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Asien

Noch einsteigen?

© Foto: Stéphan SZEREMETA - Fotolia.com

Die aktuellen Zahlen zur Wirtschaftslage in Asien sind glänzend, in China läuft die Konjuktur unverändert stark und Japan hat zuletzt sehr positiv überrascht.

Die Kapitalmärkte sind dieser Bewegung auch gefolgt, der APEX 50 Index, der auf den 50 wichtigsten Aktien der Region basiert, hat in den letzten 12 Monaten bereits um 40 % zugelegt. Die große Frage lautet daher: Sollen die Anleger noch einsteigen, sofern sie nicht schon engagiert sind?

Die offizielle Statistik Chinas hat erneut beeindruckend starke Zahlen geliefert: Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze haben demzufolge im Oktober jeweils um gut 16 % gegenüber dem Vorjahresmonat zugelegt. Zudem sollen die Sachanlagen (Investitionen) gleich um 32 % zugelegt haben, allerdings auf schmalerer Datenbasis (städtische Gebiete). Immerhin zeigen die Daten zur Kreditentwicklung, dass sich die Expansion schon verlangsamt, offenbar bremsen die Offiziellen mittlerweile, um keine hausgemachte Immobilienkrise durch eine allzu lockere Kreditpolitik zu provozieren. Zumal das reale Wachstum im 3. Quartal mit annualisierten 8,9 % einmal mehr bestätigte, dass die Wirtschaft im Reich der Mitte weiter unter Hochspannung steht.

Solche Zahlen bleiben höchst beeindruckend, wenn die Diskussion um die Qualität und Glaubwürdigkeit der chinesischen Statistik mit eingerechnet wird. Selbst wenn man die chinesischen Angaben vorsichtshalber jeweils einfach auf die Hälfte heruntersetzt, bleibt immer noch ein imponierender Rest übrig: 4 % reales BIP-Wachstum und 8 % Wachstum bei Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen sind immer noch sehr stark und weit von dem entfernt, was Euroland oder die USA zu bieten haben. Von daher bleibt mit oder ohne Diskussion um die Zuverlässigkeit der chinesischen Statistik einfach festzuhalten: Dort spielt die Musik, dort steppt der Drache.

Davon profitieren momentan wohl in erster Linie die Nachbarn, die als Zulieferer und Handelspartner den enormen Schub durch die chinesische Nachfrage gut gebrauchen können, um aus der Rezession herauszukommen. Das gilt in erster Linie für Japan, die (immer noch) zweitgrößte Volkswirtschaft auf dem Globus. Dort zeigte sich im 3. Quartal, dass sich heimische Anschubbemühungen und chinesische Nachfrage so weit verbunden haben, dass die Rezession trotz des weiter fallenden Preisniveaus (Deflation!) mit einem realen Wachstum von 1,2 % überwunden wurde, trotz der schwachen Binnennachfrage. Ähnlich das Bild auch in den anderen Ländern in der südasiatischen Nachbarschaft Chinas: Malaysia, Thailand und Korea (um nur die wichtigsten zu nennen) zeigen eine Aufwärtstendenz, die auf die positiven Impulse aus China zurückzuführen ist.

Natürlich wecken solche Zahlen auch das Interesse der Anleger. Die aktuell interessanteste Nachricht dazu kommt aus China: Der chinesische Staatsfonds Central Huijin Investment (CHI) plant die Emission einer Anleihe in Höhe von 80 Mrd. Yuan oder umgerechnet 11,7 Mrd. Dollar. Aufgabe von CHI ist die Finanzierung von Finanzmarktunternehmen in der Volksrepublik. Die mit der neuen Anleihe aufgebrachten Mittel sollen anschließend zur Aufstockung des Aktienkapitals der Bank of China und der China Export and Credit Insurance Corporation (kurz Sinosure) verwendet werden. Während CHI in der Vergangenheit vor allem illiquide große chinesische Banken mit frischem Kapital versorgte, geht es dieses Mal allein darum, die Zielunternehmen im Hinblick auf ihr wachsendes Geschäft mit ausreichendem Kapital zu versorgen. Die neue Anleihe dürfte voraussichtlich noch in diesem Jahr auf den Markt kommen.

Unklar ist bisher, wie viel vom Gesamtvolumen in Renmimbi-Yuan und in US-Dollar angeboten wird. Auch über eventuelle Kontingente oder spezielle Tranchen für Ausländer liegen noch keine konkreten Angaben vor, Beobachter aus Hongkong rechnen aber ziemlich sicher mit diesen Möglichkeiten, sich zu engagieren. Denn die chinesische Regierung hat schon mehrfach über solche Emissionen Schritte auf den internationalen Markt gemacht – in konsequenter Fortsetzung der Öffnungspolitik gegenüber dem Ausland. Umgekehrt könnten sich Yuan-Anteile im Portfolio westlicher Anleger als sinnvolles Sicherheitspolster bei den immer mal wieder ausbrechenden chinesisch-amerikanischen Rangeleien erweisen, die über die Währungspolitik im Allgemeinen und die Leitwährungsfunktion des US-Dollars im Besonderen ausgetragen werden. Diese Emission dürfte eine der Versuchsballons sein, die Peking starten lässt.

Jenseits dieser speziellen Konstellation muss aber gesehen werden, dass die Aktien aus China bereits sehr stark zugelegt haben. Hier kann man nur noch dem fahrenden Zug hinterherlaufen. Stattdessen lohnt es, sich mit der Fidelity-Empfehlung zugunsten Japans zu befassen: Vor allem die exportorientierte Industrie Japans dürfte zu den großen Gewinnern gehören, weil gerade hier die Reaktion auf einen globalen Aufschwung besonders schnell und kräftig kommt. Gleichzeitig bleibt die Schwäche der Binnenkonjunktur greifbar, sodass in Japan Verlierer und Gewinner unterscheidbar sind. So sieht es jedenfalls der Fidelity Fondsmanager June-Yon Kim und legt die Anlage in einem 130/30-Fonds nahe, der – begrenzt auf 30 % – über Leerverkäufe auch von fallenden Kursen profitieren kann. Fidelity hat mit dem FAST Japan Fund (LU0348530022) selbst so einen im Angebot. Aus unserer Sicht ist die auf Euro lautende Tranche interessanter, da der Yen wahrscheinlich mit der Krise sein Potenzial ausgereizt hat.

Wer lieber auf ein passives Instrument setzen will, sollte den ETF von Lyxor auf den APEX 50 Index in Erwägung ziehen, der auf den 50 wichtigsten Aktien der Region Asien-Pazifik beruht. Ebenfalls 50 Aktien der Region, aber handverlesen und aktiv gemanagt, kann man dagegen mit dem DWS Top 50 Asien (DE0009769760) ins Depot legen. Das Gewicht Asiens ist so gewachsen, dass diese Region in jedem Depot sichtbar vertreten sein sollte.

(Martin Klingsporn)


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