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Dubai

Krise – ja, auch

© Foto: Patrik Dietrich - Fotolia.com

Die Einweihung des Burj al Khalifa hat es gezeigt: Das Handels- und Finanzzentrum Dubai lebt weiter.

Es ist keine Fata Morgana, die sich in Luft aufgelöst hat, auch wenn so manche Tataren-Meldung genau dies erwarten ließ. Allerdings bestätigt der Burj al Khalifa auch die seit der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahren als gültig angesehene Krisen-„Theorie“, nach der mit jedem neuen Rekord der Hochhausbauer eine globale Krise einhergeht.

Die Eröffnung des symbolträchtigen Hochhauses zeigt:
Dubai steckt durch den Auslauf der großen Projekte zwar in einer zyklischen Krise, steht aber nicht vor dem Zusammenbruch. Denn die lokale Krise bietet dank reicher Ölquellen auch den finanzstärkeren Nachbarn die Gelegenheit zum Einstieg in das Modell Dubai. Letztlich war es daher eine Finanzspritze Abu Dhabis über 10 Mrd. Dollar, mit der das ölarme, aber ehrgeizige Dubai wieder flottgemacht wurde. Damit sind zunächst einmal die drohenden Zahlungsausfälle der großen Immobilienentwickler Nakheel und Emaar aus dem Reich der Makhtoums vom Tisch.

Bedrohlich an dieser Entwicklung war zunächst, dass die beim Staatsfonds Dubai World zusammengefassten Unternehmen eine Art Haftungsverbund bilden: Kann eines nicht die fälligen Schulden bedienen, werden alle auf einmal fällig, was auf einen Gesamtbetrag von rund 26 Mrd. Dollar hinausgelaufen wäre. Von daher war es sehr wichtig, dass erst gar kein Zahlungsverzug entstand. Allerdings besagen Meldungen der lokalen Medien, dass die vorhandene Liquidität darauf konzentriert wird, die ausstehenden Leistungsverträge mit den lokalen Partnern zu bedienen, Geld für neue Projekte steht vorerst wohl nicht zur Verfügung. Damit dürfte die ganze Affäre für die Lieferanten des Emirates glimpflich ausgehen.

Die bereits engagierten Anleger werden zum Teil jedenfalls einen längeren Atem brauchen:
Die offenbar anstehende Stornierung angedachter oder geplanter Projekte dürfte den kräftigen zyklischen Abschwung der bislang sehr stark auf die Bautätigkeit orientierten Wirtschaft Dubais noch verschärfen.

Dennoch bestätigt das Engagement Abu Dhabis, dass Dubai grundsätzlich den richtigen Weg geht,
mittels der Bereitstellung einer erstklassigen Infrastruktur ein global wahrgenommenes Finanz- und Handelszentrum am Golf zu schaffen. Die Probleme sind wohl eher im Geschwindigkeitsrausch zu sehen, die Visionen lassen sich nicht so schnell umsetzen wie planen. Dubai liefert den anderen Emiraten das Modell für die Zeit nach dem Öl. Dabei kommt dem Reich der Makhtoums wohl auch zugute, dass Dubai ohnehin ein traditionell wichtiger Marktplatz auf der arabischen Halbinsel war. So geht das Emirat mit dem Startvorteil ins Rennen, schon länger einer der umsatzstärksten Handelsplätze im globalen Goldhandel zu sein. Je mehr sich die Öl-Emirate mit der Zeit nach dem Öl auseinandersetzen müssen, desto stärker werden sich Dubais Investitionen auszahlen.

Trotz Krise zeigt ein genauerer Blick auf Dubais Investmentlandschaft denn auch neben dunklen Punkten durchaus Positives:
So meldet die Münchener Fondsschmiede Selfmade-Capital erfolgreiche Verkäufe von Objekten trotz der Krise und stellt für ihren Fonds Emirates 2 ein Gesamtergebnis in der Größenordnung von 16 bis 18 % p. a. in Aussicht, wobei sich die Differenzen aus unterschiedlichen Beitrittszeitpunkten ergeben. Das wäre dann schon in normalen Zeiten ein respektables Ergebnis. Die Münchener Spezialisten für die arabische Halbinsel reden nicht nur über ordentliche Ergebnisse, sie sind trotz aller Widrigkeiten auch an der Vertriebsfront offenbar erfolgreich: Der Fonds Emirates 4 konnte Mitte Dezember vorzeitig geschlossen werden, trotz einer Verdoppelung des Kapitals. Das Objekt, eine Edelmetall-Raffinerie in Abu Dhabi, stützt wiederum Dubai, das traditionell zu den weltweit wichtigsten Handelsplätzen für Gold zählt.

Dubai bleibt also wohl oder übel auf der Agenda der Anleger.
Von daher scheint es nützlich, die Bedingungen „morgenländischer“ Engagements zu klären: Herzstück des Konzeptes sind die so genannten „free zones“: So klein das Land ist, es ist noch einmal in zwei völlig unterschiedliche Jurisdiktionen mit jeweils eigenem Recht und eigenen Gerichten geteilt. In den mehr als einem Dutzend „free zones“ wie dem Finanzdistrikt DIFC oder rund um den neuen Hafen Jebel Ali gilt das britische Common Law mit einer Gerichtsbarkeit, an deren Spitze der britische Richter Sir Anthony Evans steht, der in London residiert. Außerhalb gilt das normale arabische Recht.

Ein wichtiger Unterschied der Rechtssysteme: Das britische Common Law kennt natürlich ein ordentliches Insolvenzverfahren zur Bereinigung einer Pleite, was im lokalen, eng an den Koran angelehnten Recht bislang so nicht vorgesehen ist. Welcher Gläubiger welche Rechte gegenüber welchem Schuldner in Dubai hat, ist von daher in erster Linie eine Frage der offiziellen Adresse des Schuldners: in einer free zone oder nicht. Als Faustregel gilt: Ausländische Firmen dürfen sich normalerweise in free zones niederlassen. Soweit bislang erkennbar, unterliegen die meisten der Immobiliengeschäfte deutscher Anleger samt lokalen Finanzierungen britischem Recht und werden abschließend von Sir Anthony in London entschieden. Bei lokalen arabischen Geschäftspartnern kommt es ganz darauf an: So haben etwa die quasi staatlichen Entwickler Nakheel und Emaar offenbar Geschäfte mit Ausländern gemacht, die nur in free zones möglich sind. Formal müssten sich daher wohl sogar die Firmen der Makhtoums in diesen Fällen dem westlichen Recht unterwerfen. Ob sich ein souveräner Herrscher tatsächlich so weit binden lässt, bleibt aber abzuwarten. In jedem Falle gilt aber für alle Betroffenen: Erst einmal prüfen (lassen), welches Recht für welches Geschäft gilt.

INFO
Bei konkreten Problemen ist nach unserem Eindruck die deutsche Außenhandelskammer für die VAE in Abu Dhabi die beste mögliche Anlaufstelle, Tel. (009 71)4 / 397 00 01 oder www.ahkuae.com. Gute Informationen liefert das Golf Research Center unter www.grc.ae

(Martin Klingsporn)


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