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In intelligente Ideen investieren

Marktnischen geschlossener Fonds

Die Branche der geschlossenen Fonds ist sehr erfinderisch, Jahr für Jahr werden neuen Produktlinien entdeckt. Viele Anleger, die in den „08/15- Produkten“ voll engagiert sind, suchen in den Marktnischen nach Diversifikationsmöglichkeiten.

Empirische Studien zeigen, dass Entscheidungen im Bereich Asset Allocation für die Performance eines Portefeuilles die größte Bedeutung haben, eine weit größere als das Timing. Kein Wunder, dass immer wieder neue Produkte gesucht werden, die möglichst keine Korrelation mit den gängigen Assetklassen haben und damit die Rendite eines Portefeuilles steigern können, ohne das Risiko zu erhöhen oder umgekehrt. Auch die Branche der geschlossenen Fonds zeigt sich erfinderisch und innovativ und kreiert eigentlich jährlich neue Produkte, die allerdings oft nicht über ein Nischendasein hinauskommen. Aber sie stellen eine Bereicherung der Angebotspalette dar.

Noch in der „Marktanalyse der steuersparenden Kapitalanlagen 1998“ zählte Analyst Stefan Loipfinger lediglich drei Produktlinien auf: Immobilien-, Schiffsund Leasingfonds. Heute sind es deren sechs. Neu hinzugekommen sind New Energy, dann Private Equity (in den USA schon lange bekannt und auch in Deutschland von Institutionellen schon seit Jahrzehnten genutzt) und Policenfonds. Als Episode erwiesen sich die Filmfonds, die ohne steuerliche Verluste kaum eine Bedeutung erlangt hätten und nie als wirkliche Assetklasse wahrgenommen wurden.
Die letzte große Erweiterung der Produktlinie und der durch geschlossene Fonds darstellbaren Assetklassen waren die Policenfonds, die im Jahr 2002 entdeckt wurden und zeitweise zur dritten Kraft aufstiegen. Aber seither gab es und gibt es viele Novitäten, auch wenn diese nicht das Volumen der etablierten Produktlinien erreichten. In den letzten Jahren kamen Bildungsfonds, Patentefonds, Prozesskostenfonds und Sanierungsfonds neu auf den Markt. Ob sie sich als attraktive Marktnischen erweisen wie die Containerfonds oder als Episode wie die Filmfonds, bleibt indes abzuwarten.

Von den Medienfonds übriggeblieben sind nach dem Wegfall der steuerlichen Verluste die Spielefonds. Noch in Zeiten der hohen steuerlichen Verluste hatte BVT die Produktlinie Computerspiele gestartet, von denen die Initiatoren schon immer behaupteten, sie rechneten sich auch ohne steuerliche Verluste unter reinen Renditeaspekten. Die erste Game- Produktion, der Private BVT Production Fund, eine Privatplatzierung, wurde in 2003 begonnen und wird noch in diesem Jahr mit einer Rendite von 16,5 % (interne Zinsfußmethode) aufgelöst. „Der BVT Games Production Fund I Dynamic, der erste Publikumsfonds vom Jahr 2004, konnte bis Juli dieses Jahres bereits 55 % ausschütten, weitere 35 % Ausschüttung sind im Dezember 2007 vorgesehen“, bemerkt Andreas Graf von Rittberg, Geschäftsführer der BVT. Auch Hauke Bruhn, Geschäftsführer des Emissionshauses United Investors kann eine erfreuliche Zwischenbilanz ziehen: „Der dtp Game Portfolio 2006 mit einem Volumen von 18,4 Mio. Euro kann auf das investierte Kapital von 11 Mio. bereits 5,8 Mio. Euro Rückflüsse melden.“ Derzeit bietet BVT den Games Fund III Dynamic an. „Hier investieren die Anleger in die Games-Projekte `Brave – In Search of Spirit Dancer´ und `3rd Division´. Ein weiteres Game-Projekt steht unmittelbar vor Bekanntgabe“, so von Rittberg weiter.

Nicht immer handelt es sich bei den Marktnischen um neue Assetklassen. Das fairvesta Geschäftsmodell beruht auf dem günstigen Einkauf von Immobilien aus Versteigerungen und aus Bankenverwertung sowie auf dem Verkauf (Immobilienhandel) der Objekte (innerhalb von 4 Jahren). „Wir wollen mindestens mit einer Eingangsrendite von 10 % kaufen“, erläutert fairvesta-Konzeptionär und Versteigerungsexperte Otmar Knoll. „Und oft lag die Einkaufsrendite noch höher.“ Dass das Geschäftsmodell funktioniert, zeigt die Leistungsbilanz. So urteilt Analyst Phillip Nerb über das noch junge Unternehmen: „fairvesta ist ein erfahrener Nischenanbieter mit innovativen Fonds.“
Die Oltmann-Gruppe hat einen Schiffsfonds auf den Markt gebracht und schnell platziert, der erstmals das Drachensegel als zusätzliche Antriebskraft einsetzt (s. Kasten „Schiffe lassen Drachen steigen“) und eine spektakuläre Innovation vermarktet, ohne eine neue Assetklasse zu schaffen.

Die Triebwerkfonds sind eine Weiterentwicklung der Leasingfonds. Die GSITriebwerkfonds erwerben und verleasen Ersatz-Triebwerke an Flugverkehrsgesellschaften. Während die Triebwerke gewartet und repariert werden, können die Maschinen mit Ersatztriebwerken weiterhin ihren Dienst verrichten und es müssen keine teuren Stillstandzeiten in Kauf genommen werden. Eine gute Idee, die bei Vermittlern und Anlegern, die auf interessante Stories erpicht sind, auf eine starke Resonanz trifft. „Der erste Fonds war innerhalb von zwei Monaten platziert und zu 50 % überzeichnet“, erklärt GSI-Geschäftsführer Gerhard Krall, der den Fonds entwickelt hat, wobei der Containerfonds offenbar Pate gestanden hat. Krall hat zuvor für IC einen Containerfonds konzipiert, der aber nicht realisiert wurde. Auch beim Triebswerkfonds handelt es sich wie bei Containerbeteiligungen um Leasing, eine Korrelation besteht mit den Flugzeugfonds, die wieder zahlreich angeboten werden. Auch die Verantwortlichen von M. M. Warburg & Co. sind offenbar vom Geschäftsmodell überzeugt, sie erwarben gerade die Hälfte der Geschäftsanteile.

Offenbar sehr angetan von der Idee der Patenteverwertung ist die Deutsche Bank, die derzeit den dritten Fonds dieser Art auflegt. Entwickelt wurde die Idee 2005 von der Finance System GmbH & Co. „Bei der Patenteverwertung handelt es sich ohne Zweifel um eine neue Assetklasse, die mit den herkömmlichen Angeboten der geschlossenen Fonds wenig gemein hat“, meint Andreas Fritsch, Geschäftsführer Finance System GmbH & Co. Sein damaliger Partner bei der Prüfung und Auswahl der Patente – die wohl wichtigste Aufgabe bei einem Fonds dieser Art – arbeitet inzwischen mit dem Alpha Patentfonds zusammen, der seinen zweiten Fonds auf den Markt bringt. „Der technische Prozess der Identifikation, Selektion, Bewertung und Verwertung der Patente liegt bei unserem Kompetenzpartner, der Steinbeis-Gruppe“, erläutert Jürgen Schünemann, Geschäftsführer des Vertriebskoordinators Vevis. Aber ob die Idee wirklich funktioniert, muss sich erst erweisen.

Auch die Prozesskostenfinanzierung ist eine neue Assetklasse, die keine Korrelation zu den gängigen Produkten hat. Juragent brachte erstmals 2002 einen Prozesskostenfinanzierungsfonds auf den Markt. Die Idee erscheint interessant, viele erfolgversprechende Prozesse werden nicht geführt, weil das Geld dafür fehlt oder die finanziellen Risiken zu hoch erscheinen. Die Kosten hierfür, wenn sie Aussicht auf Erfolg haben, werden von solchen Fonds aufgebracht. Allerdings: Bei Juragent sind die bisherigen Ergebnisse wohl desaströs. „Bislang wurde keine Leistungsbilanz vorgelegt“, konstatiert Jürgen Schuy, Geschäftsführender Projektleiter von ProCompare, deren Geschäftszweck die Auswertung von Leistungsbilanzen ist. Eine Leistungsbilanz gibt es auch von ProzessGarant noch nicht, aber das ist bei der kurzen Emissionshistorie erklärbar. Der erste Fonds geriet wegen hoher Vorkosten in die Kritik der Analysten, beim zweiten kritisiert das Fondstelegramm die „fragwürdige unterstellte Erfolgsquote von 70 %“.

Einige der zahlreichen Novitäten (Patente - fonds, Prozesskostenfinanzierung, Spiele - fonds) stellen zweistellige Renditen in Aussicht. Auch die kurze Laufzeit spricht für einige Novitäten. Allerdings handelt es sich hier nur um Prognosen, die Feuertaufe haben die meisten noch nicht überstanden. Novitäten sind kein Selbstzweck, sondern müssen von den Renditen bestätigt werden. Und es sind überwiegend junge Emissionshäuser, die mit neuen Produktideen auf den Markt kommen. „Gerade bei einem Newcomerprodukt eines jungen Initiators, der noch keine Leistungsbilanz oder sonstige Erfolge vorlegen kann, ist ein finanzielles Engagement risikoreich“, meint Stefan Loipfinger. Novitäten können nur eine Beimischung bei gut diversifizierten Portefeuilles sein.

(Dr. Leo Fischer)


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