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Konkurrenz belebt das Geschäft – hoffentlich

New Energy

„Wir fürchten uns nicht vor Konkurrenz!“ Mit dieser Ansage macht Ökorenta-Vorstand Tjark Goldenstein klar, dass die Initiatoren aus dem Segment New Energy sich ihren Anteil am Markt der Energieerzeugung sichern wollen.

Anlass für das öffentliche Nachdenken war eine Podiumsdiskussion über die Chancen für Anleger im Beteiligungsmarkt mit Projekten der erneuerbaren Energien. Der von Goldenstein demonstrierte Optimismus hat handfeste Grundlagen, wenn man sich den von der Politik gesetzten Rahmen anschaut: EU-weit soll der Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtverbrauch von derzeit 6,5 % auf rund 30 % steigen bis 2020. Hintergrund dieser Vervierfachung sind die Ziele beim Klimaschutz. Vor allem die Emissionen des Klimakillers CO2 sollen gesenkt werden. Das muss aber vorwiegend über eine Justierung der Stromproduktion geschehen. Beim Verkehr ist derzeit noch zu wenig technischer Spielraum zur Umgestaltung erkennbar.

Für die konkrete Umsetzung sieht die Bundesregierung daher in ihren Plänen vor, dass die erneuerbaren Energien ihren hierzulande ohnehin schon hohen Anteil an der Stromerzeugung von derzeit etwa 12-13 % auf 25-30 % noch verdoppeln sollen. Das wird kaum ohne das Engagement der Initiatoren machbar sein, die den Löwenanteil der bisher aufgebauten Kapazitäten realisiert haben. Kein Wunder also, dass die Anbieter aus allen Sparten des Geschäftes für die nächsten Jahre deutliche Zuwächse im Vergleich zu 2007 erwarten.

Ingesamt hat die Branche rund 270 Mio. Euro bei den Anlegern eingesammelt, wobei eine wichtige Verschiebung erkennbar ist: Die Windkraft musste erstmals ihren Rang als größtes Segment an die Solarenergie abgeben: Das bisher betriebene Geschäft mit der Stromerzeugung aus Wind an „on - shore“ Standorten (d. h. auf dem Festland) scheint in Deutschland weitgehend ausgereizt, die zukunftsträchtige Alternative mit Offshore Windparks (Stromproduktion auf See) ist weder technisch noch administrativ soweit vorangekommen, dass damit eine neue Basis für leichtverkäufliche Standardprodukte gefunden wäre. Repowering?

Die Anbieter von Projekten in den Bereichen Solarenergie und Biogas haben da derzeit eine wesentlich günstigere Position im Produktzyklus: Besonders die Solarenergie hat einen ersten, beachtlichen Höhepunkt vor allem mit den auf die Nutzung von Dachflächen zugeschnittenen Konzepten erreicht, wie Jens Stolze von der Münchner DCM AG deutlich machte. Der DCM-Fonds auf Basis der bundesweiten Nutzung der Dächer auf den Läden des Discounters Aldi hatte im letzten Jahr beachtlichen Anteil daran, dass die Solarenergie zur Boombranche im Beteiligungsmarkt wurde. Zugleich sind hier aber immer noch technische Potenziale vorhanden, vor allem im Kernbereich der Verarbeitung des Grundstoffs Silizium.

Biogas könnte demnächst eine ähnlich rasante Entwicklung hinlegen, wie aus der Stellungnahme von Thomas Hartauer, Vorstand der Lacuna AG, zu erkennen war: Das Platzierungsvolumen 2007 entspricht lediglich 2-3 Anlagen. Die Möglichkeiten sind aber erheblich größer, zumal die Biogas-Technologie nicht so eng an bestimmte Standorte gebunden ist, wie die Stromproduktion aus Wind und Sonnenschein.

Auch die Geothermie erarbeitet sich erst ihren Markt und ist dabei ebenso auf eine begrenzte Anzahl technisch vorgegebener Standorte angewiesen. Als besondere Herausforderung haben sich dabei die hohen Vorlaufkosten und die daraus entstehenden wirtschaftlichen Risiken erwiesen. Jede einzelne Bohrung kostet mehrere hunderttausend Euro und die Ergebnisse sind unsicher. Zudem hat sich die Geothermie im Bewusstsein von Publikum und Machern doch deutlich als Domäne der öffentlich-rechtlichen Anbieter, der fast überall noch aktiven Stadtwerke, etabliert. Die Branche arbeitet hier zwar nicht gegen Widerstand, aber gegen eine Art Trägheit an, wie Andreas Gahr von Sachsenfonds deutlich machte. Grundsätzlich gilt allerdings, dass viel von der Sicherung einer ausreichenden Vergütung des eingespeisten Stroms abhängt: Eine allzu schnelle Absenkung dieser Stütze der regenerativen Energien könnte den Ausbau gefährden.

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund dieser speziellen Risiken wird auf Anbieterseite generell über Projektentwicklungsfonds nachgedacht, die sich gegen entsprechende Risikoprämien an der Vorfinanzierung der Projekte in den verschiedenen Segmenten beteiligen sollten. Denn das war unstrittig: An der Standardform der Fonds soll sich nichts Nennenswertes ändern, Basis soll jeweils ein fertig entwickeltes Projekt bleiben, das in der Hülle einer Publikums-KG den Anlegern zur Zeichnung angeboten wird. Dennoch weist die Branche einige Optimierungspotenziale auf, wie Uwe Krämer, Chefredakteur des Branchendienstes kapitalmarkt- intern, bei seiner Bilanz über die bisher eingesammelten 3,5 Mrd. Euro deutlich machte: Die auf dieser Basis hauptsächlich in Windkraftanlagen investierten 11,8 Mrd. Euro werden kaum wieder eingespielt werden. Allzu optimistische Kalkulationen und Prognosen haben zu erkennbaren Fehlinvestitionen geführt, etwa zwei Drittel aller Fonds, so zeigt eine überschlägige Durchsicht der vorhandenen Leistungsbilanzen, laufen unter Plan und über allzu viele Fonds gibt es überhaupt keine Zahlen. Tjark Goldenstein relativierte diese schwache Bilanz völlig zu Recht mit dem Hinweis, dass sich hinter diesen Zahlen auch eine Marktbereinigung verbirgt: „Von diesen Initiatoren sind viele nicht mehr am Markt. Und das ist auch gut so.“

Eine klare Konsequenz aus den bisherigen Erfahrungen lautet: Die Professionalisierung muss weiter vorangetrieben werden. Besonders die ordentlichen Standards der Prospektierung und die öffentliche Rechenschaft über die Ergebnisse, in Form öffentlicher Leistungsbilanzen, sind Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg am Markt.

So sehr die Politik auch mit ihren Vorgaben und Plänen der New Energy das Feld bereitet, sie schafft auch Probleme für die Anbieter. Da aussichtsreiche Standorte knapp sind, besteht grundsätzlich immer eine Konkurrenz um Projekte. Diese hat sich mit dem Beginn des Handels von Emissionszertifikaten verändert, weil die Politik nicht mehr nur mit Förderung, sondern auch mit Belastung von unerwünschten Verfahren, gerade bei den großen Energieversorgern (so genannte EVUs), arbeitet. Daher sind die kapitalstarken großen EVUs wie RWE oder EON gezwungenermaßen zu direkten Konkurrenten der Initiatoren auf dem Markt für „grüne“ Projekte geworden. Davon lässt sich die Branche aber nicht Bange machen, wie Goldenstein betonte. Denn sehr schnell wird klar, dass sich die EVUs hier an Größenordnungen im einzelnen Projekt orientieren, die jenseits dessen liegen, was normalerweise im Beteiligungsmarkt finanziert wird. Es werden also wohl ausreichend Nischen verbleiben.

(Martin Klingsporn)


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