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Was macht ein interessantes Treffen aus?

Kronberger Tafelrunde

Es ist sicher der richtige Mix an Themen, kompetent vorgetragen und offen diskutiert. Es ist aber auch die richtige Umgebung und ein Tagesablauf, der Zeit lässt für dringend notwenige Gespräche der Branchenteilnehmer untereinander, so auch „interdisziplinär“ zwischen Emittenten, Beratern, Bankern und Vertriebsführungskräften. Insofern konnten sich die Veranstalter der Kronberger Tafelrunde, Dorothee Schöneich als FINANZWELT-Herausgeberin, der Bayreuther Universitätsprofessor Dr. Karl-Georg Loritz und der anerkannte Steuerrechtsfachmann und Notar Dr. Klaus-R. Wagner sowie der Public Relations Berater Michael Oehme am Ende über einen gelungenen Tag freuen, denn die Themen begeisterten die Teilnehmer und sorgten für spannende Diskussionen.

Den „politischen Einstieg“ machte der finanzpolitische Sprecher der CSU Fraktion Georg Fahrenschon, der einmal mehr aufzeigte, dass der CDU/CSUFraktion sehr an einer Stärkung der mittelständischen Unternehmen, aber auch der Finanzierung über Beteiligungsmodelle gelegen und somit die erlangte Unternehmenssteuerreform einschließlich der Abgeltungssteuer der kleinste gemeinsame Nenner mit den sozialdemokratischen Abgeordneten gewesen sei. Man halte aber daran fest, dass die Branche zumindest in einem überschaubaren Zeitraum nicht mehr mit Hiobsbotschaften im Hinblick auf gravierende gesetzliche Änderungen zu rechnen habe. Zudem sorge aus seiner Sicht die Abgeltungssteuer für eine weitestgehende Gleichberechtigung unter den Anlageklassen.

Professor Dr. Karl-Georg Loritz brachte Ideen und Vorschläge zur positiven Umsetzung der Abgeltungssteuer, aber auch der Nutzung der Gewerbesteuerfreiheit bei vermögensverwaltenden Gesellschaften im Hinblick auf die Anlageformen offene und geschlossene Fonds, wie auch REITS und klassische Aktiengesellschaften, ins Gespräch. Mit Blick auf die Steuerreform hob er hervor, dass es interessant wäre, darüber nachzudenken, ob nicht die AG bei thesaurierenden langfristigen Anlagen die richtige Lösung böte, während die Personengesellschaft bei ausschüttungsorientierten Anlagen die bessere Perspektive bieten würde.

Bernhard Renger, Fondsspezialist beim Bankhaus Hauck & Aufhäuser ging recht hart ins Gericht mit vielen Angeboten des Marktes der geschlossenen Immobilienfonds und kritisierte vertriebsgesteuerte Blind-Pool Konzepte und Dachfonds. Er forderte klarere Investitionsprofile und die Rückbesinnung auf die eigenen Stärken der Emissionshäuser – sei es nur im Hinblick auf Regionen oder bestimmte Spezialimmobilien. Jedenfalls für seine Bank konnte er sagen, dass ausschließlich derart gestaltete Projekte, die auch eine gewisse Anlegeridentifikation zulassen, Aussicht auf Mitvertrieb hätten. Im Zeichen der Zukunftsherausforderungen für geschlossene Immobilienfonds hob er deren Bedeutung im Hinblick auf die erwarteten Änderungen der Erbschaftssteuerreform sowie der Abgeltungssteuer hervor. Hier vermisste er Innovationen wie thesaurierende Modelle oder solche mit hoher Tilgung und Ausnutzung von steuerfreien Ertragschancen.

Dem Themenkreis kritische Medienberichterstattung schenkte die Tafelrunde in diesem Jahr erneute Aufmerksamkeit. Nachdem Dr. iur Klaus R. Wagner bereits im Jahre 2001 die Frage, wie mit unberechtigten negativen Presseveröffentlichungen umgegangen werden sollte, mit einem wegweisenden Vortrag und Aufsatz bedacht hatte, beleuchteten auf dieser Tafelrunde gleich vier Referenten – Dr. iur Klaus R. Wagner, Christoph Sieciechowicz, Hans J. Bär und Michael Oehme – die aktuelle Situation bei tendenziell kritischen und teilweise gesteuerten Medien berichten. Dabei machte Wagner deutlich, dass sich die Wagschale in den juristischen Auseinandersetzungen eindeutig in Richtung Schadensersatzprozesse verlagert hätte und die gesamte Veränderung im Hinblick auf Negativberichterstattungen und Massenklagen ein neues Beschäftigen mit der Situation benötige. Dies machte auch Michael Oehme an Beispielen deutlich, indem er aufzeigte, dass geplante mediengesteuerte Negativkampagnen im Grunde jedes Unternehmen treffen und schädigen können und deshalb eines gut funktionierenden „Radarsystems“ benötigen sowie eines Maßnahmenplans, wie dem im Falle eines Falles begegnet werden könnte. Christoph Sieciechowicz, Unternehmensberater bei Rothenberg, zeigte
auf, dass das Internet und hier insbesondere die Suchmaschine www.google.de deren Informationen nahezu journalistische Glaubwürdigkeit besitzen – durchaus manipuliert werden kann, dass aber derart geschädigten Marktteilnehmern auf der anderen Seite auch Möglichkeiten offenstehen, den Falschmeldungen oder verleumdenden Informationen entgegenzuwirken. Schließlich hob Vermögensberater Hans J. Bär hervor, dass Negativkampagnen in der Regel nur dann zu Umsatzeinbußen beim Anbieter führten, wenn dieser nicht schon vorher einen engen Draht zu seinem Vertrieb aufgebaut hätte und diesem – am besten sofort oder sehr zeitnah – über mögliche kritische Beiträge und deren Hintergrund in Kenntnis setzen und versierte Ansprechpartner im eigenen Haus anbieten würde. Die aktiven Diskussionen machten dabei deutlich, dass das Thema die Branche heute deutlich mehr beschäftigt als noch vor fünf Jahren, und die Tafelrunde sicher auch in den nächsten Jahren begleiten wird.

Da passte es eigentlich gut, dass die Rechtsanwälte Stephan Gautier und Philipp von Mettenheim im Anschluss an Beispielen auf die aktuelle Situation bei der Haftung von Beiräten und Geschäftsführern von Kapitalanlagegesellschaften eingingen und hierbei ausarbeiteten, welche Form der Mitbestimmung welche mögliche Haftungsanforderungen auslösen kann und wie man sinnvoll im Vorfeld damit umgeht.

Insgesamt, so das Fazit der Teilnehmer der bis auf den letzten Platz ausgebuchten Veranstaltung, die übrigens nicht kommerziell ist, sondern durch die Veranstalter finanziert wird, um völlig unabhängig zu sein, hat sich die Tafelrunde damit zu einem Branchentreff der Anbieter von Kapitalanlagemodellen und deren beratenden Umfeld entwickelt, deren Themen oftmals Weitsicht beweisen.

(MICHAEL OEHME)


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