Durchstarten und abheben
Mehr Energie für ein vitaleres Leben (Teil II)
In der letzten Ausgabe hatte Jörg Löhr aufgezeigt, warum gute Vorsätze nicht ausreichen, will man wirkliche Änderungen im Leben erfahren. In diesem Teil erfahren Sie, warum Spaß eine wesentliche Voraussetzung für positive Veränderung darstellt und wie Sie mehr Freude im Leben erfahren.
Die Gedanken richtig lenken
Wir sind, was wir denken. Unsere Gedanken sind auch eine Form von Energie. Energie kann niemals verloren gehen, aber sie lässt sich umwandeln. Also können Sie auch Gedanken umwandeln: negative Gedanken in konstruktive. Leider lassen wir da oben – oft gedankenlos – das größte Chaos zu. Betreiben Sie aktive Gedankenhygiene. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit mehr auf die positiven Seiten des Lebens. Sondern Sie schlechte Nachrichten, an denen Sie ohnehin nichts ändern können, ab sofort aus. Belasten Sie sich nicht mit Problemen, die nicht die Ihren sind und zu deren Lösung Sie nichts beitragen können. Stoppen Sie den (negativen) inneren Dialog. Wie das geht? Kein Mensch kann zwei Gedanken gleichzeitig denken. Also ersetzen Sie Ihre rationalen Gedanken durch irrationale – denken Sie einfach Unsinn. Wiederholen Sie ein sinnloses Wort (z.B. sonon, sonon, sonon) immer und immer wieder. Ständige Wiederholungen regen unser Entspannungszentrum an. Nach wenigen Minuten sind Ihre Hirnwellen verlangsamt, weil wirre Assoziationen verschwinden. Dann sind Sie im Alpha-Rhythmus – dem Zustand völliger Entspannung.
Reserven ganz schnell mobilisieren
Kennen Sie die geheimnisvolle Kraft des Lächelns? Dann stellen Sie sich doch einmal, wenn Sie sich nicht so gut fühlen, 60 Sekunden vor einen Spiegel und lächeln sich an. Das finden Sie lächerlich? Ja, dann lächeln Sie weiter und Sie werden merken, dass Sie sich besser fühlen. Man kann diese Strategie des bewussten Lächelns durchaus belächeln aber sie ist keineswegs so lächerlich. Im Gegenteil. Denn es funktioniert. Jeder kann vom Phänomen des neurophysiologischen Zusammenspiels profitieren. Beim Lächeln nämlich und natürlich auch beim Lachen drückt von jeder Wange ein Muskel auf einen Nerv, der dem Gehirn ein Signal sendet. Prompt kommt die Produktion von Freudenhormonen in Gang genauer gesagt: eine ganze Reihe von Neurotransmittern und Substanzen aus der Endorphinfamilie. Unser Gehirn kann nämlich nicht unterscheiden, ob ein Lächeln aufgesetzt, eingebildet oder echt und erlebt ist.
Die Heilkraft des Humors
Diese direkte und zentrale Verbindung zwischen Muskelaktivität und den entsprechenden Hirnzentren konnte der Emotionsforscher Paul Ekman nachweisen. Lächeln Sie, besser noch: Lachen Sie einfach lauthals los auch wenn es gerade keinen Grund gibt. Der amerikanische Psychologe Robert Zajonc wies experimentell nach, dass die Veränderung der Gesichtsmuskulatur Auswirkungen auf die Blutzufuhr im Gehirn hat. Lächeln wirkt gewissermaßen wie eine Sauerstoffdusche und die bringt Sie in einen positiven emotionalen Zustand. Die positive Folge: ein kräftiger Energiestoß. "Neuerdings bin ich so nervös", sagt Babsi zu ihrer Freundin." "Versuchs doch doch mal mit Baldrian!" "Gute Idee, wo wohnt er?" Finden Sie primitiv? Oder zum Ablachen? Also dann noch einen. Kennen Sie den? "Papa", fragt der Junior, "stimmt es, dass in den arabischen Ländern die Männer ihre Frauen erst nach der Hochzeit kennenlernen?" Seufzt der Vater: "Das ist in jedem Land so, mein Sohn!" Finden Sie witzig? Oder gar nicht komisch? Worüber Menschen lachen können, ist so verschieden wie ihr Lachen klingen kann. Ist auch egal: Hauptsache: Sie lachen. Selbst aufgesetztes Lächeln sorgt für gute Stimmung. Leider glauben hierzulande Leute: Wer lacht, ist ein ausgemachter Trottel oder ein bezahlter Animateur oder beides. Was der Volksmund weiß ("Lachen ist gesund"), belegen längst wissenschaftliche Studien. Wäre doch gelacht, wenn wir hier nicht auf die Schnelle zehn gute Gründe für die Heilkraft des Humors aufzählen könnten. Also: Lachen entspannt, senkt den Blutdruck, bringt den Kreislauf auf Touren und regt die Verdauung an. Herzhaftes Lachen fördert die Ausschüttung von Glückshormonen und hemmt die Produktion von Stressauslösern. Fröhliches Lachen stimuliert die Ausschüttung von Stoffen der kör pereigenen Immunabwehr, es setzt schmerzstillende Endorphine frei und kann dadurch das Schmerzempfinden dämpfen. Lachen erhöht den Gasaustausch in der Lunge bis auf das Vierfache und reichert dadurch das Blut mit mehr Sauerstoff an. Der Neurologe William Fry prägte den Begriff des "Inneren Joggens". Nach sechzig Sekunden Lachen, rechnete der Amerikaner aus, wird eine körperliche Leistung erbracht, die dreiminütigem schnellen Rudern oder Laufen entspricht. Allerdings: Nur fröhliches Lachen beeinflusst unseren Organismus so positiv. Zynisches, sarkastisches Lachen, Galgenhumor oder Angstlachen bucht unser Körper keineswegs als Wohltat ab. Außerdem wissen wir: Humorlosigkeit wird bestraft: mit Magenschmerzen. Und das Schönste ist: Lachen kann man trainieren, meint Waaled A. Salameh, Begründer der "Humor Immersion Training"Workshops:
- Nehmen Sie sich selbst öfter auf die Schippe.
- Versuchen Sie, so oft wie möglich zu lachen.
- Suchen Sie das Komische und Absurde in Alltagssituationen.
- Kultivieren Sie Ihren Erzählstil, verfeinern Sie Ihren eigenen Witz.
Wie Harald Schmidt, der Meister der hohen Kunst des Flachsinns: "Wissen Sie, warum so viele Schafe depressiv auf der Weide rumstehen? Null Bock." Was sagt Boris Becker in seiner ersten Liebesnacht? "He, bin ich da schon drin oder was?"
(Jörg Lohr)







