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GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz

Machs gut, du schöne Zeit!

Der 01. Januar 2009 war gerade für die Krankenversicherer – gleich ob privat oder gesetzlich – ein wichtiger Stichtag. Die privaten Verfechter des Äquivalenzprinzips als auch die gesetzlichen Advokaten des Solidaritätsprinzips spüren so Anfang dieses Jahres die konkreten Auswirkungen des GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz (GKV-WSG).

Mit der Verabschiedung des GKV-WSG wurde wohl eines der umstrittensten Gesetzesvorhaben in Gang gesetzt. Aufgrund der vielen unmittelbaren Folgen des Gesetzes für private Anbieter - Stichwort Basistarif, Portabilität der Altersrückstellung, Pflicht zur Versicherung in der PKV - mussten schnelle und vor allem gute Lösungen für den Vertrieb der privaten Anbieter her. „Wir rechnen damit, dass sich der Vertrieb relativ schnell auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen wird und auch in Zukunft die Kranken-Vollversicherung vom Markt positiv angenommen werden wird", erklärt Barmenia Vorstandsvorsitzender Dr. h. c. Josef Beutelmann.

Zunächst musste aber noch „die gute alte Krankenvollversicherungs-Welt" in 2008 an den Mann/an die Frau gebracht werden. Basierend darauf, dass die privaten Anbieter seit diesem Jahr den Übertragungswert als zusätzliche Leistung in der Beitragskalkulation gemäß Gesetz zu berücksichtigen haben (Portabilität der Altersrückstellung), müssen Neukunden höhere Beiträge ab 2009 in Kauf nehmen. Daher wurden bis Ende letzten Jahres noch die preisgünstigen Tarife quasi im Winterschlussverkauf angeboten. So konnten fast alle Versicherer mindestens eine leichte Steigerung des Neugeschäfts im letzten Quartal 2008 verzeichnen. Bezogen auf das Neugeschäft bei Vollversicherungen war dieser Zuwachs auch dringend notwendig. Belief sich der Nettoneuzugang im Jahr 2007 schon nur noch auf 59.900 Mitglieder, verglichen mit 2006 (116.100 Neuversicherte), setzte sich im ersten Halbjahr 2008 diese negative Entwicklung mit nur 23.400 Nettoneuzugängen fort (Vorjahresniveau 1. Halbjahr 2007: 37.700).

Keinen Grund zum Jammern hatten die privaten Versicherer. „Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit der Neugeschäftsentwicklung, insbesondere was die Entwicklung im 4. Quartal anbelangt. Für das Gesamtjahr 2008 erwarten wir eine deutliche Neugeschäftssteigerung gegenüber dem Vorjahr", heißt es da vom Vorstand der Gothaer Allgemeine Versicherung Michael Kurtenbach. Und auch die HALLESCHE äußert sich zufrieden, so Otmar Abel, stellvertretender Vorsitzender des Vorstands: „Vor dem Hintergrund des schwierigen Umfelds der Gesundheitsreform ist die HALLESCHE Krankenversicherung 2008 wieder über Marktniveau gewachsen. Mit dem Neugeschäft sind wir sehr zufrieden. In der Vollversicherung erreicht der Nettozuwachs mehr als 6.000 Kunden. In der Zusatzversicherung konnten ca. 14.000 Kunden gewonnen werden." Besonders erfreut zeigte sich die Central Krankenversicherung AG, bei der laut eigenen Angaben das policierte Neugeschäft von Januar bis November 2008 im Vergleich zum Vorjahr um 63,6 % stieg! „Während die gesamte Branche der PKV beim Zugang zur Einzelversicherung Einbußen von rund 8 % hinnehmen musste, konnte die Central ihre Neuzugänge vom 1. bis zum 3. Quartal auf rund 25 % steigern. Unser Ziel, `Gewinner der Gesundheitsreform´ zu sein, haben wir damit für 2008 realisiert", so Manfred Wittkamp, Vertriebsdirektor Maklervertrieb, Central Krankenversicherung AG.

Eine Prognose für 2009 abzugeben, fällt den meisten Versicherern schwer. Fakt ist, dass die neue Tarifwelt zunächst marktweit zu steigenden Beiträgen führt und es somit zu einer Verunsicherung kommen kann. Schließlich müssen die neuen Tarife durch den Makler erstmal durchleuchtet werden. „Natürlich mussten wir auch unsere Tarife leicht erhöhen. Da unsere Anpassung aber nach den bisher bekannten Zahlen deutlich unter dem Marktschnitt liegt, sehen wir unsere Wettbewerbsposition für 2009 gestärkt. Gestärkt auch vor dem Hintergrund des einheitlichen Beitragssatzes in der GKV, was die PKV für viele freiwillig gesetzlich Versicherte noch attraktiver macht", erklärt Heinz-Gerhard Wilkens, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit HanseMerkur Krankenversicherung AG. So sind es neben den Selbstständigen vor allem die freiwillig GKV-Versicherten, die bis dato bei günstigen Krankenkassen versichert waren, welche die privaten Anbieter in 2009 erreichen möchten. Interessant ist dabei, dass gerade das Argument der eigentlichen Policenverteuerung (Übertragbarkeit der Altersrückstellung) künftig als Argument „Pro-PKV" gesehen wird.

Nicht nur der Preis ist das ausschlaggebende Kriterium - Beratung und Service stehen ganz vorne in der Wunschliste der PKV-Versicherten. „Kunden erwarten ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis der Produkte, möglichst gute Beitragsstabilität, generell guten Kundenservice und insbesondere einen proaktiven Gesundheitsdienstleister statt eines reinen Kostenerstatters für eingereichte Rechnungen", so Kurtenbach. Laut aktueller Studie „Kundenkompass PKV", die von der Gothaer Allgemeine Versicherung AG in Kooperation mit dem F.A.Z.-Institut erstellt wurde, wünschen sich privat Versicherte demnach vor allem ein hohes Maß an Qualität und Leistungen. Das eröffnet dem zunehmenden Wettbewerb unter den Versicherern, der mit dem Gesundheitsfonds 2009 ein noch höheres Niveau erreicht, völlig neue Perspektiven.

Es bleibt spannend im Markt der PKV, wobei die politischen gesetzten Rahmenbedingungen sowie die gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen die Marktbedingungen auch im Jahr 2009 nachhaltig negativ beeinflussen werden. So muss davon ausgegangen werden, dass sich das durchschnittliche niedrige Wachstum der Branche auch im Jahr 1 der „neuen Welt" nicht unbedingt steigern lässt.

(Marc Oehme)


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