Zahlenspielereien
Nichtversicherte – seriöse Prognose nicht möglich
Sie kam, sah und wollte jedem Deutschen einen Krankenversicherungsschutz „verpassen“. Ihr Name „Ulla Schmidt“ und ihre Mission „die Gesundheitsreform“. Dieser Reform verdanken all jene, die bis dato aus welchen Gründen auch immer keine Krankenversicherung mehr besessen haben, dass Sie wieder versicherungspflichtig werden/wurden und von ihrer Krankenkasse aufgenommen werden mussten/müssen.
Maßlos überschätzt. Das Thema Versicherungspflicht bzw. Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wurde im Reformprozess heiß diskutiert. Galt es doch der Bundesgesundheitsministerin als Beleg für die Qualität der Reform. Hoch, zu hoch war auch die Hausnummer über die in Deutschland lebenden Nichtversicherten, die Ulla Schmidt durch die Medien geistern ließ. „Leider wurde und wird dabei übersehen, dass es bis zur Reform nur Schätzungen gab, wie viele Menschen in Deutschland ohne Krankenversicherung leben. Daher auch die große Spannweite bei den Angaben: von 180.000 bis 400.000, je nachdem, wen man gefragt hat“, erörtert Ann Hörath, Pressereferentin beim BKK Bundesverband. So bleibt aktuell von den einst so gravierend hochgeschätzten Prognosen nur ein Stückteil. Während der Verband der Angestellten-Krankenkassen bzw. der Arbeiter-Ersatzkassenverband noch keine genauen Angaben über die „Rückkehrer“ machen kann – hierzu Pressesprecherin Michaela Gottfried: „Wir schätzen dass bis zum Juli 2007 nicht einmal ein Zehntel der geschätzten Betroffenen von der Rückkehrmöglichkeit in der GKV Gebrauch gemacht hat“ – heißt es vom IKK Bundesverband: „Bis zum 1. Juli 2007 sind 2.906 Menschen wieder in einer IKK versichert worden, die nach § 5 Abs. 1 Satz 13 Anspruch haben“, so Pressesprecher Joachim Odenbach, und die AOK spricht von gerade mal 13.721 „Rückkehrern“.Gähnende Leere. Anders als bei der GKV, bei der seit 01. April 2007 eben jene Versicherungspflicht besteht, ist die Regelung bei den privaten Krankenversicherungen (PKV). Hier kann man sich seit 01. Juli 2007 bei einer PKV seiner Wahl versichern – eine Verpflichtung besteht aber erst ab dem 01. Januar 2009 – bis dato mit mäßiger Nachfrage. „Bislang haben wir sieben Neuversicherte im modifizierten Standardtarif für Nichtversicherte, des Weiteren liegen uns 15 Anträge vor. 226 Personen haben einen Fragebogen zur Aufnahme angefordert“, so Roland Weber, Mitglied der Vorstände der Debeka Versicherungen.
Laut Verband der privaten Krankenversicherung haben bisher rund 2.000 Nichtversicherte den modifizierten Standardtarif der PKV nachgefragt. „Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Personen, die bereits in laufender, kostenintensiver Behandlung sind. Das ist nicht im Sinne des Gesetzgebers, der nach eigenem Bekunden verhindern will, dass die Menschen sich erst dann versichern, wenn sie bereits erkrankt sind und damit die Versichertengemeinschaft übermäßig belasten“, so Dr. Volker Leienbach, PKV-Verbandsdirektor. Eine seriöse Prognose der kompletten Anzahl der Nichtversicherten PKVler ist zur Zeit nicht möglich. Allerdings war die Zahl von 300.000 Personen ohne Krankenversicherungsschutz, die das Gesundheitsministerium in der Reformdebatte genannt hat, ganz offensichtlich zu hoch gegriffen. Das zeigt auch die Erfahrung der GKV, in die trotz dort bereits bestehender Pflicht zur Versicherung längst nicht so viele Personen zurückgekehrt sind wie erwartet. „Nähere Angaben für die PKV werden bedingt nach Auslaufen der erwähnten Kulanzregelung Ende dieses Jahres, ansonsten aber erst ab 2009 möglich sein, wenn auch in der PKV die Pflicht zur Versicherung gilt“, so Leienbach.
(MARC OEHME)







