Licht am Horizont
Neue Produkte sollen aus der Krise helfen
Wer sich mit den Trends des laufenden Jahres beschäftigen will, sollte zunächst einen Blick hinter sich werfen: Das vergangene Jahr war für die Investment und Versicherungsbranche nicht sehr erfolgreich. Ungeachtet der „Ausnahmeerscheinung 11. September” konnten die Anbieter die Anleger nicht davon überzeugen, dass bei fallenden Kursen der richtige Einstiegszeitpunkt in eine Investmentanlage ist. Lediglich Anleger in sogenannten Sparplänen hat die Baisse ruhig gelassen, so hören wir aus dem Vertrieb. Wohl deshalb, weil diese den Kursverlust kaum wahrnehmen. Auch die Lebensversicherer haben ihre Wachstumsprognose in 2001 deutlich verfehlt. Vor allem das Geschäft mit den staatlich geförderten Verträgen verlief nur schleppend. „Bislang haben erst 1,5 Millionen Arbeitnehmer eine Riester-Police abgeschlossen, nur einer von 20 Förderberechtigten”, meint der Sprecher der Lebensversicherer Gerhard Rupprecht. Unverdrossen setzt die Branche auf Wachstum: Die Riester-Rente stößt weiterhin auf großes Interesse bei den Förderberechtigten, so das Ergebnis der NFO Infratest Finanzforschung unter 1040 förderberechtigten Bundesbürgern. Die Studie wurde von der Allianz in Auftrag gegeben.
Riester wird den Vertrieb ganz sicher auch in diesem Jahr beschäftigen. Zu erwarten ist allerdings, dass sich die betrieblichen Lösungen durchsetzen, da Arbeitnehmer hier erstmals einen Rechtsanspruch haben. Allianz-Vorstandsmitglied Joachim Faber in einem Handelsblatt Interview: „Die Belegschaften schauen auf die Unternehmen und wollen die konkreten Altersvorsorgeangebote ihrer Arbeitgeber erst einmal abwarten. Das bremst das Geschäft.” Ähnlich sieht es Ralf Weißenfels, Geschäftsführer der HDI Pension Strategy & Management GmbH: „Viele Betriebe sind noch nicht auf die Änderungen in der betrieblichen Altersvorsorge eingestellt.” Unterlegt wird diese Aussage durch eine HDI-Studie. Grund genug für die Professoren und Fachleute Jürgen Basedow, Ulrich Meyer, Dieter Rückle und Hans-Peter Schwintowski öffentlich zu fordern, der Vertrieb der Riester-Produkte solle so lange verhindert werden, bis die lukrativeren betrieblichen Angebote nachgezogen sind. Die „Wartezeit”, so die Experten der Regierungskommission zur Versicherungsreform, läge an dem Genehmigungsstau bei der Aufsicht. Ob sich diese Forderung umsetzen lässt ist allerdings fraglich, denn der Vertrieb der Riester-Produkte ist bereits in vollem Gang.Auf dieses Pferd aufspringen will auch der Bundesverband Deutscher Investment und Vermögensverwaltungs Gesellschaften (BVI). Stefan Seip, der neue Chef des BVI, zielt auf Verdoppelung der Zahl an Fondssparern von jetzt 15 Millionen bis zum Jahr 2010 auf 30 Millionen und will hierzu die Altersvorsorgethematik nutzen. Der 39jährige Jurist, der vorher bei der Deutsche Börse AG in verschiedenen Positionen tätig war, hatte zum 1. Januar die Nachfolge von Manfred Laux angetreten. Seip: „Die Zukunft der Investmentbranche hat gerade erst begonnen. Die Riester-Rente ist nur der Anfang der politischen Entwicklung.“ Auch Seip äußert sich indes kritisch zu den Riester-Produkten: „Die Regelungen sind zu kompliziert; sogar ich als Jurist blicke da nicht richtig durch.“ Seine Vorstellung: „Wir brauchen eine einfache Lösung, die von den Bürgern verstanden wird; die staatliche Förderung ist dabei nicht der Schlüssel für die Akzeptanz.“ Und während die Versicherungslobby derzeit an rund 50 Pensionskassen und fonds arbeiten, bemerkt er: „Die neuen Pensionfonds sind keine Fonds, sondern Versicherungslösungen“. Logische Folge: Die Investmentgesellschaften sollten in die Lage versetzt werden, sich unmittelbar als Anbieter auf dem Markt für betriebliche Altersvorsorge betätigen zu können. Vier Anbieter haben bereits amtlich zertifizierte Angebote: Adig („Förderdepot“, Vertrieb über die Commerzbank), BHW (Der „Förderfonds“ für den eigenen Vertrieb wird von Frankfurt Trust bezogen), DWS („Top-Rente“, Vertrieb Deutsche Bank) und Union („UniProfiRente“, Volks und Raiffeisenbanken). Activest startet am 1. April, der DIT im ersten Quartal des laufenden Jahres. Fidelity mischt zunächst nicht mit. Auch Oppenheim winkt ab – der Verwaltungsaufwand sei zu hoch.
Seip könnte die aktuell positive Entwicklung des Marktes Rückendeckung gegenüber der Versicherungslobby geben. Der Bundesverband Deutscher Investment und Vermögensverwaltungs Gesellschaften verkündete, dass alleine im vergangenen Januar den Publikumsfonds neue Mittel in Höhe von insgesamt 10,2 Milliarden Euro zuflossen. Die Fonds erhielten damit annähernd soviel neues Anlagekapital wie im Januar des Rekordjahres 2000. Das Vermögen aller Publikumsfonds wuchs von 417,5 Milliarden am Jahresende 2001 auf 426,9 Milliarden Euro Ende Januar 2002. Im ersten Monat des laufenden Jahres verzeichneten alle Fondskategorien Nettomittelzuflüsse. Von den Anlegern favorisiert wurden nach wie vor Offene Immobilienfonds (Mittelzufluss: 3,5 Milliarden Euro) und Geldmarktfonds (Mittelzufluss: 2,8 Milliarden Euro). Das Mittelaufkommen der Rentenfonds belief sich den Angaben zufolge auf 2,3 Milliarden Euro. Die Aktienfonds brachten es auf einen Mittelzufluss von 1,3 Milliarden Euro. Die sogenannten Gemischten Fonds, die ihre Anlagemittel auf Dividendenwert und Rententitel verteilen, verbuchten einen Zufluss von 300 Millionen Euro.
Aktuell im Trend sind hierbei Index bzw. Garantieprodukte, denn sie bieten neben mehr Sicherheit durch Risikostreuung, zudem haben sich die Indices als überdurchschnittlich performancestark erwiesen. So wird UBS Asset Management mit fünf an der Börse handelbaren Indexfonds in den deutschen Markt einsteigen. Das kündigte kürzlich der zuständige Direktor der Schweizer Bank, Christian Gast, an. Die Fonds werden die DowJones-Indizes Euro Stoxx 50, Industrial Average, UK Titans 50, US Large Cap und US Technology nachbilden. Nach der HypoVereinsbank-Tochtergesellschaft Indexchange, der Union-Tochtergesellschaft Unico und Merill Lynch ist die UBS damit der vierte Anbieter in dem XTF-Segment für handelbare Indexfonds an der Deutschen Börse. Dieser Markteintritt macht deutlich, wo künftig der Wettbewerb in diesem noch jungen Marktsegment stattfinden wird. Weil mittlerweile drei Produkte im XTF-Segment den EuroStoxx50 Index abbilden, sollten potentielle Investoren verstärkt auf die Spanne zwischen Kauf und Verkaufskurs schauen. Eine Kombination aus Indexwerten und Garantie bietet Safe Invest Plus, ein Produkt der Münchner FWU-Gruppe. Das „Garantieprodukt” ist zudem eingebettet in eine Fondsgebundene Lebensversicherung, was nicht nur vertrieblich Möglichkeiten offen hält, sondern auch die Spange zwischen Absicherung (Versicherungsanteil) und Rendite (Investmentanteil) schließt. Bei „Safe Invest Plus das globale Chancenmanagement mit Erfolgsgarantie” der FWU-Gruppe hat die Vermögensverwaltungsgesellschaft Premium Select Lux S.A. in Luxemburg zusammen mit der Hamburger Landesbank ein zeitlich begrenztes Investmentprodukt entwickelt. FWU-Vorstandsvositzender Dr. Manfred Dirrheimer: „Es werden die Entwicklungschancen der wichtigsten Indizes Dow Jones Eurostoxx 50, Nikkei 225 und Standard & Poor’s 500 genutzt, gleichzeitig wird eine Garantieverzinsung von 3,25 Prozent angeboten. Eine Besonderheit: Die Gewichtung der Ergebnisse wird erst nach Ablauf der zwölf Jahre vorgenommen. Der Index, der sich bis dahin am besten entwickelt hat, wird mit 50 Prozent übergewichtet, der Zweitplatzierte mit 30 Prozent und der Schlechteste mit 20 Prozent deutlich untergewichtet. Anleger haben also eine hundertprozentige Kapitalabsicherung und profitieren dennoch von der positiven Entwicklung auf dem internationalen Parkett.”
Wer in diesem Jahr noch mit geschlossenen Fonds richtig Steuern sparen möchte, der sollte sich sputen. Denn aufgrund zweier Urteile des Bundesfinanzhofes und eines Erlasses vom 24. Oktober 2001 ist es künftig nicht mehr möglich, dass Vermittlungsprovisionen, Gebühren für Einnahmegarantien oder ähnliche Dienstleistungen sofort steuerlich geltend gemacht werden dürfen. Eine Ausnahme hierzu bieten die sogenannten Übergangsfonds, die bis zum Ende vergangenen Jahres aufgelegt wurden und bei denen Anleger bis zum 31.12.2002 beitreten können. Steuervorteile sind weitestgehend ein Auslaufmodell. Prompt steht die nächste Generation von Fondsbeteiligungen auf der Matte, die auf neue, wachstumsstarke Marktsegmente setzt. Eines ist ihnen dabei allen gemein: Der Begriff „unternehmerische Beteiligung” rückt zunehmend in den Vordergrund zu Lasten der Sicherheit. So haben Anleger künftig ebenso die Möglichkeit, sich an Online-Erotik Dienstleistungen zu beteiligen wie an Event-Veranstaltungen, teuren Zigarren oder gar ausgewählten Rotweinen. Selbst ein Anbieter von Golfplatznavigationssystemen findet sich unter den Kapitalsammlern. Anlageberater kommen damit aber auch immer in die Pflicht, sich umfassend zu informieren. Unterstützung hierbei geben Fondsplattformen wie eFonds 24 und Fond-Scope. Und natürlich FINANZWELT. Es wird also „bunter” am Anlagemarkt, denn der Klassiker der geschlossene deutsche Immobilienfonds hat zunehmende Akzeptanzprobleme. Dies spiegelt sich auch in der aktuellen Loipfingerstudie wider, die die Platzierungszahlen des letzten Jahres beschreibt. Die Gewinner sind schnell gefunden: Anleger setzten deutlich mehr auf ausländische Immobilienfonds, wobei Amerika der Spitzenreiter war. Schiffe und Medienfonds stagnierten wenngleich auf hohem Niveau, Venture konnte sich nicht so recht durchsetzen. Auch anteilig am Gesamtmarkt werden deutsche Immobilienfonds immer unwichtiger. „Die Ausschüttung“, so der Immobilienbrief vom Januar 2002, „wird dabei zum entscheidenden Verkaufsargument. Von 4,9 Prozent 1998 über 5,1 und 5,4 Prozent auf 5,6 Prozent stiegen im vergangenen Jahr die prognostizierten Ausschüttungen. Allerdings wurde damit noch kein adäquater Ausgleich für den Rückgang der Steuervorteile aufgebaut. Dies spiegelt sich deutlich in den Platzierungszahlen wider: Mit 2,03 Milliarden Euro haben die Anleger nur noch ein Drittel des Rekordwertes aus 1996 in deutsche Immobilienfonds gesteckt. Ganz anders ist die Ausschüttungsquote bei den US-AImmobilienfonds: Mit einer durchschnittlichen Ausschüttung von 8,1 Prozent (Vorjahr 7,2 Prozent) konnte hier im vergangenen Jahr sogar ein Rekordwert markiert werden. Sicherlich ein entscheidender Grund für die gestiegene Nachfrage nach diesen Produkten.”
Die Loipfinger-Zahlen verdeutlichen gleich mehrere Entwicklungen, wobei zwei Tendenzen klar erkennbar sind: Erstens sind mit klassischen Immobilienanlagen – wenngleich im Ausland erworben – anfänglich maximal Renditen bis acht Prozent erzielbar. Für derartige Renditen sind Anleger bereit, auch im Ausland zu investieren. Anleger, die sich hiermit nicht zufrieden geben wollen, müssen sich zunehmend bei risikoreicheren Beteiligungen umsehen. Zweitens dürfte die Branche und deren Berater weiterhin innovativ genug sein, die gegebenen sogenannten Steuervorteile zu nutzen, so beispielsweise bei der Erstellung sogenannter immaterieller Rechte. Denn wenngleich sozusagen nur noch unter der Ladentheke angeboten, versprühen Steuervorteile weiterhin ihren Reiz. Filmfonds waren hier in den vergangenen Jahren die Trendproduktlinie. Innerhalb weniger Jahre explodierte nicht nur der Markt sondern wuchs auch die Zahl der Anbieter und deren Fondsvolumen. Wobei auch hier erste Marktbereinigungen unter den Anbietern zu erkennen sind. Anlageberater sollten unbedingt vor dem Vertrieb die persönliche Leistungsbilanz der am Fonds beteiligten Personen hinterfragen. An ihnen hängt Gedeih und Verderb der „Ware Film”.
Wagen wir einen abschließenden Blick in die Zukunft: Immobilienfonds werden auch in Zukunft ihre Existenzberechtigung behalten, wobei die Bandbreite vom risikoreicheren Projektentwicklungsfonds über Auslandsfonds bis zum sicheren Wohnimmobilienfonds reicht. Die Branche dürfte nicht darum herum kommen, Anleger bereits in einem frühen Stadium an den Ertragschancen zu beteiligen. Projektentwicklungsfonds sind daher in aller Munde, d.h. Anleger werden in mehreren Phasen der Wertschöpfungskette, in diesem Fall von der Entwicklung beispielsweise eines Immobilienprojektes bis zu dessen Verkauf, beteiligt. Das europäische Ausland zeigt, dass derartige Fonds eine große Nachfrage nach sich ziehen und Renditen teilweise im deutlichen zweistelligen Bereich möglich sind. Daneben werden sich immer mehr Fonds durchsetzen, die interessante Investitionsfelder abdecken. Den Anlagemöglichkeiten sind hier bei eigentlich keine Grenzen gesetzt, solange sie noch sinnhaft umsetzbar sind.
Ein weiterer Aspekt dürfte in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen und Kapitalanlage-Modell nach sich ziehen. Die Rede ist von Basel II: Der Mittelstand hat aufgrund restriktiverer Kapitalbeschaffungsvorgaben durch die Banken zunehmend das Problem, keine Neuinvestitionen tätigen zu können. Es fehlt hierzu schlicht das nötige Kapital. Hier könnten geschlossene Fonds greifen, die ein entsprechendes Kapital zur Verfügung stellen können. Ketzerisch könnte man meinen, Anleger rückten damit an die Stelle der Banken und übernähmen ein Risiko, das die Banken nicht mehr zu tragen bereit sind. Das ist nicht ganz falsch, wenngleich Anleger damit auch die Chancen übernehmen, nach denen die Banken in einigen Jahren vielleicht schreien werden, wenn sie merken, dass mit dem reinen Umschichten von Kapitalvermögen nicht mehr ausreichend Geld zu verdienen ist. Aber es bleibt auch das Risiko. Die Branche wird also über mehr als nur eine haftungssichere Prospektierung, Branchenstandards und ein Testat des Instituts der Wirtschaftsprüfer nachdenken müssen. Vielmehr könnte es bereits in wenigen Jahren darum gehen, bankenähnliche Standards anzulegen – denn warum soll ein privater Anleger mit weniger Informationen in eine Kapitalanlage einsteigen als die in den meisten Fällen finanziell potentere Bank? Ein Ausstieg aus dem Dilemma könnte beispielsweise eine Due Dilligence Prüfung einer Anlage sein, die den Anbieter mitberücksichtigt und eine Wertung der Chancen und Risiken einer Investition vornimmt. Warum keine A, Bund C Risiko-Anlagen, denen dann auch Ertragserwartungen von 8, 12, und 18 Prozent gegenüberstehen? Oder wie es Frank Schaich, Geschäftsführender Gesellschafter IC Immobilien Consulting und Anlagegesellschaft mbH, in einem Gespräch gegenüber Fond-Scope äußerte: „Jede unternehmerische Form der Kapitalanlage lässt sich auch als geschlossener Fonds organisieren. Also warum nicht auch Zigarrenfonds, Geigenfonds, Kunstfonds, Waldfonds usw.? Die entscheidende Frage wird und muss immer sein: Wer ist der Anbieter? Versteht er was von Zigarren, von der Stradivari, von Kunst oder von Wald, hat er nachweisliche Erfolge mit seiner Produktauswahl, kennt er die Spieler im Markt, kann er zum richtigen Zeitpunkt den besten Preis erzielen?“
(Michael Oehme)







