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Zeit heilt doch nicht alle Wunden!

Langfristvergleich bei Lebensversicherungen

Ein aktueller map-report zum Thema Langfristvergleich bei Lebensversicherungen war Anlass einiger Aufregungen im Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). So wurde namentlich von GDV-Pressesprecher Dr. Peter Schwark kritisiert, dass die neueste Studie des anerkannten Branchendienstes aus Artlenburg bei Hamburg zu Fehldeutungen führe.

Grundsätzlich machte der map-report Nr. 650-652 eines deutlich: Wer seinen Vertrag erfüllt und nicht frühzeitig kündigt, der kann eine gute Rendite erzielen. So wurden durch das map-report-Team rund um Herausgeber Manfred Poweleit 12, 20 und 30 Jahre laufende Policen nach ihrer jeweils tatsächlich erzielten Rendite untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Sparer, die ihre Police über die gesamte Laufzeit gehalten haben, im Jahre 2007 über Renditen von 4,73 % bis 6,58 % freuen konnten.
Ein besonderes „Schmankerl“ im Rahmen des „LV-Langfristvergleich mapreport“ stellt dabei der Vergleich von hochgerechneten Ablaufleistungen aus Beispielrechnungen mit den tatsächlich erreichten Ablaufleistungen für einen Vertrag mit 12 Jahren Laufzeit dar. Dabei wird deutlicher denn je, dass Beispielrechnungen nur mit Vorsicht zu genießen sind.

Vom Schein und Sein. Sicherlich können „gute“ Zahlen verlockend sein, damit sich Kunden nach bedarfsorientierter Beratung endgültig für die richtige Police entscheiden. Vermittler sollten jedoch gerade hinsichtlich der neuen Vermittlerrichtlinie gewarnt sein: Wer die Beispielrechnungen als aussagekräftige Prognosen verwendet, der kann Jahre später „in Teufels Küche“ kommen – sofern eben die Beispielrechnung nicht das verspricht, was den Kunden tatsächlich erwartet. Sinkende Zinsen in Verbindung mit dem Börsencrash im Jahr 2000 – in diesem Jahr lag übrigens der Anteil der Aktien, Investmentanteile und anderer nicht festverzinslicher Wertpapiere bei 26,4 % – sorgten für den Rückgang der Deklarationen. Daher liegen zwischen den damaligen Beispielrechnungen und den dann tatsächlich erreichten Ablaufleistungen erhebliche Differenzen.

Beispiel gefällig? Wie in den Tabellen zu sehen ist, kann zwischen Theorie und Praxis ein starker Unterschied bestehen. Für einen Mustervertrag ging man bei der Hannoversche im Jahr 1995 z. B. davon aus, dass dem Kunden nach 12 Jahren (2007) eine Summe von 22.850 Euro ausgezahlt wird. Tatsächlich waren es dann im Jahr 2007 aber nur 18.620 Euro, was eine Differenz von 4.230 Euro ausmacht! Auch bei der LVM spürt man den Börsencrash deutlich. Wurde dort 1995 noch mit 22.620 Euro spekuliert, erhielt der Kunde am Ende lediglich 18.650 Euro – eine Differenz von 3.970 Euro. Am besten schnitt hier der Direktversicherer Asstel ab: Bekam der Kunde hier laut Beispielrechnung im Jahr 1995 für einen 12-Jahres- Vertrag 21.430 Euro, so erhielt er später tatsächlich 19.860 Euro – eine Abweichung von 1.570 Euro. Beim Vergleich von Beispielrechung mit tatsächlicher Ablaufleistung dürfen hier auch nicht die vollständig zur Continentale Versicherungsgruppe gehörenden Europa Versicherungen fehlen. So erhielt der Musterkunde trotz einer Differenz von circa 2.000 Euro zu seinen Ungunsten tatsächlich am Ende immer noch eine reale Ablaufleistung von 20.640 Euro – hiermit katapultiert sich der Direktversicherer im Vergleich der Versicherer bezugnehmend auf die tatsächliche Ablaufleistung auf Platz 1. Leider waren nur rund ein Drittel der durch den map-report beauftragten Unternehmen bereit, entsprechende Angaben zum „12-Jahres-Vergleich“ zu liefern. Noch aussagekräftiger würde es werden, wenn sich entsprechend mehr Anbieter den Fragen des Teams von Manfred Poweleit, Gründer und Chefredakteur von map-report, stellen würden. Bereits jetzt ist der map-report jedoch ein schonungsloses Abbild von Wunsch und Wirklichkeit.

Kritik aus dem Hause GDV. Aus dem Hause „map“ wurde vor allem die Anlagestrategie einiger Versicherer vor der Aktienkrise als Hauptgrund für die Abweichung von Beispielrechnung und tatsächlicher Rendite als Grund genannt. Das sieht der GDV jedoch anders. „Die Bedeutung des Aktiencrashs für die Lebensversicherungsperformance wird stark überschätzt“, heißt es da in einer offiziellen Meldung bezogen auf den map-report. Hauptgrund sei eben nicht in der Fehlspekulation bei Aktien – Mannheimer Leben lässt grüßen – sondern in der konservativen Geldanlage und dessen Zinsrückgang zu suchen. „Die für die Verzinsung von rund 80 % der Kapitalanlagen folglich entscheidende Umlaufrendite öffentlicher Anleihen ist jedoch unerwartet stark gefallen – von 6,5 % in 1995 auf ein historisches Tief von knapp unter 3 % im September 2005. Seitdem hat sich das Zinsniveau auf 4,5 % nur etwas erholt“, so GDV-Pressesprecher Dr. Peter Schwark. Außerdem handele es sich bei den Beispielrechnungen der Lebensversicherer nicht um Versprechungen, sondern um Hochrechnungen – unter der Annahme, dass die Überschüsse auf dem Niveau bleiben, wie zum Zeitpunkt der Hochrechnung. Eine Kundenberatung unter Berücksichtigung einjähriger Zahlen als Hochrechnung – im schlimmsten Fall gar als Prognose – für eine langjährige Police zu nutzen, ist äußerst kritisch zu beurteilen. Anders dargestellt: Stellen Sie sich vor, Sie gehen zum Kunden und beraten darüber, wer im nächsten Jahr, ja sogar in den nächsten 30 Jahren, deutscher Fußballmeister wird: Ihre „Hochrechnung“ aufgrund der Fußballergebnisse dieses Jahres würde VfB Stuttgart heißen.

Fazit: Beispielrechnungen sind wertvolle Instrumente für die Analyse komplexer versicherungstechnischer Zusammenhänge und die wichtigsten Instrumente für den Verbraucherschutz. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!

(Marc Oehme)


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