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Ja, ich will!

Konzentrationsprozesse im Vertrieb

Lange erwartet haben Marktbeobachter einen Konzentrationsprozess bei den Vertriebsplattformen. Zu aufwändig sind die Kosten für Produktbeschaffung/-prüfung, IT-Entwicklung und Service. Zudem gibt es bei vielen Plattform-Überschneidungen. Nachdem die ersten„Elefantenhochzeiten“ verkündet wurden, ist nun Platz für weitere Entwicklungen.

Manfred Brenneisen (Brenneisen Capital AG) und Peter Sissovics (UKConsult AG) können sich zufrieden zurücklehnen. Die Fusion zur BUK Capital AG, die am 5. April verkündet wurde, hätte beiden Seiten Vorteile gebracht. Doch die Fusion wird modifiziert in die Tat umgesetzt, denn am 18. Mai verkündete Peter Sissovics: Aus für UK Consult! Dabei hatten sich beide Unternehmen schon in der Vergangenheit von einer reinen Marktplatzstrategie, wie sie beispielsweise Marktführer eFonds 24 bietet, durch eine selektive Produktauswahl unterschieden. Soll heißen: Die Plattform empfiehlt, was vertrieben werden soll. „Die neu entstandene BUK Capital AG möchte sich mit seinem umfassenden Dienstleistungsangebot als der b2b-Provider mit Anspruch auf Qualitätsführerschaft im Bereich der geschlossenen Fonds verstanden wissen“, erläutert Manfred Brenneisen. Dies soll auch in Zukunft so sein. Doch offensichtlich wird hierzu keine Fusion mehr nötig sein, denn der UK-Vorstand empfahl in einem Rundschreiben die Zusammenarbeit mit Brenneisen Capital AG.

Die Fortsetzung einer Ära? BRENNEISEN CAPITAL AG bietet nicht nur umfangreiche Servicetools, die beispielsweise einen Soll-/Ist-Vergleich von über 8.000 Fonds und somit einen umfangreichen Vergleich der Leistungsbilanzen der wichtigsten Emissionshäuser zulassen, sondern auch eine überarbeitete „Asset Optimizer“-Software zur ganzheitlichen Kundenberatung. Zudem ging man in Sachen Zweitmarkt eine strategische Kooperation mit der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG ein. Bereits vorher hatte eFonds, die im vergangenen Jahr immerhin rund 400 Millionen Euro Eigenkapital platzieren konnten, mit einem eigenen liquiden Zweitmarkt und einem „optimierten Servicekonzept“ – so eFonds-Geschäftsführer Alexander Betz – reagiert. Nur weniger Tage später, genauer gesagt am 11. April, trat dann BIT Treuhand AG-Vorstand und Sprachrohr Jan Bäumler an die Presse und vermeldete eine 60-prozentige Beteiligung der Aragon Aktiengesellschaft. Bekannt wurde die Aragon durch den Erwerb bzw. die Fusion mehrerer Einzelmaklerpools in die Jung, DMS & Cie. AG. Daneben ist das Beteiligungsunternehmen unter Vorstand Christian Angermayer und Ralph Konrad zu 58 % an der Fundsmatrix AG, einem institutionellen Fondsvertrieb, zu 51 % an der Transaktionsbank biw Bank AG sowie zu 100 % an der Inpunkto GmbH, einem Vertrieb mit Schwerpunkt Private Krankenversicherung beteiligt. Auch diese Hochzeit soll beiden Brautpartnern die Zukunft sichern: So werden künftig alle Konzernumsätze in geschlossenen Fonds und Beteiligungen bei BIT gepoolt. Die bei den Konzerngesellschaften angeschlossenen Vertriebspartner profitieren daneben von besseren Einkaufskonditionen, einem erweiterten Serviceangebot und noch mehr Innovationskraft in der technischen Abwicklung und Unterstützung. Vorstandsmitglied Jan Bäumler jedenfalls ist hinsichtlich des Zusam- menschlusses euphorisch und sieht interessante Synergiemöglichkeiten: „Als Spezialist für geschlossene Fonds sind wir seit Jahren prädestiniert, auch diejenigen Makler von Jung DMS & Cie, die bisher noch keine Beteiligung vermitteln, an dieses hochinteressante Thema heranzuführen. Hierin sehen wir für die kommenden eins bis zwei Jahre unsere Aufgabe.“

Weniger eine Fusion als ein Zusammenschluss ist dagegen der Verbund europäischer Finanzdienstleistungs- Systeme (VeFiS). Hauptzweck der neuen Vereinigung ist die Interessenvertretung gegenüber Produktpartnern, die Unterstützung und Kontaktpflege mit den politischen Interessenvertretern, das Aushandeln von interessengerechten Courtagezusagen und die Fortbildung der Mitglieder und deren Partner – mit dem Ziel, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Mitgliedsunternehmen zu verbessern. Bislang haben sich zwölf Finanzdienstleistungssysteme diesem Gedanken angeschlossen. Im Anschluss an die Gründung wurden auf der ersten Mitgliederversammlung die drei Geschäftsführer René Berends (Consensus), Dr. Bernward Maasjost (pma) und Karl Sundmacher (maxPool) gewählt. „Diese neue Interessenvereinigung steht nicht nur Maklerpools wie Versicherungs- oder Investmentpools offen – auch Deckungskonzeptmakler oder Produktkonzeptionäre können aufgenommen werden“, betont Sundmacher. „Allerdings darf weder eine Bank noch eine Versicherung mit über 25 % an dem Unternehmen beteiligt sein“, schränkt der VeFiS-Geschäftsführer ein.

Gründungsmitglieder
der VeFiS sind:
• AMEXPool
• Consensus
• Conzepta
• Degenia
• FAS Finanz
• germanBroker.net
• maxPool Deutschland
• maxPool Österreich
• MAQON
• Pma
• Völz-Gruppe
• C-Quadrat

Eine weitere Fusion – wenngleich nicht im eigentlichen Sinne – ist die Übernahme der Finanzplan Versicherungsvermittlung GmbH durch maxPool zum 1. April 2006. Damit wird der Hamburger Maklerpool in Zukunft verantwortlich sein für die komplette Vertriebsorganisation des in Hünstetten ansässigen Unternehmens im Bereich Versicherungen und ab sofort die Betreuung der 1.308 Makler mit rund 15.000 Verträgen gewährleisten. „Die Finanzplan-Partner werden dabei auf das Serviceangebot, die kompletten Backoffice-Funktionen im Bereich KV und LV sowie auf eine ganze Reihe maxPool-eigener Produkte zugreifen können“, so Sundmacher. Doch derartige Funktionen dürften in den kommenden Jahren auch Nachteile für Finanzdienstleister und Initiatorenhäuser mit sich bringen: So wurde der Kampf um mögliche Vertriebspartner in den letzten Jahren durch Sonderkonditionen bei den Provisionen ausgetragen und es war durchaus üblich, dass Finanzdienstleister nach einem möglichen Abschluss bei unterschiedlichen Pools angefragt haben. Daneben wird der Zugangsmarkt – gerade für junge Emissionshäuser – immer schwieriger, da sich gerade die auf die Produktvorauswahl konzentrierten Anbieter, wie Brenneisen Capital AG und BIT Treuhand AG, künftig nur noch mit nachprüfbar leistungsstarken Anbietern ernsthaft ins Bett legen dürften. Dennoch waren die Fusionen eine folgerichtige Entwicklung des Margen- und Kostendrucks in der Branche und somit unausweichlich. Es bleibt abzuwarten, welche Reaktionen der Markt auf diese Entwicklung zeigt.

(MICHAEL OEHME)


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