Geldtöpfe für die Wirtschaft
Neue Perspektiven für Private Equity Beteiligungen
Nach dem Rekordjahr 2000 mit 664 Millionen Euro Platzierungskapital mussten deutsche Private Equity Gesellschaften im vergangenen Jahr mit 233 Millionen Euro mit deutlich weniger „frischem“ Kapital auskommen. Jetzt erwarten Fachleute aufgrund der restriktiveren Finanzierungsmöglichkeiten für die deutsche, aber auch die internationale Wirtschaft eine verstärkte Nachfrage nach Kapital aus privater Hand. Dies könnte sich auch auf Kapitalanlage-Angebote auswirken.
FINANZWELT sprach mit Kuno Konrad, Aufsichtsratsvorsitzender FINAD Financial Services AG, Michael Oesterreicher, Vorstand der VC Trust AG, Dr. Bernd Geiger, Geschäftsführer Triangle Venture Capital Group Management GmbH, Prof. Dr. Udo Wupperfeld, Mitinitiator und gesellschafter und Leiter des Investitionsbeirates von Leonardo Venture, Johann Dudla, Geschäftsführer VCM Venture Capital Marketingüber Produktstrategien, veränderte Rahmenbedingungen und Perspektiven.FINANZWELT: Wie geht Ihre Kundschaft mit dem Thema Private Equity um?
Kuno Konrad: Innerhalb der Kundschaft gibt es aus unserer Sicht noch immer eine große Bereitschaft, sich an diesem Wirtschaftszweig zu beteiligen. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass eine große Renditechance da drin steckt, rechtzeitig an einem jungen Unternehmen beteiligt zu sein. Das Problem der Kunden besteht allerdings darin, dass sie die sogenannten Zielunternehmen nicht selbst beurteilen können. Hier ist professionelle Unterstützung angesagt.
FINANZWELT: Ihr Expertenteam ist die VC Trust AG. Warum?
Kuno Konrad: Wir haben uns für die VC Trust entschieden, weil deren Strategie sicherheitsorientiert ist. Das besondere daran ist, dass 40 Prozent des verfügbaren Kommanditkapitals im ersten Jahr der Anlage über die Deutsche Bank AG in einen oder mehrere Zerobonds investiert werden. Dabei wird nach ca. 14 Jahren, abhängig vom Zinssatz, eine Erhöhung des investierten Fondskapitals von 40 Prozent auf ca. 70 Prozent vor Steuer angestrebt. Erlöse aus Beteiligungsverkäufen werden an die Anleger ausgeschüttet. Anteilig werden Gelder aus dem Zerobond abgerufen und zusätzlich in Venture Capital investiert. Das bedeutet, dass das gesamte, im Zerobond angelegte Kapital, natürlich abzüglich der Gebühren, in Venture Capital fließt. Die fehlenden 30 Prozent zum vollen Kapitalschutz können sich durch entsprechende Teilwertabschreibungen auf die GmbH-Anteile bzw. Aktien der Zielunternehmen im Falle eines Totalverlustes, sowie aus möglichen Liquiditätsrückflüssen auf Grund negativer steuerlicher Ergebnisse, ergeben. Der Beteiligungsfonds erreicht somit einen Kapitalschutz in Höhe von 70 Prozent bis möglicherweise fast 100 Prozent nach Steuern.
FINANZWELT: Herr Oesterreicher, ist Basel II aus Ihrer Sicht ein Verkaufsförderer oder ein Hindernis?
Michael Oesterreicher: Auf Grund des Margenverfalls stehen die Branchen unter erheblichem Wettbewerbsdruck. Durch Kostenreduktion und Minimierung von Ausfallrisiken bei Kreditvergaben weichen die Banken diesem Druck aus und verlagern dabei ihre Aktivitäten auf ertragsstarke Geschäftsfelder, beispielsweise die private Vermögensberatung. Basel II wird die Ertragssituation der Banken, insbesondere der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, nachhaltig verändern, wenn die derzeitigen Überlegungen hinsichtlich der Ratings tatsächlich realisiert werden sollten. Der Mittelstand wird sich neue Wege in der Unternehmensfinanzierung suchen müssen. Mittelstandsfinanzierung wird auf Grund steigender Nachfrage und strategischer Chancen ein wachsendes Betätigungsfeld für VC Fonds. Die Renaissance beginnt dann, wenn Investoren erkennen, welche Chancen VC Fonds im Bereich Mittelstandsfinanzierung bieten können.
FINANZWELT: Seit den Crashs am Neuen Markt bekommen Anleger aus den Medien heraus verstärkt Empfehlungen, von Venture Capital bzw. Private Equity die Finger zu lassen. Was ist Ihre persönliche Meinung dazu?
Dr. Bernd Geiger: Bedenkt man dabei, dass die von Ihnen angesprochenen Stimmen der Medien in der Hochphase des Neuen Marktes die größten Fürsprecher für einen Einstieg in Venture Capital oder Private Equity waren, dann sollte man sich diesen Markt als Investor heute auf jeden Fall anschauen. Antizyklisches Investieren hat sich schon immer gelohnt.
Als Venture Capitalist sieht man diese Diskussion gelassen. Unsere Unternehmen sind zum Zeitpunkt der Finanzierung noch drei bis vier Jahre von den Aktienmärkten entfernt, so dass die Schwankungen keinen Einfluss auf deren unternehmerische Entwicklung haben. Innovationen mit einem vernünftigen Geschäftsmodell haben immer Potenzial.
Dr. Udo Wupperfeld: Der Crash am Neuen Markt waren eine Konsequenz der übermäßigen Hausse, die zum Teil zu absurden Überbewertungen von Unternehmen geführt hat. Auch heute, nach dem Crash und einem Index von unter 1000, kann immer noch nicht von einer Unterbewertung gesprochen werden. Auf Venture Capital bzw. Private Equity hatte die Entwicklung folgende Auswirkungen: In der Boom-Phase konnten VentureCapital Gesellschaften überaus viele, sehr lukrative Exits über den IPO am neuen Markt und damit enorme Renditen realisieren. Auf der anderen Seite waren bis Mitte 2000 die Bewertungen von Zielunternehmen sehr hoch, so dass Beteiligungen vor dem Crash sehr teuer eingekauft wurden.
Seit dem Crash ist der Exit-Weg Börse weitgehend verschlossen. Probleme haben aktuell die Venture-Capital-Gesellschaften, die vor dem Crash Beteiligungen zu einem hohen Preis in der Hoffnung erworben haben, diese zu einem noch wesentlich höherem Preis innerhalb kurzer Zeit über die Börse veräußern zu können.
Durch den Crash sind die Bewertungen von Unternehmen, an denen sich Venture-Capital-Gesellschaften beteiligen, sehr gering geworden, d.h. heute kann zu äußerst günstigen Bedingungen investiert werden. In einer sehr guten Situation befinden sich solche Venture-Capital bzw. Private-Equity-Gesellschaften, die keine Beteiligungen zu überhöhten Preisen erworben haben und die über liquide Mittel verfügen, um jetzt investieren zu können.
Deshalb kann die Empfehlung nur lauten, gerade jetzt in Venture Capital zu investieren, da die Investitionsbedingungen sehr günstig sind. Im übrigen mehren sich auch wieder die Analystenstimmen, die dies empfehlen. Wer mit Investitionen bis zur nächsten Hausse wartet, wird diese Chance verpassen.
FINANZWELT: Wie wichtig ist der Neue Markt für junge VC-Unternehmen?
Dr. Udo Wupperfeld: Für Venture-Capital Gesellschaften stellt der Neue Markt nur einen Exitweg dar. Die meisten Exits werden im Rahmen sogenannter trade sales, d.h. der Veräußerung an größere Unternehmen realisiert. Zur Strategie seriös arbeitender Gesellschaft zählt daher auch, einen trade sales als Exitweg einzuplanen. Da Venture Capital ein eher langfristiges Geschäft für die Fonds ist, die heute investieren, ist die Börsensituation in zwei bis sieben Jahrenwesentlich relevanter. Deshalb darf man den Neuen Markt, insbesondere die derzeitige Situation, nicht überbewerten. Dr. Bernd Geiger: Der Neue Markt bescherte mit seiner Entwicklung bis in das Frühjahr 2000 hinein auch der VC-Industrie in Deutschland einen enormen Entwicklungsschub beschert. Hiervon profitierten junge VC-Unternehmen. Die momentane Situation am Neuen Markt schadet jedoch der Gründerkultur mehr als sie nützt. Damit wir hier international nicht wieder an Boden verlieren und einen gesunden, wettbewerbsfähigen Kapitalmarkt etablieren können, muss die derzeitige Situation des Neuen Marktes schnellstmöglich bereinigt werden.
FINANZWELT: Was waren die wesentlichen Gründe für die Pleiten am Neuen Markt?
Dr. Bernd Geiger: In direkter Verbindung mit der Entwicklung des Neuen Marktes stand ein sehr einträgliches Emissionsgeschäft. Die Spekulationswelle um das schnelle Geld breitete sich immer stärker aus und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auf die Qualität der Emissionen auswirkte. Auf dieser Spekulationswelle haben viele Unternehmen den Weg an den Neuen Markt gefunden, deren Geschäftsmodell unter betriebswirtschaftlichen Aspekten keine Nachhaltigkeit darstellen konnte. Heute sind die anvertrauten Gelder verbraucht – das Geschäftsmodell hat sich nicht bestätigt. Die Konsequenzist die Pleite. Ein ganz normaler Mechanismus in einer gesunden Volkswirtschaft. Johann Dudla: Außerdem: Was hat eigentlich der Neue Markt mit dem klassischen VC von heute zu tun? Der Neue Markt ist stark volatil – der schwankt – das geht es um Psychologie. Bei Venture Capital unterstellt man einmal eine seriöse Strategie investiert man letztendlich in Substanz. Die entwicklungsfähigen Unternehmen werden von professionellen VC-Gesellschaften ausgewählt und dann über die Jahre hinweg gemanagt. Dabei sind die Exits über die Börse sehr gering. Die letzte Zahl, die mir gegenwärtig ist, ist ca. 12 Prozent, die tatsächlich den Exitweg Börse nehmen. Alles andere, also der größte Teil, ist der sogenannte Trade Sale, also der Verkauf an Großkonzerne bzw. der Rückkauf an Unternehmenseigner.
FINANZWELT: Stichwort Basel II. Wie beurteilen Sie die Auswirkungen gerade für junge Unternehmen?
Dr. Bernd Geiger: Die Diskussion um die Auswirkungen von Basel II haben für das VC-Geschäft wenig Relevanz. In dem frühen Stadium, in denen wir Technologieunternehmen finanzieren, sind Bankkredite mangels Sicherheiten sowieso keine Alternative.
FINANZWELT: Was macht aus Ihrer Sicht den Reiz des VC im Vergleich zu anderen Anlageformen aus?
Johann Dudla: Zunächst einmal liegt der Reiz darin, das dass VC Geschäft ein „Freischwimmergeschäft” ist. Das kann nicht jeder machen, das sollte auch nicht jeder machen. Man muss es verstehen und erläutern können. Der Reiz liegt einfach darin, dass man unbegrenzte Ertragspotentiale realisieren kann, die auf Substanz aufbauen. Die VC Gesellschaft hat elementare Instrumente, um das Risiko zu reduzieren. Das geht los bei der Vorprüfung, das geht weiter mit der Hands on Betreuung, weiter über Ausfallbürgschaften, die im Wesentlichen in der Frühphase genutzt werden können. Schließlich sorgt die Streuung in mehrere Unternehmen für eine Chancen-Risikostreuung.
FINANZWELT: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Produktpartner aus?
Johann Dudla: Im Wesentlichen hängt ja das VC Geschäft von den Menschen, den Persönlichkeiten ab, die dahinter stehen. Ein Netzwerk, das eine jahrelange, erfolgreiche Kooperation vorweisen kann, ist mir wichtig. Es muss sich in der Praxis bewährt haben. Dann gibt es Faktoren von der Konstruktion her. Die VCM vermittelt Produkte die sich im besten Falle ergänzen. Wir haben einen gewerblichen Fonds mit Leonardo Venture, wir haben einen vermögensverwaltenden Fonds mit Triangle. Sonst haben wir noch keine weiteren Produkte aufgenommen, weil wir uns auf die Frühphasenfinanzierung konzentrieren, das ist der hoch erotische Teil des VC-Geschäftes. Da steckt das meiste Potential drin.
FINANZWELT: Welche Vor bzw. Nachteile haben Direktinvestitionen bzw. Dachfonds?
Johann Dudla: Mit VC verbinde ich persönlich absolut hohe Renditen. Die sind bei einem Fund in Fund Konzept nur schwer realisierbar. Die Sicherheit, die dort scheinbar dargestellt wird, ist ab dem 25 Portfoliounternehmen so gut wie nicht mehr messbar. Dafür gibt es aber eine deutlich höhere Kostenbelastung.
FINANZWELT: In welchen Branchen stecken aus Ihrer Sicht die größten Potentiale?
Johann Dudla: Grundsätzlich hängt das Potential vom Unternehmen ab. Man kann einen enormen Gewinn mit einer Technologie aus der Baubranche machen. Es ist also weniger von den Branchen abhängig als von der Technologie, von der Innovationskraft, der jeweiligen Erfindung des Produktes. Vieles spricht dafür, dass gerade der Bereich Biotechnologie, Lebensqualität und Gesundheit eine bedeutende Rolle einnehmen wird. Wobei ich auch hier mit erhobenem Zeigefinger in Richtung Biotechnologie weisen möchte. Wenn es Fonds sind, die ausschließlich in Biotechnologie investieren, sehe ich die Gefahr darin, dass bestimmte Technologien im medizinischen Bereich eine sehr lange Anlaufzeit bis zu ihrer Zulassung zum Vertrieb benötigen. Deswegen muss ein Fonds einen guten Mix haben.







