Gebühren
Performance statt Leistung?
© Foto: itestro - Fotolia.comDen deutschen Investmentfirmen scheint es wirtschaftlich ziemlich schlecht zu gehen. Darauf deuten jedenfalls die Methoden, mit denen sie sich Geld bei den Anlegern verschaffen, die Aktienfonds kaufen.
Knapp zwei Prozent (1,93 %) vom Inventarwert gehen mittlerweile allein für die laufenden Gebühren für die Verwaltung der aktiv gemanagten Aktienfonds drauf, was natürlich die den Anlegern zufließende Rendite schmälert. Das jedenfalls ergibt sich aus jüngst von der Analysefirma Lipper bereitgestellten Zahlen. Damit vereinnahmen die Fondsmanager erheblich mehr als die 0,15% bis 0,5 %, die für ein passives Instrument wie ETFs zu zahlen sind. Der aktiv gemanagte Fonds verlangt also mindestens das Vierfache der Kosten für einen ansonsten vergleichbaren ETF – obwohl die aktive Verwaltung in aller Regel keinen erkennbaren Mehrwert erzeugt. Die Mehrheit der aktiven Fondsmanager bleibt regelmäßig hinter der Benchmark zurück, und da, wo der Erfolg gelingt, handelt es sich eher um Zufallsprodukte. Wer als Fondsmanager mit „seinem Fonds“ ein Jahr ganz nach vorne kommt, landet in den Folgejahren unter „ferner liefen“. Unterm Strich erzielen die aktiven Fonds kaum je mehr als ihre jeweilige Benchmark. Wen wundert es da, dass die passiven ETFs auf längere Sicht die besseren Netto-Ergebnisse liefern?
In der Regel werden für die aktiven Fonds heute gleich drei verschiedene Positionen laufend berechnet: Da ist zunächst die traditionelle Verwaltungebühr, mit der ursprünglich mal alles abgedeckt sein sollte. Dann kam eine Zusatzgebühr hinzu, die in verschiedenen Häusern verschiedene Namen trägt. Bei der DWS steht sie etwa als „Service Gebühr“ in den Geschäftsbedingungen, bei Allianz Global Investors findet sich eine „Administrationsgebühr“. Die Ursachen für dieses Gebührenwachstum liegen im Vertrieb und spiegeln ein Stück deutscher Investmentgeschichte. Lange Zeit stützten sich die Investmentgesellschaften ausschließlich auf die Banken als Vertriebskanal, genauer gesagt: das Filialnetz der jeweiligen Muttergesellschaft. Von daher war die Welt klar geordnet: Die Sparkassen hatten ihre Deka, die Genobanken die Union und die Geschäftsbanken jeweils ihre eigene Tochter wie die DIT der Dresdner Bank, die DWS der Deutschen Bank oder die ADIG, die sich Commerzbank und Hypovereinsbank teilten.
Die Sache kam in Bewegung, als neue Wettbewerber aus dem Ausland antraten und damit für neuen Wettbewerb sorgten. Die hatten kein Filialnetz hinter sich und mussten sich daher in die etablierten Vertriebskapazitäten einkaufen. Die steigende Nachfrage machte den Vertrieb zu einem ansehnlichen Geschäftszweig. Aus Sicht der bereits etablierten Banken entstanden mit dem Verkauf fremder Fonds Ertragspotenziale, die weder zins- noch börsenabhängig waren. Die Provisionsgeschäfte stabilisierten die Erträge. Angesichts der Nachfrage nach Vertriebskapazität interessierten sich auch zunehmend die freien Vertriebe für dieses Geschäft und brachten die Fondsprospekte dem Kunden nach Hause. Der Schlusspunkt ist die offene Architektur, in der über jeden Vertriebskanal und jede Bank jeder Fonds gekauft werden kann. In dieser Hinsicht ist der Kunde König – auf eigene Kosten. Zum Ausgabeaufschlag und der Verwaltungsgebühr kam Servicepauschale oder -gebühr hinzu.
Anders als im Markt der Beteiligungen halten sich die Anbieter sehr bedeckt, wenn sie nach den Anteilen der heute verfügbaren Vertriebskanäle gefragt werden. Auskünfte gibt es nur vertraulich und nicht sonderlich exakt beziffert. Insofern ist auch nur schwer, ein Überblick über den Markt zu erhalten, sicher scheint jedoch, dass der freie Vertrieb mittlerweile eine wichtige Rolle für den Absatz praktisch aller Häuser spielt und wohl insgesamt mit einem Anteil von 25 bis 35 % des gesamten Absatzes von Anteilen an Investmentfonds eingeschätzt werden kann.
Die steigende Nachfrage nach Vertriebskapazitäten sorgte natürlich auch für steigende Provisionen für den Vertrieb. Daher waren die Fondsverwalter gezwungen, neue Einnahmen zu schaffen, um den Vertrieb entlohnen zu können. Der vorerst letzte Schritt der wundersamen Gebührenschöpfung ist eine erfolgsabhängige Komponente, die in den letzten beiden Jahren ebenfalls flächendeckend eingeführt wurde. Sie wird in aller Regel im Verhältnis zu einem als Benchmark dienenden Index gemessen. Die unangenehme Konsequenz daraus: Sie wird auch durch eine Verlust-Minimierung fällig. Die Anleger werden daher selbst dann zur Kasse gebeten, wenn der Fonds ohnehin im Verlust steht. Für diese Komponente gibt es (noch) viele individuelle Ausgestaltungen, eines hat sich aber durchgesetzt: In Rechnung gestellt wird den Anlegern ein prozentualer Anteil der so genannten Outperformance, also des Betrags, um den der Fonds besser abschnitt als der maßgebliche Index.
Üblich sind Größenordnungen von 20 bis 25 % des Überschusses über den Index. Diese Outperformance wird aber ironischerweise hauptsächlich dann halbwegs sicher erzielt, wenn der Fonds und der Index gleichzeitig in einem schwachen Börsenjahr ein ordentliches Minus hinlegen. Dann macht sich die unumgängliche Kassenhaltung im Fonds positiv als Puffer gegen den theoretisch ja immer als vollinvestiert unterstellten Index bemerkbar: Der Fondsmanager steht dann immer besser da als sein Index, wenn er den Index exakt abbildet – mit beispielweise 70 % oder 80 % des Fondsvermögens - und den Rest dann in der Kasse lässt. Das ist wohl die ärgerlichste aller denkbaren Konstellationen für Anleger, wenn sie dafür bezahlen sollen, dass sie mit Sicherheit Verlust machen. Indes steht auf Seiten der Fondsverwalter der Druck dahinter, Deckung für die Vertriebskosten zu finden. Immerhin ist es bemerkenswert, wie hier durch „Performance statt Leistung“ Deckungsbeiträge geschöpft werden. Allerdings gibt es auch erste Ansätze, diesem Übelstand abzusetzen, es kassieren nicht alle bei einer Outperformance im negativen Bereich.
Zumindest aus Sicht des Vertriebs werden diese guten Zeiten so schnell nicht vorübergehen: Wie bereits an anderer Stelle angesprochen, es planen offenbar weitere angelsächsische Anbieter auf den deutschen Markt zu kommen, Goldman Sachs ist nur eine (allerdings prominente) unter den Adressen. Damit aber bleibt die Nachfrage nach Vertriebskapazitäten hoch.
(Martin Klingsporn)







