Interview mit Joachim Geiberger
Mit Ratings den Durchblick im Versicherungsmarkt
Joachim Geiberger, M&M GroupGeschäftsführer und Inhaber der MORGEN & MORGEN (M&M) Group. Das unabhängige Analysehaus erstellt Vergleichs- und Analysesoftware für Versicherungsmakler sowie Ratings, Rankings und Tests.
finanzwelt: Ihr Haus ist seit zwei Jahrzehnten als unabhängiges Analysehaus in Deutschland sehr erfolgreich und seit 2005 auch in Österreich aktiv. Wie schätzen Sie als neutraler Beobachter des Versicherungsmarktes und Analyst die Bedeutung von Ratings und Rankings in Deutschland und Österreich ein?
Geiberger: In Deutschland haben Ratings in den letzten Jahren geradezu einen Boom erlebt. Mit steigender Produktvielfalt wird ein neutraler Blick über die am Markt befindlichen Angebote immer entscheidender. Da in Deutschland seit einigen Jahren neue Tarife nur so aus dem Boden sprießen, ist der Markt extrem unübersichtlich geworden und verlangt mehr denn je nach einer objektiven Beurteilung und einem aktuellen Überblick.
finanzwelt: Worin unterscheidet sich eigentlich genau das Rating vom Ranking?
Geiberger: Diese Fragen stellen sich viele, trauen sich aber nicht, zu fragen. Daher werden die Begriffe Ratings und Rankings oftmals verwendet, ohne deren Bedeutung gerecht zu werden. Ein Rating stellt grundsätzlich eine Bewertung von qualitativen oder quantitativen Faktoren in Form einer Klassifikation dar. Produkte oder Unternehmen werden somit in Bewertungsklassen eingeteilt und erhalten eine entsprechende Bewertung im Marktvergleich. Rankings bewerten ebenfalls Produkte oder Unternehmen, erstellen aber im Gegensatz zu Ratings keine Klassifizierungen mit entsprechenden Auszeichnungen, sondern Ranglisten.
finanzwelt: Welche Anforderungen stellt denn der Versicherungsmarkt aus Ihrer Erfahrung an einen Ratingersteller?
Geiberger: Der Einfluss von Ratings ist erheblich und damit kommt vor allem den Erstellern eine sehr hohe Verantwortung zu. Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Objektivität und Fachkompetenz werden vom Markt verlangt und von seriösen und qualitativ hochwertigen Ratingerstellern auch erbracht.
finanzwelt: Wie garantieren Sie eine unabhängige Bewertung und wie finanzieren Sie Ratings?
Geiberger: Um es vorwegzunehmen: Wir führen keine Auftrags-Ratings gegen Bezahlung durch und sind so völlig unabhängig in unserer Bewertung. Natürlich gibt es unterschiedliche Formen von Ratings, die mehr oder weniger unabhängig sind. Dies liegt dann im Wesen des Ratingverfahrens. Interne Ratings werden meist von Versicherungsunternehmen in Auftrag gegeben sowie bezahlt und können damit nicht unabhängig sein. Zur Bewertung werden unternehmensinterne Daten herangezogen, die Veröffentlichung des Ergebnisses hängt jedoch von dem Auftraggeber ab. Daher können interne Ratings gegen Bezahlung nie den kompletten Markt im Vergleich darstellen. Bei externen Ratings werden vor allem öffentlich zugängliche Informationen, die Daten aus Geschäftberichten, zur Bewertung herangezogen. Für die natürlich kein Geld fließt. Damit sind wir auch in der Lage, den kompletten Markt zu beurteilen.
finanzwelt: Welche Bereiche analysieren und bewerten Sie?
Geiberger: In Deutschland analysieren und bewerten wir den Versicherungsmarkt in Form von Ratings, Rankings und Tests, die wir in unsere Analyse- und Vergleichssoftware integrieren. Ganz aktuell veröffentlichen wir den M&M KV-Bilanztest, der die Bilanzen der privaten Krankenversicherer auf Herz und Nieren prüft. Ende letzten Jahres haben wir die deutschen Lebensversicherer hinsichtlich ihrer Krisen festigkeit in einer Kapitalmarktkrise getestet und den M&M Bilanztest der Lebensversicherer herausgebracht. Derzeit gibt es weitere drei M&M Ratings. Zum einen das M&M LV-Unternehmensrating, das die Bilanzen der Lebensversicherer der vergangenen Jahre untersucht und bewertet. Zum anderen das M&M BU-Rating, das aus vier Teilratings besteht, und schließlich das M&M PKV-Beitragsstabilitätsrating, das einzigartig in Deutschland PKV-Tarife hinsichtlich der Stabilität ihrer Beiträge über zehn Jahre hinwegbeurteilt. Wir passen unsere Bewertungskriterien ständig an die aktuelle Gesetzgebung und Marktveränderungen an und aktualisieren unsere Ergebnisse. Unser BU-Rating ist in zwischen so facettenreich, dass es nicht nur ein Gesamtergebnis für jeden Versicherer zeigt, sondern auch Teilbewertungen. Für uns sind interne Faktoren, wie beispielsweise die professionelle Leistungsabwicklung, die Service-Komponente sowie die Erfahrung des Versicherers mit BU-Fällen extrem wichtig. Natürlich betrachten wir auch die Hardfacts, wie Bedingungen, Tarife und die bilanzielle Situation.
finanzwelt: Wie werden Ihre Analyseergebnisse in der Beratung eingesetzt?
Geiberger: Vor allem im Zuge des Entscheidungsprozesses für oder gegen eine bestimmte Versicherung oder eine bestimmte Versicherungsgesellschaft stehen Ratings, Rankings und Tests als Entscheidungshilfe ganz vorne. Für die meisten Makler ist die Einbeziehung von Ratings in ihre Beratungsgespräche gang und gäbe. Natürlich darf sich kein Makler lediglich auf Ratingergebnisse verlassen, das wäre fatal. Sie dürfen immer nur als eine Facette der bedarfsorientierten Beratung gesehen werden.







