Meinung
Kommt Rating von "Raten"?

Beteiligungen an geschlossenen Fonds sind ein wesentliches Segment der Finanzdienstleistungsbranche. Ratings solcher Fonds liefern Anlagesicherheit – wird behauptet.
Werden aber solche Ratings wirklich qualifiziert und von unabhängigen Experten erstellt? Oder stimmt es, dass viele Rating-Urteile wider besseres Wissen der Analysten entstehen?
Februar 1974. Das Magazin „Wirtschaftswoche" stellt in einer Titelgeschichte unter der Überschrift „Voilà, ein neuer Markt" seinen Lesern erstmals den Markt der steuerbegünstigten Beteiligungen vor. Diese Beteiligungen wurden später Abschreibungsgesellschaften genannt, ein Begriff, der einer Verunglimpfung gleichkommt.
Als Erste der deutschen Publikumsgazetten hat die Wiwo frühzeitig erkannt, welches Potenzial in dieser Beteiligungsbranche steckt. Folgerichtig bot das Magazin einen neuen Service an: Ratings geschlossener Fonds. Diese Ratings wurden von der G.U.B., der Gesellschaft für Unternehmensanalyse und Beteiligungsmanagement GmbH, Hamburg, die ich 1973 gründete, erstmals in Deutschland angeboten. Ratings geschlossener Fonds sind seit diesem Februar aus der Branche nicht mehr wegzudenken. Damals hatten die geschlossenen Fonds ein jährliches Investitionsvolumen von gerade mal einer Milliarde D-Mark. Heute bieten wenigstens 11 Rating-Agenturen und Institutionen diesen Service, der inzwischen ein jährliches Investitions-Volumen von 16 Milliarden Euro zum Gegenstand hat, das entspricht dem 32fachen des Volumens von 1974. Über 500 Fonds werden jährlich öffentlich angeboten.
31 Jahre nach dem ersten öffentlichen Rating im Jahre 2005 schreibt Rechtsanwalt Martin Klein in einer Publikation des DFI (Deutsches Finanzdienstleistungs-Informationszentrum GmbH):
„Der Berater ist verpflichtet, seinen potenziellen Kunden in verständlicher Form angemessene Informationen über sich und seine angebotene Dienstleistung sowie über Finanzinstrumente um vorgeschlagene Anlagestrategien, verbunden mit geeigneten Leitlinien und Warnhinweisen, sowie die mit den Anlagestrategien verbundenen Risiken zur Verfügung zu stellen ..."
Klein, heute Geschäftsführer des bedeutendsten Branchenverbandes „VOTUM", hat diesen Satz nicht ohne Grund unter der Überschrift „Standesrecht" geschrieben. Sein Statement trifft vollständig zu. Insbesondere auf die Rating-Branche. Denn Ratings können solche Leitlinien oder Warnhinweise sein. Die Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Ratings stehen massiv in der Kritik und verbreiten, wenn einigen interessierten Quellen gefolgt wird, eher Unsicherheit, als sie Anlegern und Vermittlern das zu fordernde unabhängige Fachurteil liefern.
Geschlossene Fonds und Investmentfonds - zwei Formen von Unternehmensbeteiligungen, die dem privaten Anleger zur Zeichnung angeboten werden. Sie scheinen nichts miteinander zu tun zu haben, scheinen „lediglich" Wettbewerber um des Anlegers Kapital. Dennoch berühren sich diese Anlageformen über den Begriff „Rating". Ratings von öffentlichen Emittenten und Wertpapieren gehören zu den zentralen Sicherheitspostulaten, die an allen Börsen der Welt Gültigkeit haben. Diese sehen Transparenz als Sicherheitspostulat Nr. 1 vor. Ohne die Einschätzung professioneller unabhängiger Fachleute, also Ratings, ist eine funktionierende Börse undenkbar. Und dennoch: Fehlerhafte Ratings von Emittenten und Wertpapieren werden für die aktuelle Finanzkrise mit verantwortlich gemacht. Die Forderungen,die seit Herbst 2008 verstärkt von Aufsichtsbehörden, Journalisten und Beobachtern aller Art erhoben werden, heißen: Mehr Regulierung, mehr Überwachung, mehr Haftung für Rating-Agenturen, die am Wertpapiermarkt tätig sind.
Es bedarf keiner hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusagen, dass die Rating-Agenturen, die geschlossene Fonds checken, Ähnliches zu erwarten haben.







