Performance mit einem guten Gewissen
Nachhaltigkeitsfonds
Normalerweise werden Investments hauptsächlich nach Renditegesichtspunkten ausgewählt. Das ist sicherlich auch sinnvoll. Doch das vergangene Jahr hat gezeigt, dass es auch anders geht. Sogar besser. Wer im letzten Jahr in einen Nachhaltigkeitsfonds investierte, hat überdies noch eine bessere Rendite erzielt als...
...derjenige, der sein Geld in einen konventionellen Fonds anlegte.Dies berechnete das Sustainable Business Institut (SBI) an der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. So betrug die durchschnittliche Wertsteigerung der Nachhaltigkeitsfonds laut SBI 6,7 Prozent und erzielte damitein besseres Ergebnis als der Markt konventioneller Fonds. Mit nachhaltigen Aktienfonds konnte man dabei eine Rendite von 7,2 Prozent erwirtschaften, mit Mischfonds 6,2 und mit Rentenfonds 3,8 Prozent. Die deutschen Aktienfonds hingegen verbuchten laut BVI lediglich einen Wertzuwachs von 5,8 Prozent und internationale Aktienfonds nur 3,8 Prozent. Nur die europäischen Aktienfonds erreichten dasselbe Niveau wie die nachhaltigen Fonds. Und auch die konventionellen Mischfonds lagen mit 5,4 Prozent ebenfalls klar unter dem Wert der Nachhaltigkeitsfonds.
SBI führt diese gute Performance hauptsächlich auf die Bereiche Technologie-,Wasser-, und Energiewerte zurück, hier insbesondere auf die Erneuerbaren Energien, die sich 2004 besonders gut entwickelt hatten. Betrachtet man hingegen den Drei-Jahres-Zeiraum, liegen globale Aktienfonds mit einem minus von 8,7 Prozent leicht vor dem Ergebnis der Nachhaltigkeitsfonds von minus 9,4 Prozent.
Aber nicht nur im Bezug auf die Performance hatten die Nachhaltigkeitsfonds, die bei ihrer Aktienauswahl neben finanziellen auch ökologische, soziale und ethische Kriterien verwenden, die Nase vorn. Auch bei den Mittelzuflüssen schlugen sie die herkömmlichen Fonds und konnten ihr Anlagevolumen um stolze 26 Prozent auf mittlerweile 5,3 Milliarden Euro steigern.
FINANZWELT sprach mit Christian Greiner, Fondsmanager des MEAG Nachhaltigkeitsfonds, über nachhaltiges Investment
FINANZWELT: Herr Greiner, was verstehen Sie unter dem Begriff Nachhaltigkeit?
GREINER: Nachhaltigkeit beschreibt eine Verhaltensweise, welche die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne künftigen Generationen die Lebensgrundlage zu entziehen. Zentrales Element ist eine zukunftsorientierte Perspektive, die gleichzeitig ökonomische, ökologische und soziale Aspekte umfasst. Die Unternehmen sollten dazu schonend mit Ressourcen umgehen, die Arbeitsabläufe und Produktionsprozesse entsprechend gestalten, innovative Strategien einleiten und damit globale Risiken frühzeitig erkennen. Summa summarum investieren wir in Unternehmen, die nicht nur finanziell erfolgreich sind, sondern auch eine Umwelt- und Sozialperformance vorweisen können.
FINANZWELT: Wie identifizieren Sie solche Unternehmen?
GREINER: Wir arbeiten hier eng mit der Schweizer Sustainable Asset Management (SAM) Group zusammen, die weltweit in jeder Branche Unternehmen sucht, die diese Nachhaltigkeitskriterien am besten erfüllen. Dabei bedient sich SAM eines umfangreichen Fragebogens, der jährlich an die weltweit 2.500 größten Unternehmen des Dow-Jones World-Index verschickt wird. Zudem fließen in die Bewertung der Unternehmen auch Dokumente wie Umwelt-, Arbeitssicherheits-, Sozial- und Geschäftsberichte ein. Hier hat sich SAM dem Best-in Class-Ansatz verschrieben, das bedeutet, SAM ermittelt die führenden zehn Prozent der Nachhaltigkeitsunternehmen, diese werden daraufhin (mit Ausnahme der Firmen aus den Bereichen Tabak, Alkohol, Glücksspiel, Rüstung und Waffen) im Dow-Jones- Sustainability-World-Index-ex-All zusammengefasst. Dieser Index, der aktuell 320 Unternehmen aus 57 Branchen und 23 Ländern umfasst, dient als Anlageuniversum für den MEAG Nachhaltigkeits- Fonds.
FINANZWELT: Wenn ich mir einige Unternehmen Ihres Fonds anschaue, würde ich dennoch nicht denken, dass diese in einem Nachhaltigkeitsfonds vorkommen.
GREINER: Mit dieser Aussage werde ich häufig konfrontiert. Es geht bei einem nachhaltigen Investment aber nicht alleine darum, bestimmte Branchen auszuschließen – sondern in jeder Branche die Unternehmen zu suchen, die die Nachhaltigkeitskriterien am besten erfüllen. Und das sind eben auch Unternehmen aus Bereichen, bei denen man auf dem ersten Blick nicht vermutet, dass sie in einem nachhaltigen Portfolio vorkommen. Beispiel Ölproduzenten oder Minenwerte – bei diesen Unternehmen ist es eben nicht entscheidend, dass es Ölproduzenten oder Minenwerte sind, sondern vielmehr, wie hoch deren Sicherheitsstandards, Arbeitsbedingungen etc. sind. Wenn ein Ölproduzent sein Öl in neuen, doppelbödigen Tankern transportiert, leistet er auch seinen Umweltbeitrag und senkt unter anderem das Katastrophenrisiko.
FINANZWELT: Betreiben Sie auch ein eigenes Research oder greifen Sie ausschließlich auf SAM zurück?
GREINER: Wir investieren derzeit in 70 bis 80 Unternehmen, wobei etwa 80 Prozent aus dem Index stammen. Somit entspricht dieses Investment hinsichtlich der Risiko-Return Charakteristika einem weltweit anlegenden Aktienfonds. Nur die Unternehmen sind eben attraktiver, da sie die strengeren Nachhaltigkeitskriterien erfüllen müssen. Die anderen 20 Prozent des Fondsvermögens investieren wir in kleinere, innovative Firmen wie Recyclingfirmen oder Unternehmen aus den Bereichen der Wasseraufbereitung, Solar- oder regenerative Energien. Hier greifen wir nicht auf das Research von SAM zurück, sondern suchen selber nach Firmen, die genügend Potenzial versprechen.
FINANZWELT: Nichtsdestotrotz stehen Ihnen weniger Unternehmen zur Verfügung, wie etwa einem „normalen“ weltweit anlegenden Fonds. Müsste da nicht die Performance darunter leiden?
GREINER: Ganz und gar nicht. Wir sehen den Begriff Nachhaltigkeit auch unter Performance-Gesichtspunkten. Wir wählen unsere Investments ebenfalls vornehmlich im Hinblick auf langfristigen Erfolg aus. Es gibt mittlerweile zudem Studien, wie die ZEW-Studie, die statistisch nachgewiesen hat, dass ein nachhaltiges Investment zu keiner Underperformance führt. Ganz im Gegenteil. Mit einem nachhaltigen Investment kann man die gleiche Performance, sogar mit einer geringeren Volatilität erzielen, als bei einem herkömmlichen Investment. Der Grund liegt darin, dass die einzelnen Unternehmen weniger schwanken. Das macht diesen Bereich auch zunehmend für institutionelle Anleger wie Stiftungen, aber auch private Anleger interessant, die bewusst in nachhaltige Unternehmen investieren ohne dabei Performancenachteile zu erfahren.
(Michael Lennert)







