gesetzt haben. Dass sich der Beitrag an einigen Stellen widerspricht, stört da kaum (bspw. „Hollywood-Produktionen”, die aus Kostengründen in Rom gedreht werden - ist es also auch im Sinne der Wiwo Redaktion verboten, in Europa zu drehen?). Auch der Vorwurf des stupid german money läuft doch ins Leere, wenn doch mit Geld privater deutscher Produzenten immerhin 46 oscarverdächtige Filme gedreht worden sein sollen ...

Worum geht es eigentlich? Klar, die steuer- und handelsrechtlichen Vorgaben verlangen bei Filmproduktionen die sofortige Abschreibung der Kosten. Das führt zum Unwort Steuervorteile. Dass diese Vorteile innerhalb weniger Jahre überkompensiert werden und die Investition in das Filmgeschäft durch das Geld privater Anbieter mehr Steuereinnahmen bringen, als sie Steuervorteile „produzieren” (so ein Gutachten des Verbandes Deutscher Medienfonds) wird ignoriert. Geht es also nur um das Politikum „Deutschlandeffekt”.

Der Verband Deutscher Medienfonds hat, im Auftrag seiner Mitglieder, die den unternehmerischen Teil der Branche vertreten, von sich aus erklärt, deutlich mehr in Deutschland produzieren zu wollen. Allerdings müssen hierzu auch die Rahmenbedingungen passen. Gerne würde man an einen Gesprächstisch zurück kehren, um die Voraussetzungen hierfür zu finden. Dies hat jedoch nichts zu tun mit der aktuellen steuerpolitischen Diskussion. Es geht also nicht darum, ein Politikum auf der Basis steuerrechtlicher Probleme austragen zu wollen. Denn bei der Frage, ob zwei BFH-Urteile auch Anwendung bei Medienfonds finden, konnte ganz klar aufgezeigt werden, dass es sich um den sprichwörtlichen Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen handelt.

Sollte es indes zur Anwendung kommen, braucht sich kein Journalist mehr Gedanken darum zu machen, ob wir irgendwo auf der Welt mit Hilfe des Kapitals privater Anleger einen Film produzieren und somit den Medienstandort Deutschland und die deutsche Filmindustrie insgesamt im Ansehen der Weltöffentlichkeit nach Vorne bringen. Dann nämlich dürften wir wieder dahin zurück kehren, wo wir vorher waren: In der Bedeutungslosigkeit.

Michael Oehme
Vorstand des Verbandes Deutscher Medienfonds



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