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„Die Sonne stellt keine Rechnung“

New Energy Fonds

Die etablierten Initiatoren, die mit Immobilien groß wurden, entdecken die alternativen Ideen, vor allem die früher im Schatten der Windkraft stehenden Solarfonds.

Es gab Zeiten, da waren die Emissionshäuser für New Energy Fonds, die aus der alternativ-grünen Szene kamen und sich aus kleinen Ingenieur-Büros entwickelt hatten, weitgehend unter sich. Lediglich vereinzelt waren die etablierten Emissionshäuser unter den Emittenten zu finden, die mit anderen Produktlinien bereits eine starke Marktstellung errungen hatten.

Als Exot wirkte Ende der 80er Jahre BVT, ein bereits etablierter Initiator. Die Münchener legten bereits Ende der 80er Jahre, vor der Verabschiedung des Stromeinspeisungsgesetzes, den Fonds Nordfriesland I auf.
„Bis 2003 bestand der Markt fast ausschließlich aus Windkraft“, stellte Stefan Loipfinger fest. Das alles hat sich inzwischen grundlegend geändert. Heute beherrschen Photovoltaikfonds das Marktgeschehen. „54 % des geplanten Investitionsvolumens entfallen auf Solarfonds“, ermittelte Daniel Kellermann, Inhaber der Internetplattform Green Value. Und etablierte Emissionshäuser wie DCM, KGAL und Sachsenfonds haben New Energy und die Solarfonds entdeckt. Einen weiteren plant Commerz Real.

Dass die Windkraft früher so dominierend war und die Solarkraft vernachlässigt wurde, lag auch an der deutschen Förderung. Durch das Stromeinspeisungsgesetz (1991) und das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) vom Frühjahr 2000 wurde einseitig die Windkraft gefördert. Erst mit der Novelle des EEG 2004 wurde die Einspeisevergütung für Solarstrom erheblich verbessert. Die Folge war ein sprunghafter Anstieg der Solarfonds. Derzeit sind auf der Internetplattform Green Value, die sich auf Anlagen in alternativen Energien spezialisiert hat, zwei Windkraftfonds zu finden, aber zwölf Solarstromfonds (nur die größten sind in der Tabelle erfasst).

Zunehmend ist aber ein Trend zu Anleihen und Genussrechten festzustellen. Doch hier ist Vorsicht am Platze, nicht nur wegen der Vorkommnisse bei EECH, deren verantwortliche Personen wegen Betrugsverdachts zwischenzeitlich in Haft genommen wurden.
„Bei den Genussrechten ist vor allem darauf zu achten, für welche Zwecke das aufgenommene Geld verwendet wird“, meint Kellermann. Das gilt nicht nur im Hinblick auf EECH, hier aber im wörtlichen Sinn. Die Staatsanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass von den 43 Mio. Euro, die durch Begebung von Solaranleihen eingenommen wurden, nur 3,3 Mio. tatsächlich in Sonnenenergie- Projekte investiert wurden. „Man muss prüfen, ob das durch Genussscheine oder Anleihen aufgenommene Geld für die Stärkung des Eigenkapitals der Unternehmen oder zur Projektentwicklung verwandt wird“, meint Kellermann. Trifft der erste Fall zu, trägt der Anleger größere Risiken, als wenn mit den Einnahmen bestimmte im Prospekt genau definierte Solar- oder andere New Energy Projekte finanziert werden, wie das bei geschlossenen Fonds der Fall ist.

Der Trend weg von geschlossenen Fonds hängt auch damit zusammen, dass die steuerlichen Verluste seit Einführung des § 15 b Einkommensteuergesetz nicht mehr sofort verrechnet werden können. „Um den Anleger in den Genuss dieser Steuervorteile zu bringen, war die transparente Gesellschaft wie der geschlossene Fonds als typisches deutsches KGModell, wie es im In- und Ausland berühmt ist, notwendig", erläutert Jens- Peter Wolters, geschäftsführender Gesellschafter AKTIVA-Gruppe, Wirtschaftsprüfer, Rechtsanwälte, Steuerberater in Leer (Ostfriesland). Übersehen wird aber, dass die Verluste nach § 15 b EStG vorgetragen und mit späteren Gewinnen aus demselben Investment verrechnet werden können. Das tun in der Tat drei der vier in der Tabelle genannten Solarfonds. „Wir können unseren Anlegern bis 2023 steuerfreie Ausschüttungen in Aussicht stellen“, erklärt Heinz Theo Tetsch, Vorstand der DCM Deutsche Capital Management AG. Bei Sachsenfonds bleiben die Ausschüttungen bis 2018 steuerfrei.
Der DCM Energy Solar 1 (Slogan: „Die Sonne stellt keine Rechnung“) ist ein Zwei-Länder Fonds, er investiert zu etwas weniger als 2/3 in Deutschland und knapp 1/3 in Spanien. In Deutschland werden die Großflächendächer der Logistikzentren von Aldi Nord und Aldi Süd genutzt. DCM arbeitet mit erfahrenen Partnern zusammen, die auch selbst ins Risiko gehen. Erst nach der Abnahme durch das Fraunhofer Institut erwirbt der Fonds das Eigentum an den solaren Energiesystemen. Die Partner übernehmen auch für 20 Jahre (Deutschland) und 25 Jahre (Spanien) Garantien auf die Solarmodule. „Ebenso bei der Prognose der Anfangsausschüttung von 6 % wollten wir auf der sicheren Seite sein“, meint Tetsch. Der Fonds nutzt in Deutschland die Stromeinspeisevergütung für 20 Jahre (ab Inbetriebnahme der Solarstromanlage). In Spanien ist am 1.7. 2007 ein neues Gesetz in Kraft getreten, das sogar einen Förderzeitraum von 25 Jahren vorsieht; die Vergütung ist zudem an die Inflationsrate gekoppelt. Und natürlich spricht die höhere Zahl der Sonnentage für Spanien, die vielleicht nicht unbedingt als Maßstab geltende Reisebranche wirbt mit mindestens 300 Sommertagen im Jahr.
In Spanien investiert auch der Infra Class Energy 3 von KGAL, der allerdings eine Beteiligung an verschiedenen Projektgesellschaften vorsieht. Während die Solarfonds überwiegend gewerblich konzipiert sind, erzielt der Anleger beim KGAL-Fonds Einkünfte aus Kapitalvermögen (Zinsen und Dividenden), die nach dem 1.1.2009 der Abgeltungssteuer unterliegen. Die in Spanien gezahlte Quellensteuer auf Dividenden kann auf die deutsche Einkommensteuer angerechnet werden. „Die Erträge aus Solarkraftwerken sind zuverlässiger kalkulierbar als bei den Windkraftfonds“, erläutert Hans Heinrichs, Geschäftsführer von Sachsenfonds. Zudem ist der Verschleiß der Anlagen geringer, weil es keine beweglichen Teile gibt. Die schlechten Erfahrungen, die viele Initiatoren und Anleger mit der Windkraft gemacht haben – auch auf Grund einer Serie von schwachen Windjahren – lassen sich auf die Solarfonds nicht übertragen.

Die Zukunft der alternativen Energien sehen viele aber in der Geothermie, der Nutzung der Erdwärme, die in anderen Ländern bereits stark verbreitet ist. König & Cie. hat Probebohrungen inzwischen aufgegeben, auch bei DCM beschäftigt man sich mit dem Thema. Den ersten geschlossenen Fonds, der ein Geothermiekraftwerk finanziert, hat Sachsenfonds in der Pipeline. Das Fondsobjekt befindet sich im bayerischen Dürrnhaar. Geothermie gehört zwar zu den alternativen, aber nicht zu den regenerativen Energien. Die Erdwärme reicht nur 100.000 Jahre.

(Dr. Leo Fischer)


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