Growth-Fonds,nur ein Phänomen der 90er
oder Asset-Klasse mit Zukunft
In den 90er Jahren konnten mit wachstumsorientierten Fonds überdurchschnittliche Performanceergebnisse erzielt werden. Doch spätestens seit Ende des Jahres 2000 sind sie die höchsten Verlustebringer. Der Anlageprofi Thomas Kux zeigt auf, über welche Entscheidungen Berater jetzt nachdenken sollten.
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Heute werden sie von eben diesen zu verantwortungslosen Geldvernichtern abgestempelt. Insbesondere jene Fondsmanager und mit ihnen die Berater und Anleger, welche sich im Schwerpunkt dem Wachstumsansatz verschrieben haben, sind in den letzten Jahren durch ein tiefes Wechselbad der Gefühle gegangen. Aber auch die Fachpresse wäre froh, viele der in der Boomphase veröffentlichten Artikel niemals abgedruckt zu haben. Mitleid für die Fondsmanager wäre an dieser Stelle aus den unterschiedlichsten Gründen nicht angebracht. Wusste doch nahezu jeder von ihnen die entstandene Popularität bis weit in das Jahr 2000 hinein für sich, für die jeweilige Gesellschaft. Vielmehr sollten wir uns im Hinblick auf künftige Anlageentscheidungen mit der Frage befassen, ob die überdurchschnittliche Performance der Growth Fonds in den 90er Jahren nur als ein Phänomen dieser Zeit zu bezeichnen ist und damit als eigene Asset-Klasse ausgedient hat?
Eine Wachtumsaktie – was ist das?
Die Kriterien, die aus einer Aktie eine Wachstumsaktie machen, sind sehr vielschichtig. Falsch ist, dass es sich bei diesen Werten einzig und allein um Small oder maximal Mid-Caps handeln darf. Es muss sich eben falls nicht immer um junge AG ´s handeln. Ebenso ist es falsch, dass die Titelauswahl nur analog zu den typischen Wachstumssegmenten wie NASDAQ, Neuer Markt etc. zu erfolgen hat. Bereits hier sind häufig massive Probleme in der Zuordnung und der Definition zu beobachten. Das Management eines Wachstumsfonds sollte sich auf Titel von Unternehmen beschränken, die aufgrund ihrer Marktstellung, ihrer Produktinnovationen und/oder aufgrund ihres erfolgreichen Marketings und Managements ein überdurchschnittliches Wachstumspotential aufzuweisen haben. Darüber hinaus spielen Markt- und Konkurrenzumfeld sowie die Branche eine mitentscheidende Rolle. Wachstum kann in der Regel nur mit Re- bzw. Neuinvestitionen ein hergehen, was wiederum bedeutet, dass entstandene Gewinne ebenfalls hierfür Verwendung finden.
Demzufolge wird bei expansiv ausgerichteten Unternehmen vorhandenes Kapital oft nicht in Form von Sach- und Grundvermögen gebunden, große Teile des Cashbestandes stehen nur bis zur nächsten Investition und damit kurzfristig zur Verfügung. Bei diesen Reinvestitionen handelt es sich typischer weise um Investitionen wie Forschung und Entwicklung, um strategische Zukäufe, um die sinnvolle Erweiterung des Humankapitals oder um die Aufstockung des Marketing budgets etc. Von daher sollte es nicht verwundern, dass Unternehmen, die sich mittelfristig auf ein überdurchschnittliches Wachstum ausrichten, derzeit konjunkturanfälliger sind.
Growth-Fonds – eine Asset-Klasse mit Zukunft!
Die Frage, ob Sie auch künftig bei Ihren Anlageentscheidungen Growth-Fonds berücksichtigen sollen, ist aus meiner Sicht auf einen recht einfachen Nenner zu bringen. Wird es auch in Zukunft noch Unternehmen geben, die mit ihrer expansiven Ausrichtung zeitweilig ein überdurchschnittliches Wachstum im operativen Geschäft und in ihrem Aktienwert verzeichnen können? Wird es auch künftig Unternehmen geben, die inner halb ihres Geschäftsbereiches mit besonderen Produktinnovationen schneller wachsen als der Wettbewerber? Gibt es auch weiter hin Branchen, für die die Zeit einfach gekommen ist und die allein aufgrund ihrer Aktualität ein starkes Wachstum erwarten lassen? Wird allein die veränderte Altersstruktur der Weltbevölkerung ausgesuchten Unter nehmen ein Outperformen ermöglichen? Wenn Sie sich, so wie ich, auch nur einen Teil dieser Fragen deutlich it „Ja “ beantworten ,dann sollten Sie nicht weiter darüber nachdenken, ob Sie auch weiterhin für die Portefeuilles Ihrer Mandanten Wachstumswerte berück sichtigen. Setzen Sie sich in diesem Fall lieber intensiv mit der Fragestellung auseinander, welche der Growth-Fonds Sie im Interesse Ihrer Klienten berücksichtigen möchten. Um dabei nachhaltig eine sinnvolle Risikostreuung zu gewährleisten, spielt die Produktwahrheit und -klarheit eine immens wichtige Rolle.
Achten Sie darauf, inwieweit sich das Fondsmanagement an die eigenen Anlagegrundsätze hält und auch in schwierigen Zeiten nicht die Fahne in den Wind hängt. Verlassen Sie sich dabei niemals auf irgendwelche semiprofessionellen Fondsvergleiche, die je nach Marktlage mal einen Value- und mal einen Growth-Fonds in den siebten Anlegerhimmel heben.
Worauf haben wir uns einzustellen?
Sicherlich werden viele der überzeugten Growth-Manager aus den Erfahrungen der letzten Jahre ihre Lehren gezogen haben. Die durchschnittliche Haltedauer einzelner Werte innerhalb der Wachstumsfonds wird sich verringern. Gewinne werden zukünftig schneller realisiert und von weniger guten Werten wird man sich schneller trennen. Bei einer fundamentalen Verbesserung des all gemeinen Marktumfeldes sollte es Growth Fonds in den nächsten Quartalen möglich sein, überproportional zu wachsen. Dabei wird es Ihnen zweifelsohne zugute kommen, dass auch die verantwortlichen Manager potentieller Zielunternehmen gerade die letzten Monate dazu genutzt haben, ihre Hausaufgaben zu machen. Im Umgang mit dem Wort „Bodenbildung “wer den sämtliche Marktteilnehmer in Zukunft vorsichtiger umgehen –in diesem Kontext schlage ich den Begriff „Bodenbildung “zur Wahl des Unwortes des Jahres vor. Durch weg werden wir uns in Zukunft auf einen insgesamt volatileren Markt einzustellen haben. Auch das Fondsangebot wird schmäler statt breiter. Das gilt übrigens auch für die Beraterschaft. Auch hier wird der Allroundberater, der von Vielem nur ein Wenig, dafür aber von Nichts wirklich Viel versteht, gut daran tun, sich auf wenige Kernkompetenzen zu beschränken.
Schon die alten Römer sagten: „Restantum valet quantum vendi potest.“– Eine Sache ist immer nur soviel wert, wie ein Anderer bereit ist, dafür zu zahlen. Es liegt an Jedem von uns, dafür Sorge zu tragen, dass unseren Mandanten die Inanspruchnahme unserer Dienstleistung möglichst viel wert ist. Hierzu Ihnen allen eine glückliche und kompetente Hand.
(Thomas Kux)







