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Doch eher eine Kröte?

Krankheitskosten-Zusatzpolicen für die GKV

Manchem Leser der FINANZWELT ist der schöne grüne Frosch auf dem Titelbild der ersten Ausgabe des neuen Jahres wohl eher wie eine Kröte erschienen. Die seit Jahresbeginn gesetzlich erwünschte Liebe zwischen Krankenkassen und privaten Krankenversicherern jedenfalls wirft eine Reihe von Fragen auf. Und das sind keineswegs nur Haftungsfragen.

Die Zusatzversicherungen der privaten Krankenversicherer, die mittlerweile über die gesetzlichen Kassen verkauft werden, sind in aller Regel nicht dieselben, die der Vermittler im Angebot hat. Sie sind billiger, weil kostengünstiger kalkuliert, standardisiert und haben auch ein paar Haken. Die Haken haben für die gesetzlichen Kassen aber Charme. Das gilt aber nicht in allen Fällen.
Die Victoria Krankenversicherung zum Beispiel kooperiert eher locker mit mehreren Betriebskrankenkassen, ohne dafür besondere Tarife entwickelt zu haben. Die Kassenmitglieder erhalten die Zusatzversicherungen des Versicherers zur Ergän- zung des gesetzlichen Schutzes, auf die auch der eigene Außendienst und Makler Zugriff haben, wie Ingmar Douglas, Vorstandsvorsitzender der Victoria Kranken, auf der Bilanzpressekonferenz der Victoria Gruppe am 11. März in Düsseldorf betonte.

Anders läuft es bei den Kooperationen zwischen HanseMerkur und der Deutschen Angestellten Krankenkasse DAK, der Aachener und Münchener und der Techniker Krankenkasse oder der Barmenia und dem Bundesverband der Betriebskrankenkassen... Hierfür haben die privaten Versicherer spezielle Tarife entwickelt, die allein den Kassenmitgliedern angeboten werden. Gesetzlich Krankenversicherte, die eine private Zusatzpolice der HanseMerkur bei ihrer Kasse erworben haben, sind auch drei Jahre daran gebunden. Vorher ist dieser Versicherungsschutz unter normalen Umständen nicht zu kündigen.
Von einer dreijährigen Bindung seiner Kassenklientel wollte Hans-H. Kasten, im Vorstand der AMB Holding auch für die Krankenversicherung zuständig, nichts wissen. Seine Zusatzversicherungen für den gesetzlichen Kooperationspartner seien ganz normale Krankenversicherungspolicen, meinte er auf der Bilanzpressekonferenz der AMB Generali Holding AG am 10. März des Jahres in Bensberg bei Köln. Geboten werden zwei Tarif-Module mit unterschiedlichen Leistungen, die aber exklusiv für die 5,5 Millionen Versicherten der Techniker Krankenkasse entwickelt worden sind, mit der die AMB kooperiert. Gleichwohl können diese Zusatzversicherungen „anders als bei allen bisher bekannt gewordenen Kooperationen“ zwischen privaten und gesetzlichen Kassen sowohl von der Techniker Krankenkasse als auch von den Außendienstorganisationen der AMB-Gruppe vermittelt werden. Auch Maklern und den Angestellten der Commerzbank steht der Vertrieb dieser Policen frei.
Dabei haben die Aachener für die neuen Zusatzversicherungen eine alte Tochtergesellschaft reaktiviert, die Envivas Krankenversicherung AG in Köln. Existenzberechtigung dieser hundertprozentigen Tochter der AMB Generali Holding AG haben sie allein durch die neuen Zusatzpolicen für die Versicherten der Techniker Krankenkasse. Verwaltet werden die Policen aber bei der Central Krankenversicherung AG, dem klassischen Krankenversicherer der AMB-Gruppe.
Auch die DKV Deutsche Krankenversicherung AG, die inzwischen mit mehreren Allgemeinen Ortskrankenkassen liiert ist, zeigt beim Vertrieb ihrer Ergänzungstarife keine Berührungsängste mit dem eigenen Außendienst. Dieser darf die hauseigenen GKV-Produkte ebenfalls vermitteln. Doch grundsätzlich seien für die Akquisition in diesem Bereich die „Außendienstmitarbeiter“ der Allgemeinen Ortskrankenkassen zuständig, hieß es auf der Bilanzpressekonferenz der Nummer eins der privaten Krankenversicherer hier zu Lande am 4. März in Köln.
Nahezu alle Ergänzungstarife der privaten für die gesetzlichen Kassen sind jedoch preiswerter als normale Krankheitskosten-Zusatzversicherungen der PKV. Denn vor allem die Abschlussprovisionen sind in diesem neuen Geschäftsbereich grundsätzlich niedriger angesetzt. Nach einer ersten Umfrage des Internetmagazins „VersicherungsJournal“ von Anfang des Jahres sind einige Zusatzpolicen zur Ergänzung des abgemagerten gesetzlichen Krankenschutzes sogar gänzlich ohne Abschlusskosten kalkuliert.
Ferner sind beim Abschluss der Krankheitskosten-Zusatzversicherung, die für gesetzliche Kassenmitglieder entwickelt wurden, nur vereinfachte Gesundheitsprüfungen üblich. Auch das reduziert den Kostenaufwand. Die Envivas der AMB-Gruppe allerdings will die gesundheitliche Verfassung der neuen Kundschaft keineswegs ungeprüft passieren lassen und jeden Antragsteller akzeptieren, wie Hans-H. Kasten in Bensberg meinte.
Für freie Vermittler, aber auch für den Außendienst der privaten Krankenversicherer bieten diese Tarife damit in der Regel kein interessantes Zubrot. Gleichwohl ist auch kein gesetzlich Versicherter gezwungen, sie abzuschließen. Die teureren Normalversionen der privaten Krankenversicherer haben zumindest einen Vorteil: Sie binden den Versicherten nicht an eine bestimmte Kasse. Welcher Schutz wirklich besser ist, kann nicht allein vom Preis abhängen. Das muss vielmehr mit dem einzelnen Kunden abgestimmt werden. Das kann zu Haftungsproblemen führen. Manche Streitfälle werden wohl erst die Gerichte klären. Doch bekanntlich ist man nach Juristensicht vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand.

(Michael J. Glück)


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