Interview mit Stefan Schneider
Mehr Wettbewerb nützt dem Anleger
Stefan SchneiderMit der UCITS IV treten neue EU-Regelungen für Investmentfonds in Kraft. finanzwelt sprach mit Stefan Schneider, Geschäftsführer bei Hauck & Aufhäuser Investment S. A. über die erhofften oder befürchteten Folgen.
finanzwelt: Der Branchenverband BVI spricht in einer Stellungnahme zum EU-Pass von einem „Schengen für Investmentfonds". Kann dann nicht einfach alles unkontrolliert verkauft werden in EU-Europa?
Schneider: Die Grenzen für Investmentfonds werden zwar durchlässiger, dennoch bleibt es natürlich bei Kontrollen und Zulassungspflichten. Im Kern wird ein europaweiter Binnenmarkt für Investmentprodukte geschaffen. Dieser Binnenmarkt führt zu mehr Einheitlichkeit bei Produkten und Anbietern.
finanzwelt: ... für Produkte UND Anbieter?
Schneider: Genau. Für Produkte gilt: Wenn sie einmal in einem Land zugelassen worden sind, dann haben sie - solange die Zulassung nicht widerrufen wird - schnelleren Zugang zu den Binnenmärkten der einzelnen Länder. In der Praxis läuft das auf ein Anzeigeverfahren hinaus: Wenn ein deutscher Fonds in Spanien vertrieben werden soll, dann meldet sich die deutsche KAG mit der deutschen Zulassung in Spanien und erhält innerhalb weniger Tage eine Bestätigung. Bisher dauerte es in der Regel zwei Monate, bis ein bereits mit EU-Pass zugelassener Fonds die zusätzliche Genehmigung für ein weiteres Land bekam.
finanzwelt: ... und die Anbieter?
Schneider: Auch die KAG, die Depotbanken und sonstigen Dienstleister hinter einem Fonds brauchen bislang Genehmigungen und Zulassungen. Künftig gilt auch hier: Ein Land genehmigt nach gemeinsamen Regeln - und zwar für alle Länder des Binnenmarktes. Wie es bisher innerhalb Deutschlands nicht darauf ankam, ob die Depotbank und die Fondsbuchhaltung in verschiedenen Städten lagen, so wird es künftig europaweit sein: Der Fonds selbst und die Depotbank sind vielleicht in Luxemburg angesiedelt, das Portfoliomanagement könnte in London sein, das Anlegerregister wird in Prag geführt, und die Administration könnte von Dublin aus arbeiten.
finanzwelt: Macht man damit die Sache nicht unnötig kompliziert?
Schneider: Im Gegenteil. Einheitliche Regelungen auf dem Binnenmarkt führen zu mehr Transparenz - und damit auch zu mehr Wettbewerb. Und dieser verschärfte Wettbewerb nutzt dem Anleger. Denn das optimale Produkt kann künftig nicht nur national, sondern europaweit gesucht werden. Eingespielte Teams können komplette Dienstleistungspakete anbieten, die von den Fondsinitiatoren sozusagen en bloc gekauft werden. Der Anleger erhält bessere Qualität zu günstigeren Konditionen.
finanzwelt: Also wieder EU-Europa mit abstrakten Vorteilen, aber nichts zum Anfassen?
Schneider: Keineswegs. Es gibt noch einen ganz handfesten Vorteil für den Vertrieb und die Anleger: Der Kurzprospekt wird künftig allgemeinverständliche Informationen enthalten. Überspitzt gesagt: Die Texte werden nicht mehr von Anwälten für Anwälte geschrieben, sondern von Anlageexperten für Anleger.
(Dieses Gespräch führte Martin Klingsporn)







