Nutzen Sie Ihr Potenzial im Unternehmen
Lernchancen
Ob Unternehmer, Manager, Führungskräfte, Mitarbeiter, Trainer, Coachs – jeden Tag verpassen wir im ganz normalen Unternehmensalltag eine Vielzahl an Lernchancen.
Lernchance 1: Entwickeln Sie Ihre Mitarbeiter zu Themen-Ownern
Selbst wenn alle Ihre Mitarbeiter in demselben Fachgebiet arbeiten, wird es darin unterschiedliche Themenspektren geben. Definieren Sie diese Themen und ordnen Sie sie jeweils einem Mitarbeiter zu. Jetzt entwickelt sich jeder Mitarbeiter zu einem Spezialisten für ein Themengebiet – zu einem Themen-Owner.
Als solcher hat er die Aufgabe, sein Wissen in dem ihm zugewiesenen Thema zu vertiefen und zu dokumentieren.
Der Themen-Owner steht allen anderen Mitarbeitern als Experte auf seinem Gebiet zur Verfügung. Er hat zudem die Aufgabe, Fachbücher und -zeitschriften sowie Magazine zu seinem Spezialgebiet zu lesen und Zusammenfassungen zu schreiben, die allen interessierten Führungskräften, Kollegen und Mitarbeitern zur Verfügung gestellt werden. Auch das Internet kann Material zum Thema bieten und vielleicht sogar das Fernsehen. Mittelfristig können „Abteilungsbibliotheken“ aufgebaut werden. Fragen Sie Ihre Mitarbeiter einmal, ob und wie viele Fachbücher und Fachzeitschriften sowie Ordner mit Seminar-Unterlagen haben: Sie können damit wahrscheinlich eine Regalwand füllen.
Lassen Sie Ihre Mitarbeiter sich systematisch und mittelfristig in ein zweites Fachgebiet einarbeiten. Sie wollen keine Fachidioten, sondern Mitarbeiter, die zum flexiblen Denken und Handeln in der Lage sind. Die Themen-Owner geben dabei aktiv Hilfestellung.
Lernchance 2: Sorgen Sie für Erfahrungsaustausch
Richten Sie dazu eine blaue Stunde ein: Die Teilnehmer tauschen sich aus, berichten von Erfolgen, von Fehlern, von brachliegenden Verbesserungspotenzialen. In einer kreativen Atmosphäre entstehen viele neue Umsetzungsideen – alle lernen tatsächlich voneinander! Ermöglichen Sie es dem Mitarbeiter, der eine Idee hat, diese kurz im Plenum zu skizzieren. Er und Sie erhalten direktes Feedback zu der Idee, Sie entscheiden, ob er die Idee weiter ausarbeiten soll.
Der Erfahrungsaustausch muss nicht allein abteilungsintern oder im etablierten Team geschehen – sorgen Sie für frisches Ideen- Blut, indem Sie:
- Gäste aus anderen Abteilungen dazuholen sowie Kunden und Lieferanten einladen. Jede neue Perspektive ist eine gute Perspektive.
- Hospitationen in andere Abteilungen fördern. Jeder Mitarbeiter sollte möglichst oft in anderen Abteilungen frische Luft schnuppern.
- Azubis und Trainees, aber auch neu eingestellte Mitarbeiter berichten lassen. Die besten „Unternehmensberater“ sind oft diejenigen, die noch nicht so lange im Unternehmen tätig sind und einen unbefangenen Blick auf die Prozesse werfen können. Sie haben noch keine Scheuklappen auf und sehen Dinge, die Sie schon lange nicht mehr sehen oder als gegeben und nicht veränderbar hinnehmen.
- Heterogene Mitarbeiter zu Lernpartnern machen. Bilden Sie Lernpartnerschaften aus Jung und Alt, aus Schwarz und Weiß, aus Männlein und Weiblein, aus Topmanager und Azubi.
Weiterbildung – das ist natürlich ein klassisches Lernfeld. Sinnvoll ist es, wenn Sie mit dem Mitarbeiter, der eine Schulung besucht, wiederholt Gespräche führen – und zwar vor und nach dem Seminar. Klären Sie ab, was Sie erwarten, was er erwartet, wie der Transfer in die Praxis gelingen kann. Dazu müssen Sie wissen, was genau in dem Kurs geschehen ist: Fordern Sie vom Mitarbeiter eine detaillierte Zusammenfassung an, um die Umsetzung des Gelernten am Arbeitsplatz optimal begleiten zu können.
Zudem sollte der Mitarbeiter nach jedem Seminarbesuch etwa in einem Abteilungsmeeting die wesentlichen Lernergebnisse auch den Kollegen vorstellen – wiederum ist der Erfahrungsaustausch gefragt. So wird er „gezwungen“, das Seminar nachzubereiten. Überdies brauchen die anderen Mitarbeiter nicht dasselbe Seminar besuchen, sondern können an anderen Seminaren teilnehmen und das dort Gelernte in das Team einbringen.
Eine kreative Option, Weiterbildung effektiver und spannender zu gestalten, besteht darin, ehemalige Teilnehmer als Co-Trainer zu engagieren, etwa bei internen Seminaren. Der Co-Trainer bringt seine Erfahrungen aus seinem ersten Seminarbesuch und der Umsetzungsphase ein und trägt zur Optimierung des Seminarablaufs bei.
Lernchance 4: Sorgen Sie für Spaß
Sicherlich gibt es bei Ihnen im Laufe eines Jahres zahlreiche erfolgreiche Projekte. Halten Sie die Mitarbeiter dazu an, diese erfolgreichen Projekte in Success Storys zu beschreiben und niederzulegen, was den Erfolg ausgemacht hat, wie er entstanden ist, was sie dazu beigetragen haben. Auf der anderen Seite gilt: Deals lost. Das gilt insbesondere für Ihre Verkäufer – nicht jeder Kundenkontakt führt zum Auftrag. Diskutieren Sie mit ihnen und lassen Sie sie aufschreiben, was zum Misserfolg geführt hat.
Erfolge feiern und Fehler als Startschuss für neue Lernprozesse definieren: Das ist die Saat, aus der eine gedeihliche Lernkultur erblühen kann. Unterstützen Sie dies mit der „wöchentlichen Freitags-Lern-Mail vom Chef“, in der Sie die Lernprozesse der Vergangenheit anerkennen und neue in Gang setzen.
(Dr. Reiner Czichos)







