Erfolgreich auf europäischem Parkett
OVB weiter auf Wachstumskurs
Ein solches Event hatte die Köln-Arena bislang nicht erlebt – und OVB auch noch nicht. Am 10. und 11. September hatten sich 6.700 Mitarbeiter des Finanzdienstleisters für zwei Tage im Veranstaltungstempel der Domstadt nicht nur zum zünftigen Oktoberfest, sondern vor allem zum „Europatag“ versammelt, um eines zu demonstrieren: Ihr Unternehmen ist ein europäisches. Neben den 2.700 deutschen nahmen auch 4.000 Mitarbeiter aus den zwölf Landesgesellschaften teil – vom französischen Entzheim über Madrid bis Athen, von Zagreb über Prag bis Warschau. Zu den Rednern auf dem „Europatag“ gehörte auch Kölns Oberbürgermeister Norbert Schramma.
Royal Flush. Doch OVB-Vorstandschef Michael Frahnert und seine Hauptaktionäre Deutscher Ring, Signal Iduna und Volksfürsorge ließen sich nicht beirren. Geschickt spielten sie die europäische Karte – und zogen einen Royal Flush. Mit 21 Euro je Aktie konnte der Ausgabepreis allen Zweiflern zum Trotz in der oberen Hälfte der Bookbuilding-Spanne festgesetzt werden. Seitdem ist es vornehmlich nur bergauf gegangen. Aus gutem Grund. Erfolgreich wie kaum ein anderes Finanzunternehmen hierzulande agieren die Kölner mit ihrem Auslandsgeschäft. Bereits im zweiten Jahr hintereinander fällt es noch besser aus als der ohnehin schon hohe Umsatz im Heimatland.
Für die ersten sechs Monate dieses Jahres konnte das Unternehmen das beste Halbjahr seiner bis 1970 zurückreichenden Firmengeschichte melden. Die gesamten Provisionserträge stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 % auf 102,8 Mio. Euro. Das Ebit betrug 15 Mio. Euro (+ 65 %), das Ergebnis pro Aktie betrug 0,80 Euro und stieg damit um 48 %. Im zweiten Halbjahr machte der Provisionsumsatz aus den Landesgesellschaften 59 % am Gesamtgeschäft aus. Dies ist noch einmal eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr. Für das Gesamtjahr 2006 in den Landesgesellschaften hatte OVB-Chef Frahnert bereits anlässlich des Börsengangs die Messlatte hoch gelegt: „Wir gehen von einem zweistelligen Wachstum aus.“
Unterschiedliches Rentenniveau. Allein die Versorgungssituation der Menschen vor allem in den osteuropäischen Staaten spricht dafür, dass dieser Boom von Dauer ist. Eine Vielzahl von Studien zeigt deutlich die Unterschiede beim gesetzlichen Rentenniveau in den europäischen Ländern auf. In Deutschland beispielsweise stehen dem viel zitierten Eckrentner im Alter 53 % seines letzten Bruttoeinkommens zur Verfügung. Bis zum Jahr 2020 dürfte die Quote auf 46, zehn Jahre danach auf 43 % fallen. Zur Zeit bedeutet dieses für den Eckrentner genannte Rentenniveau eine Verfügbarkeit von 67 % seines letzten Nettoeinkommens. In Osteuropa ist es darum aber noch weit dramatischer bestellt. Dort pendeln die Zahlen für den Anteil der staatlichen Rente in Bezug auf das Nettoeinkommen zwischen 40 und 45 %. Frahnert ist auch überzeugt: „Allein schon die allgemeinen Marktperspektiven legen ein stetiges und berechenbares Wachstum des europäischen Finanzdienstleisters OVB nahe.“
Hinzu kommt eine gezielte Expansionsstrategie im osteuropäischen Raum. Wahrscheinlich schon im ersten Quartal des kommenden Jahres will die OVB Holding eine weitere Landesgesellschaft in der Ukraine mit Sitz in Kiew gründen. Die Vorbereitungen dafür sind weit gediehen. Und weitere Länder stehen auf dem Programm. Frahnert: „Denkbar sind auf jeden Fall Estland, Lettland und Litauen.“ Für den baltischen Raum gäbe es eine ähnlich hohe Präferenz wie für die Ukraine. Das aus dem Börsengang letztlich erwartete Kapital in Höhe von 64 Mio. Euro soll zu einem großen Teil für solche Neugründungen verwendet werden.
Dass die OVB schon lange kein nur deutsches Unternehmen mehr ist, wurde auf dem „Europatag“ nicht nur in den Redebeiträgen demonstriert. Auf einer angeschlossenen Messe waren vielmehr 23 Partnergesellschaften aus acht Ländern mit eigenen Ständen vertreten. Und die Speisekarte zum Oktoberfest enthielt Deftiges wie Kräftiges – in elf Sprachen.
FINANZWELT wird in den kommenden Monaten,Ausgaben die Länder: Schweiz, Tschechische Republik, Österreich, Slowakei, Kroatien, Ungarn, Griechenland, Polen, Spanien, Italien, Rumänien und Frankreich insbesondere im Hinblick auf die möglichen Chancen für deutsche Finanzdienstleister beleuchten. Besonderes Merkmal legen wir hierbei auf die Versorgungssituation, das Rentenniveau sowie die unterschiedliche Mentalität sowie die behördlichen Voraussetzungen.







