Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Die Superfonds greifen an

Neue Anlagechancen – bessere Reaktion auf den Markt

Seit dem ersten Januar dieses Jahres gibt es wieder etwas Neues. Die Superfonds wurden geboren. Denn seit diesem Zeitpunkt erlaubt die OGAW III-Richtlinie deutschen Dachfondsmanagern auch in Aktien, Anleihen, Zertifikate und Genussscheinen zu investieren. Damit wurden die bislang gültigen Abgrenzungen der Fondsarten aufgehoben und die Vorgaben der EU-Richtlinie, mit dem Investmentmodernisierungsgesetzes, in deutsches Recht umgesetzt. Zudem erlaubt sie den Fondsmanagern bei fallenden Märkten mögliche Kursverluste durch den Einsatz von Derivaten wie Optionen oder Terminkontrakten gezielt abzusichern.

Bislang konnten die Fondsmanager bei fallenden Märkten nur auf eine höhere Cash-Position ausweichen, um Verluste zu begrenzen. Was jedoch weiter nicht erlaubt ist, sind Leerverkäufe zu tätigen und sich zu verschulden, ein wesentlicher Unterschied zu Hedgefonds. „Wir haben die Anlagerichtlinien des GIP Invest World schon jetzt gemäß der EU-Richtlinie umgestellt, um unsere Anleger so früh wie möglich von den neuen Anlagechancen profitieren zu lassen“, sagt Alfred Werner, Fondsmanger bei GIP Invest S.A. „Dabei setzen wir gezielt auf die neuen Anlagespielräume, um unseren Anlegern bei gleichen Renditemöglichkeiten ein erhöhtes Maß an Sicherheit zu bieten. Unser Ziel ist es, in jeder Marktlage positive Erträge zu generieren. Das heißt, dass wir uns nur bei fallenden Märkten von der Benchmark lösen und bei steigenden Märkten an ihr orientieren. Denn jetzt kann eine Absicherung der Fondspreise mit Derivaten zu vernachlässigbaren Kosten erfolgen“, erklärt Werner weiter.

>Schatten der Vergangenheit

Diese neuen Regelungen sollen nun Dachfondsmanagern die Möglichkeit geben, besser auf Marktentwicklungen reagieren zu können. Einige von ihnen haben das auch sicher nötig, denn die Kritik an Dachfonds war in den vergangenen Jahren durchaus groß. Viele von ihnen enttäuschten, vor allem was die Performance anging.
Aber es gab auch andere Kritikpunkte. Bemängelt wurde vor allem die Kostenstruktur und die Auswahl der Zielfonds. Bei der Kostenstruktur hieß es in vielen Kommentaren, dass der Anleger doppelt belastet würde, da er zum einen für die hausfremden Zielfonds, in die der Dachfonds investiert, zusätzlich Verwaltungsgebühren zahlen müsste. Zum anderen fielen versteckte Kosten an, da der Dachfonds dem Anleger neben der normalen Verwaltungsgebühr auch Provisionen für die Bestandspflege hausfremder Fonds berechnen würde. Auch die intransparente Analyse und Auswahl der Zielfonds wurde scharf kritisiert. Und das vor allem bei den großen Gesellschaften, denen oft vorgeworfen wurde, in eigene zweit- und drittklassige Konzernfonds zu investieren und nicht in die jeweiligen Besten des Marktes.
Doch es gibt natürlich auch Befürworter der Dachfondsidee. „Ein Dachfonds ist eine Vermögensverwaltung light, die es dem Anleger gerade bei kleineren Anlagesummen ermöglicht, eine optimale Chancen-Risikogewichtung durch die Kombination verschiedener Investmentfonds herbei zu führen. Dabei ist es wichtig, dass der Fondsmanager, je nach Chancen-Risiko-Vergabe des einzelnen Dachfonds, die Fondskombinationen den aktuellen Marktgegebenheiten anpasst. Allerdings gilt auch bei Dachfonds: Drum prüfe, wer sich länger binden möchte“, sagt Iris Albrecht, unabhängige Fondsexpertin. Und vergleiche man die Performance einiger Dachfonds mit internationalen Aktienfonds oder Mischfonds, konnten einige Dachfondsmanager in der Vergangenheit durchaus die Konkurrenz schlagen. Zwar gibt Albrecht zu, dass einige Dachfonds wenig transparent sind, was die aktuellen Positionen widerspiegelt, jedoch gäbe es auch einige Positivbeispiele, wie die „gläsernen Dachfonds von Fund Market, bei denen die Anleger täglich im Internet eventuelle Veränderungen sofort mitverfolgen können“, erklärt die Fondsexpertin weiter.

>Alternative Multimanagerfonds?

Doch es gibt auch Alternativen zu Dachfonds, die mit den Nachteilen dieser werben. Kostenvorteil und größere Transparenz. Multimanagerfonds verteilen ihr Fondsvermögen auf mehrere Vermögensverwalter, die jeweils Spezialisten auf ihrem Gebiet sind und dann diesen Bereich managen. Zudem können sie auf ein breiteres Angebot zurückgreifen. Während Dachfonds in Deutschland aus etwa 8.000 zugelassene Fonds wählen können, haben die Multimanagerfonds weltweit Asset Manager von etwa 80.000 Investmentfonds zur Auswahl. „Ziel bei Multimanagerfonds ist es, durch die Kombination von hausinternem und externem Know-how die beste Fondsveranlagung in der einzelnen Assetklasse zu bieten“, sagt Dr. Mathias Bauer, Geschäftsführer bei Raiffeissen Capital Management (RCM). So arbeitet RCM, beispielsweise beim Raiffeisen Europa-Aktien-Fonds sowie beim Raiffeisen Pazifik-Fonds eng mit Capital International zusammen, da diese eine ähnliche Investment-Philosophie wie RCM aufweisen: aktives Management, Fundamentalanalyse, konsequenter Bottom-up-Ansatz, hohe Qualifikation der einzelnen Manager sowie ein strukturierter Investmentprozess.

>Einen strategischen Partner

Somit kristallisiert sich auch ein wesentlicher Punkt zwischen Dachfonds und Multimanagerfonds heraus. Während der Dachfonds einen Fonds ohne großes Aufheben und ohne größere Kosten aus seinem Portfolio nehmen kann, holt sich ein Multimanager-Fondsanbieter einen strategischen Partner an Bord, an den er sich meist längerfristig bindet und bei dem es dann auch teurer wird, wenn er sich von diesem trennt. „Wir sind flexibel und aktiv - und das gleiche verlangen wir von unseren Partnern auf höchstem professionellen Niveau. Nur so können wir ein stimmiges Gesamtprodukt anbieten“, erklärt Geschäftsführer Bauer weiter.
Doch nicht nur Multimanagerfonds haben ihre strategischen Partner, auch Dachfonds haben Lieblinge, in die sie vornehmlich investieren. Das geht aus einer aktuellen Studie von Fidelity hervor, die 367 in Deutschland zugelassene Dachfonds untersuchte, die zusammen 24,3 Milliarden Euro verwalten. Ergebnis: Der Liebling der Dachfondsmanager ist derzeit der Nordea North American Value Fonds, in den ganze 76 der befragten Dachfondsmanager investieren, gefolgt vom Fidelity European Growth Fonds, der in 63 Dachfonds vorkommt, und dem Gartmore Continental Europe Fonds, in dem 48 Dachfonds ihr Geld anlegen.
Und die Dachfondsstudie untermauert jedoch auch den Vorwurf, dem man vor allem großen Fondsgesellschaften macht. Sie investieren zu viel in eigene zweit- und drittklassige Konzernfonds und nicht in die jeweiligen Besten des Marktes. So macht der Anteil konzernfremder Fonds bei der Deka lediglich 1,5 Millionen Euro oder 0,02 Prozent des verwalteten Dachfondsvermögens aus! Etwas besser ist dieser Anteil bei den Zweit- und Drittplatzierten. Die Dachfonds der Allianz Dresdner Asset Management investieren rund neun Prozent ihres Fondsvermögens in konzernfremde Fonds, bei der DWS sind es sogar 23 Prozent.
Auch Robeco arbeitet bei seinem Robeco Multi Manager Asia-Pacific Equities mit einem Partner zusammen. Sein Name: Frank Russell, einer der führenden Berater für Multimanagerfonds weltweit, der für den Fonds sechs führende Asset Manager im asiatisch-pazifischen Raum ausgewählt hat. "Für Anleger, die gerne auf Streuung innerhalb einer Anlageregion setzen, hat der Multimanagerfonds den Vorteil, dass er von mehreren Anlageteams mit unterschiedlichen Stärken und Stilen verwaltet wird. Robeco setzt einen bewährten und stringenten Selektionsprozess ein, um die Expertise verschiedener spezialisierter Vermögensverwalter effizient im Fonds zusammenzubringen. Somit hängt die Rendite weniger von den Veränderungen im Marktklima ab”, sagt Frank Alexander de Boer, Geschäftsführer Robeco Asset Management (Deutschland) B.V. Eine Anlage im Robeco Multimanager Asia-Pacific Equities (EUR) Fonds böte den Zugriff auf die führenden Anlageteams im asiatisch-pazifischen Raum: Jardine Fleming, SGAM, und Martin Currie für den japanischen Teil des Portfolios (40%) sowie Schroders, BEM, und Lloyd George für den asiatisch-pazifischen Raum (einschließlich Australien).
Doch was die einzelnen Anbieter alles unter einem Multimanager-Ansatz verstehen, kann durchaus verschieden sein. So umfasst der Investmentansatz von Frank Russell insgesamt drei Variablen:

  • Multi Asset - die Diversifikation der Anlageklassen, um das Gesamtrisiko des Portfolios zu reduzieren

  • Multi Style - jede Anlageklasse kann in verschiedene Investmentstile wie Growth oder Value aufgegliedert werden, um konstante Erträge in einem sich verändernden Marktumfeld zu erzielen, und

  • Multi Manager - eine Diversifikation auf Managerebene, um mögliche Spezialisierung für jeden einzelnen Investmentstil zu erreichen.


Und im Angelsächsischen besteht der Unterschied von Multimanagerfonds zu herkömmlichen Dachfonds darin, dass dem Portfolio neben Aktienfonds, Rentenfonds und Geldmarktfonds auch Immobilienfonds sowie Alternative Investments wie Hedgefonds oder Private-Equity-Fonds beigemischt werden können. Eine Anlage in einzelne Aktien ist hingegen wie beim Superfonds nicht möglich, wobei wir wieder beim Superfonds wären.

>Superfonds oder Supergau?

Einer, der die Möglichkeiten der Superfonds auf jeden Fall nutzen möchte, ist Bernd Greisinger, der Dachfondsmanager der BG-Fonds (siehe Interview). Ein Grund dafür ist die hohe Umschlaghäufigkeit in seinen Fonds. Greisinger bevorzugt eher das kurzfristige Engagement und drehte seine Fonds in einem Jahr schon mal zwischen 15 bis 20 mal. Nicht zur Freude der Fondsgesellschaften natürlich, die zum einen ein längerfristiges Engagement bevorzugen und zum anderen wegen des Market-Timing-Skandals in den USA, der die Fondsgesellschaften vorsichtig gemacht hat. Das ist jetzt durch den Einsatz von Derivaten vorbei. Doch dies ruft auch Kritiker auf den Plan. „In einem Punkt bleibt sich Greisinger treu“, sagt Gerd Bennewirtz, Geschäftsführer von SJB FondsSkyline. „ Die hohe Umschlaghäufigkeit soll gehalten werden. Nur sollen jetzt nicht mehr die Fonds, sondern Derivate die Pace machen. Die Nachteile dieser Absicherungsstrategie sind recht hohe Optionsprämien und das Risiko, dass der Index sich anders verhält als erwartet”, gibt Bennewirtz zu bedenken. „Dann verfällt die Option und die Kosten bleiben. Die neuen Möglichkeiten bringen zwar Bewegung in den Dachfondsmarkt, ob dabei die Wellen hochschlagen werden, sollten sicherheitsorientierte Anleger jedoch lieber aus der Ferne betrachten.“

(Michael Lennert)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: