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Leitthema

Gesundheitswesen im Wandel

Neue Chancen für den Verkauf

Auch die jüngste Reform des Gesundheitswesens, die Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, hat eine gute und eine schlechte Seite. Einerseits beendet sie die „splendid isolation“ der privaten Krankenversicherung, denn seit dem 1. Januar 2004 ist diese über Nacht zur Volksversicherung geworden. Andererseits eröffnet sie den privaten Anbietern und Vermittlern einen riesigen neuen Markt.

Wesentliches Ziel des GKV-Modernisierungsgesetzes von 2003, das auf dem parteiübergreifenden Schmidt-Seehofer- Konsens beruht, ist die Kostendämpfung im Gesundheitswesen. Daher hat der Gesetzgeber den gesetzlichen Kassen eine Abmagerungskur verordnet. Der Schutz auf Krankenschein wurde eingeschränkt. Und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht. Das ist die eine Seite der Reform.
Die andere Seite des GKV-Modernisierungsgesetzes erlaubt erstmals die Kooperation von gesetzlichen Kassen und privaten Krankenversicherern. Außerdem gestattet sie den gesetzlichen Kassen, mit ihrer Klientel wie ein Privatversicherer abzurechnen - die Belohnung der Kunden für gesundheitsbewusstes Verhalten und die Prämienrückgewähr bei Nichtinanspruchnahme von Kassenleistungen. Hier entsteht eine neue Konkurrenzsituation, die altem Schützengrabendenken neuen Auftrieb verleihen könnte. » Weiter...


Interview mit Jürgen Lang, Vertriebsvorstand der DKV in Köln

Die Zukunft der privaten Krankenversicherung

FINANZWELT: Die Gesundheitsreform eröffnet den gesetzlichen Kassen noch weitere Chancen: Bonuspunkte für gesundheitsbewusstes Verhalten, Prämienrückgewähr, wenn keine Leistungen der Kasse beansprucht werden, direkte Abrechnung mit dem Arzt oder Krankenhaus und spätere Kostenerstattung der Kasse sowie alle anderen Privilegien der privaten Krankenversicherung per privater Zusatzversicherung. Wozu soll der freiwillig bei einer gesetzlichen Kasse Versicherte unter diesen Bedingungen noch eine private Vollversicherung abschließen?
Lang: Anders herum gefragt: Warum soll er sie nicht abschließen? Denn wenn der GKV-Versicherte bereits überlegt, eine Zusatzversicherung abzuschließen, ist es kein großer Schritt mehr bis zu einer Vollversicherung. Die Vorteile der privaten Vollversicherung liegen auf der Hand: Der Kunde kann seinen Versicherungsschutz individuell zusammen stellen und nach Bedarf ergänzen, er bekommt keine Pauschalabsicherung wie bei den Kassen. Und er kann auf einen sicheren Leistungskatalog vertrauen, der vertraglich vereinbart ist.

Anders der GKV-Versicherte, der keinesfalls die Privilegien eines Privatpatienten nutzen kann. Denn die Gesundheitspolitik schreibt den gesetzlichen Krankenkassen und damit den GKV-Versicherten vor, welche medizinischen Leistungen versichert sind und welche nicht.

Seit Jahresbeginn ist die Gesundheitsversorgung für den Großteil der GKV-Versicherten teurer geworden. Mit der Praxisgebühr, den erhöhten Zuzahlungen im Krankenhaus und für Arzneimittel sowie weiteren Einschränkungen im Leistungskatalog sollten die Beitragssätze der Kassen deutlich gesenkt werden. Dieses Ziel ist nicht erreicht worden, im Gegenteil: Viele Krankenkassen mussten ihre Beitragssätze sogar anheben, trotz der Mehrbelastung der Patienten.

Dieser Trend in der GKV wird sich fortsetzen, weil in Deutschland immer mehr ältere Menschen Gesundheitsleistungen in Anspruch nehmen, aber immer weniger junge Menschen mit ihren Beiträgen in das GKV-System einzahlen. Deswegen halten wir die starke Anhebung der Versicherungspflichtgrenze im letzten Jahr für einen fatalen Fehler. Dadurch werden weitere Personenkreise in das umlagefinanzierte GKV-System gezwungen. Gegen die Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze hat die DKV Verfassungsbeschwerde eingelegt. Nach unserer Meinung verstößt eine derartige Anhebung der Versicherungspflichtgrenze gegen das verfassungsrechtlich geschützte Grundrecht auf Berufsfreiheit und Eigentum.

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