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„Was ist an denen anders?“

Nachhaltigkeit

Die Anleger scheinen es ernst zu meinen mit dem Investmentkriterium
„Nachhaltigkeit“. Das zeigt sich im sprunghaft wachsenden Mittelaufkommen
in diesem Segment.

Dieses stieg im deutschsprachigen Raum (D, A, CH) nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlagen 2006 um 37 %. Insgesamt lag das Volumen Ende 2006 bei knapp 20 Mrd. Euro. Auch wenn noch keine abschließenden Daten für 2007 vorliegen, deuten die bereits verfügbaren Hinweise darauf, dass der Zufluss sich 2007 eher noch verstärkt hat im Schatten einer intensiven Berichterstattung zum Thema „Klimawandel“. Der politische Rückenwind ist ebenso unübersehbar wie die Bereitschaft der Finanzdienstleister, entsprechende Investment vehikel zu entwickeln und zu vermarkten. Es sind nicht mehr nur Religionsgemeinschaften und gemeinnützige Organisationen, die ihre Mittel entsprechend sozialer und ökologischer Kriterien anlegen wollen: Neben dem Publikum der interessierten privaten Anleger legen auch institutionelle Anleger wie Pensionskassen zunehmend Wert auf die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Standards, betont Marco Savani, Sprecher Allianz Global Investors, und nennt als Beispiel die MetallRente Versorgungswerk.

Andere Beobachter sind allerdings zurückhaltender: In vielen Fällen seien die Verweise auf „Nachhaltigkeit“ in den Spezialfonds für die institutionellen Anleger recht unverbindlich und wohl eher Rückversicherungen gegen unliebsame PR-Überraschungen. Niemand möchte den eigenen Name mit irgendwelchen üblen Praktiken in Verbindung bringen lassen wegen eines bloßen Portfolio- Investments ohne strategische Bedeutung, kann man vertraulich aus dem Vertrieb einer der großen bankabhängigen Anlagegesellschaften erfahren. Aber auch die ernsthaft an der Nachhaltigkeit interessierten institutionellen Investoren folgen Kalkulationen ihrer Erträge, moralische Überlegenheit spielt keine Rolle, solange sie nicht im Kontoauszug sichtbar wird. Von daher ist deren Auftreten in diesem Markt besonders interessant: Schließlich wissen gerade diese Anleger ganz genau, dass sich die als Investmentziel gewählten nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen Beschränkungen bei Produktionsverfahren und Inputs unterwerfen, die die Rentabilität erst einmal begrenzen. Das kann sich nur lohnen, wenn die Unternehmen an anderer Stelle dafür Vorteile erzielen, um mit ihren konventionell wirtschaftenden Konkurrenten mindestens gleichziehen zu können.

Was ist an diesen Unternehmen anders? Eine von der TU München zusammen mit der spezialisierten Rating-Agentur Oekom Research durchgeführte Studie mit den Daten von über 700 börsennotierten Unternehmen ergab, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen zumindest keine schlechtere Rentabilität aufweisen als die konventionelle Konkurrenz. Im Zentrum der Untersuchung standen die Zusammenhänge zwischen dem Gewinn pro Aktie und dem return on Investment als Erfolgsgrößen einerseits und den Corporate Responsibility Ratings der Oekom für die jeweiligen Unternehmen andererseits.
Dabei ergab sich generell ein statistisch abgesicherter positiver Zusammenhang zwischen den Ratings und den Erfolgszahlen der Unternehmen: Wo nach dem Urteil der Fachleute ökologische und soziale Aspekte gebührend berücksichtigt wurden, zeigten sowohl die Gewinne pro Aktie als auch die Kapitalrendite an, dass ordentlich Geld verdient wurde. Einen interessanten Hinweis zu den Faktoren hinter dem Erfolg liefert der Vergleich der Untergruppen des Ratings. Dort wird nämlich sichtbar, dass dieser positive Zusammenhang zu einem beachtlichen Teil auf jene Segmente des Ratings zurückgeführt werden kann, die auf das Verhalten gegenüber den Mitarbeitern abzielen, wie die Einhaltung von sozialen und rechtlichen Standards. Genau in diesem Punkt vermuten viele Experten einen wichtigen wirtschaftlichen Trumpf der nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen: Die Mitarbeiter sind besser motiviert und daher engagierter bei der Arbeit als beim Durchschnitt der Unternehmen. Dahinter dürfte stehen, dass in dieser speziellen Klasse von Unternehmen die Identifikation mit dem Unternehmen und der Arbeit überdurchschnittlich ist. Bereits der Eintritt in diese Unternehmen ist mit einem Commitment zugunsten „grüner“ oder ethischer Ziele verbunden. Dank dieser bewussteren Auseinandersetzung mit der Arbeit sind Lernfähigkeit und -willigkeit der Mitarbeiter nach Beobachtung von Oekom-Vorstand Robert Haßler stärker ausgeprägt. Damit entstehe eine große Offenheit für Innovationen.

Die Zahlen belegen genau genommen immer nur einen engen Zusammenhang zwischen zwei Größen. Die Richtung des Zusammenhangs ist, wie immer bei statistischen Untersuchungen, eine Interpretationsfrage: Es ist bisher offen, ob die Orientierung auf Nachhaltigkeit den Erfolg beflügelt oder ob nicht umgekehrt der wirtschaftliche Erfolg die Voraussetzung für die Selbstbeschränkung durch Orientierung an den Kriterien der Nachhaltigkeit bildet.
Haßler hält eine dritte Interpretation für aussichtsreich: Demnach könne die Offenheit gegenüber Innovationen als grundlegend angesehen werden, aus der sich dann auch das Interesse an ökologischen und sozialen Kriterien ergibt. Letztlich führt das Image der Nachhaltigkeit für ein Unternehmen dazu, dass sich eine positive Auswahl an Kandidaten bewirbt. Sicher bleibt jedenfalls, dass Motivation und Innovationsneigung der Mitarbeiter wichtige Trümpfe der nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen sind.
„Nachhaltig wirtschaften bedeutet auch immer ressourcenschonend zu arbeiten und das ist angesichts steigender Rohstoffpreise ein klarer Vorteil für die betreffenden Unternehmen“, nennt Marco Savani ein weiteres Plus. Gerade angesichts der aktuellen Energiepreise zahlen sich Investitionen in effiziente und damit den Verbrauch senkende Verfahren relativ schnell aus.

Eine spezielle Gruppe innerhalb dieser Klasse von Unternehmen sind die Lieferanten von spezieller Technik und Knowhow,
die es anderen erst ermöglicht, die Prinzipien der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen und technisch umzusetzen. Obenan stehen dabei jene Maschinenbauer und Technik-Lieferanten, die die Belastung der Umwelt verringern, sei es durch spezielle Reinigung der benutzten Ressourcen, sei es durch den Verbrauch senkende Verfahrensweisen. Das ist nicht zwingend verbunden mit einem Management dieser Lieferanten nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit. Schließlich lassen sich etwa Filter für die Luftreinigung sehr wohl in der Dritten Welt durch Kinderarbeit und mit umweltschädlichen Verfahren herstellen. Insofern müssen die beiden Gruppen getrennt betrachtet werden.

Der Markt für Produkte und Techniken zum Umweltschutz wächst derzeit mächtig, weil ihn gleich zwei Faktoren stark antreiben: Die Hausse der Rohstoffpreise macht derzeit alle auf Sparsamkeit zielenden Innovationen interessant. Das kommt vor allem den grünen Stromquellen von der Windenergie bis zur Geothermie entgegen. Verstärkt wird dieser Trend durch die Politik, die in immer mehr Bereichen den Einsatz umwelt- oder ressourcenschonender Techniken durchsetzt. Als Beispiele nennt Savani Abgasvorschriften etwa für Autos oder die verbindliche Einführung von Standards für die Wärmedämmung von Wohnhäusern. Allerdings sollte man beim zweiten Faktor die alte Börsenweisheit von der kurzen Dauer politischer Konjunkturen beachten. Zudem haben die Vorgänge um den sozialen Wohnungsbau in Berlin ganz deutlich gezeigt, dass von öffentlich-privaten Partnerschaften nur so lange die Rede sein kann, wie der Staat an die Mittel der Investoren heran will. Danach ist nicht mehr viel Partnerschaft.

An dieser Tatsache wird sich auch nicht mehr viel ändern, glaubt Fondsmanager Christian Zimmermann, der den Global Ecology von Pioneer Investments managt, hinter dem sich der alte Activest Ökotech verbirgt, der seinen Namen mit der Übernahme von Activest durch Pioneer wechselte. „Die Verschiebung der relativen Preise ist dauerhaft, weil die Märkte endlich die Grenzen unserer Ausstattung mit natürlichen Ressourcen wahrnehmen“, erklärt er den entscheidenden Punkt. Die Hausse der Rohstoffpreise ist in seinen Augen nicht allein als Konjunkturproblem zu sehen. Vielmehr reflektiere sie die veränderten Knappheitsverhältnisse. Insbesondere alle Verfahren, die auf Ersparnisse beim Verbrauch von Rohstoffen zielen, werden stark gesucht bleiben und den Produzenten der Technologien gute Umsätze bescheren.

Zu diesem sehr handfesten Vorteil kommt noch ein „weicher“, ein Stimmungsfaktor, der aber seinen wirtschaftlichen Wert hat: Das positive Image, das sich mittlerweile mit dem Begriff „nachhaltig“ nicht zuletzt vor der Diskussion um den Klimawandel und die Erderwärmung ergeben hat, können Unternehmen bei entsprechender Zertifizierung auch im Marktauftritt renditeträchtig nutzen. Der jüngste Boom bei den Bio-Lebensmitteln zeigt diesen Vorteil im Alltag, z. B. der Prestigegewinn für die japanischen Autobauer durch die Einführung der Hybridtechnologie oder der der französischen Konkurrenz durch den Vorsprung bei den Abgasfiltern. Was sich leichter verkaufen lässt, macht schnelleren und größeren Umsatz.

(Martin Klingsporn)


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