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Roundtable Beteiligungsmodelle

Mehr Qualität und Wert auf die unternehmerische Idee

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Eine Krise zieht meist eine verschärfte Prüfung hinsichtlich der Tauglichkeit von Produkten und Verfahren nach sich. Das gilt aktuell gerade auch für geschlossene Beteiligungsmodelle. Zudem wird man sich die Frage stellen: Wie schaffen es die Anbieter solcher Modelle, in Anbetracht eines erwarteten Umsatzrückgangs des Gesamtmarktes von bis zu 50 %, das nötige Vertrauen wiederherzustellen?

Die aktuelle Krise hat einige Schwachstellen bloßgelegt und bietet nun Raum für neue Ansätze, die auf den zweiten Blick so neu eigentlich gar nicht sind. Diese wurden bei einem Roundtable der finanzwelt mit Marktteilnehmern und unabhängigen Profis unter die Lupe genommen.

Die meisten Schwachpunkte sind bekannt. Allerdings hat die Krise dazu geführt, dass sie weit deutlicher sichtbar werden: „Niemand braucht ein weiteres Rating nach den bekannten Regeln. Wir brauchen vielmehr die Antwort darauf, wann ein bestimmtes Produkt für einen speziellen Kunden passt. Dies setzt voraus, dass die Spezifika und das Investitionskonzept des Produktes klar und transparent sind. Aus meiner Sicht sollten deshalb die Anbieter ihre unternehmerische Idee klarer herausstellen und somit die nächste Qualitätsoffensive einläuten. Dies funktioniert nicht über einen weiteren Unterpunkt in der Prospektprüfungsverordnung“, umschreibt PR-Berater Michael Oehme den Ansatz, wie die Anbieter die offensichtliche Talsohle des Jahres 2009 beenden können.

Tatsächlich sind die Ratings von GUB, Scope etc. zwar wichtig, wenn es um die Beurteilung der Anlagemodelle geht. Ihre Einschätzungen alleine haben aber offensichtlich nicht die Vertrauensfrage der Anleger auflösen können. Im Gegenteil: Ungewollt haben die Beurteilungen vielleicht sogar den Trend verstärkt, Beteiligungen wie ganz normale, standardisierte Finanzprodukte zu behandeln und auch zu verkaufen.

Aber gerade bei Beteiligungen spielen die individuelle Investitionsstrategie des Anbieters und die persönlichen Gegebenheiten der Anleger eine wichtige Rolle: Die Fähigkeit und der Wille, sich nötigenfalls auch mit persönlichem Einsatz für eine Beteiligung zu engagieren, kann bei einer gegebenen Anlage durchaus den Unterschied zwischen Gewinn und Verlust ausmachen. Wer einfach nur Kapital zur Verfügung stellt und still auf die Ausschüttungen wartet, schneidet vermutlich auf Dauer schlechter ab. „Generell haben die Kunden das Vertrauen in die Banken und Anbieter geschlossener Fonds in einem nicht unerheblichen Umfang verloren. Wichtig ist es daher, dass eine logische und emotionale Beziehung zwischen dem Produkt und dem Kunden entsteht.

Dies geht aber nur, wenn der Kunde tatsächlich versteht, worauf er sich einlässt. 160seitige Prospekte sind dazu wenig geeignet, da sie eher abschreckend wirken“, meint Prof. Dr. Karl-Georg Loritz.

Und während bei den Prospekten die formalen Aspekte des Vertragswerks, die Verteilung von Rechten und Pflichten zwischen den verschiedenen Parteien und Funktionsträgern innerhalb der Modelle und weitere Details dominieren, liegt es Loritz gemeinsam mit anderen Marktteilnehmern am Herzen, die Sinnhaftigkeit und die echten Chancen der unternehmerischen Idee in den Fonds wieder verstärkt in den Mittelpunkt zu stellen. „Wer sein Produkt erklären kann, wer auch erklärt, worin die spezifischen Vor- und Nachteile und auch die möglichen Risiken im worst-case-Fall bestehen, der gewinnt das Vertrauen der Anleger zurück. Wir haben daher unsere Präsentationen und Verkaufsunterlagen immer weiter auf das Wesentliche reduziert. Denn erst, wenn der Kunde verstanden hat, was Factoring mit gesicherten Forderungen ist, macht es Sinn, den Prospekt zu lesen“, erklärt Josef Geltinger von der Debi Select Unternehmensgruppe.

Die Verschiebung des Fokus von einer unternehmerischen Betrachtung hin zu einem standardisierten Finanzprodukt wie dem Bundesschatzbrief, einer Anleihe oder einem Investmentfonds hat auch zu einer Verzerrung der Rechtsprechung geführt, meint der Bayreuther Jurist Karl-Georg Loritz. So werde heute kaum jemals geprüft, ob die Prospekte ein plausibles Konzept nachvollziehbar darstellen. Statt Informationen für die Anleger zu liefern, seien sie zu Instrumenten der Enthaftung geworden, deren wichtigstes Kriterium die Einhaltung vorgegebener Prospektierungsregelungen und Inhaltskataloge sei.

Durch diese Gegebenheiten werden aber gerade flexible und innovative Produktlinien wie etwa Immobilien-Entwicklungsfonds benachteiligt, die stärker auf einen unternehmerischen statt eines reinen Bestandshaltungs-Ansatzes setzen: Dort, wo der (im wirtschaftlichen Sinne) rein vermögensverwaltende Fondsanbieter konkrete Angaben über Objekte, Verträge und Partner machen kann, stehen bei dem unternehmerisch geprägten Angebot zu Beginn scheinbar weniger verbindliche Angaben im Prospekt – bei einem qualifizierten Konzept aber klare Pläne und Auswahlkriterien. Damit wird der Fonds von außen betrachtet scheinbar zu einer Black-Box oder zum so genannten Blindpool: „Erst wenn die unternehmerische Idee und klare Anforderungsprofile als ein entscheidender Wert erkannt werden, können anspruchsvolle Fondskonzepte in der Immobilienentwicklung als solche identifiziert werden. Und infolge die vielfältigen Vorteile und Möglichkeiten der Marktanpassung, die darin stecken“, resümiert Wolfgang Dippold, Geschäftsführer des spezialisierten Immobilienentwicklers PROJECT-Gruppe. „Bei jeder Kapitalanlage sollte an erster Stelle über die Qualität der unternehmerischen Idee nachgedacht werden“, meint der Unternehmerberater Jürgen Brink, Geschäftsführer der brink.corporate development GmbH. Genau genommen zeichnet sich eine Zweiteilung des Marktes ab: Einerseits gibt es Initiatoren, die für vorhandene unternehmerische und lukrative Geschäftsmodelle Kapital suchen, um das jeweilige Wachstum zu finanzieren. „Diese kann man plakativ mit ‚Unternehmer sucht Kapital’ beschreiben“, erläutert Loritz. Andererseits gibt es die größere Gruppe jener Initiatoren, deren Know-how sich vor allem auf die Strukturierung von Fonds und den Vertrieb von solchen Anteilen bezieht. Der vorhandene Umsatzdruck sorgt in diesen Fällen gelegentlich dafür, Trends hinterherlaufen zu müssen, um vertriebsfähige Projekte zu finden. Und leicht sind solche Häuser auf Gedeih und Verderb auf ständige Neuemissionen angewiesen, gerade wenn sie keinen Heimatmarkt (mehr) haben und damit keine spezifische Kompetenz jenseits des Fondsgeschäftes.

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