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Private Pflegeversicherungen

Pflegepolice: Ach Nö!

Eine aktuelle Studie der Deutschen Bank macht es wieder einmal deutlich: Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich verdoppeln und mit ihr auch die Zahl der Menschen, die aufgrund des intensiven Pflegebedarfs in teueren Pflegeheimen untergebracht werden. Doch trotz dieser Kostenfalle: Zu wenige Bürger schützen sich mit einer sinnigen Pflegepolice!

Fakten. Fakten. Fakten. Die aktuellen Zahlen der Deutschen Bank sind verheerend. Laut Studie werden sich die Pflegefälle von derzeit 2 Millionen bis 2020 auf 2,5 bis 3 Millionen erhöhen. Bis 2050 erwarten die Experten sogar eine Verdoppelung auf bis zu 4,5 Millionen. Noch mehr Fakten gefällig? Nach Berechnungen der Pflegestudie wird sich die Zahl der über 85-Jährigen, also die Gruppe mit der höchsten Pflegewahrscheinlichkeit, bis zum Jahr 2050 um über 4 Millionen auf etwa 5,5 Millionen vergrößern. Der starke Anstieg der Pflegebedürftigen wird nahezu vollständig von dieser Gruppe getragen. Aber selbst innerhalb der hoch betagten Senioren gibt es ungünstige Entwicklungen für das Pflegesystem: So nimmt die Gruppe der über 90-Jährigen - mit einer Pflegequote von über 60 % - in dieser Zeit um 1,75 Millionen auf etwa 2,25 Millionen zu. Noch mehr tragisches Input? Auch pflegerische Herausforderungen bereiten Sorgen. Ein Beispiel: Während derzeit der Anteil der Pflegebedürftigen in der Altersgruppe 90- plus etwa 14 % beträgt (315.000 Personen), wird dieser Anteil bis 2050 auf fast 30 % steigen. Dann werden schätzungsweise 1,3 Millionen über 90-Jährige teils sehr hohe Pflegeleistungen erfordern. Der Versorgungsbedarf wird sich also nicht nur in quantitativer Hinsicht ändern, sondern auch in qualitativer Hinsicht. Und zudem schwinden die notwendigen Beitragszahler, um das ganze Umlagensystem Pflege zu „kitten".

Die im Rahmen der aktuellen Pflegereform vorgesehenen Erhöhungen der gesetzlichen Pflegeleistungen sind keinesfalls ausreichend. Sie ändern nichts an der Tatsache, dass die gesetzliche Pflegepflichtversicherung nur eine Grundversorgung ist, die zur Finanzierung der tatsächlichen Kosten bei weitem nicht reicht. Gleich ob Pflegerenten-, Pflegekosten- oder Pflegetagegeldversicherung: Formen der Absicherung gibt es viele (s. finanzwelt Ausgabe 04-2008). Entscheidend für die Qualität der Angebote ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. „Die Nachfrage nach professionellen Analyse- und Vergleichsprogrammen auch im Bereich Pflege nimmt zu. Gerade weil es kein einfaches, aber notwendiges Thema in der Kundenberatung darstellt", erklärt Matthias Brauch, Geschäftsführer von Softfair Handelsgesellschaft für Computer und Programme mbH. So gibt es in der Tarifwelt etliche Unterschiede. In Zusammenarbeit mit Softfair hat finanzwelt die Tarife für Frauen und Männer im Alter von 40 Jahren bei der Absicherungsform „Pflegetagegeld" ermittelt. Grundlage war zudem: Leistung ab Pflegestufe I sowie Kündigungsrechtsverzicht seitens des Versicherers. Ziel sollte es sein, mit der jeweiligen Police im Pflegefall die finanzielle Lücke zur gesetzlichen Pflegeversicherung schließen zu können.

Lösungen gibt es demnach. Dennoch erhält das Produkt noch nicht den Stellenwert im Vertrieb, wie es eigentlich sein müsste. Problematisch ist zum einen, dass sich die private Pflegezusatzversicherung in Konkurrenz mit anderen Vorsorgeformen befindet. Die Bevölkerung weiß inzwischen, dass private Altersvorsorge zwingend notwendig ist. Da dahingehend Produkte wie Riester- oder Basisrente auch noch steuerlich gefördert sind, nehmen diese beim Kunden einen höheren Stellenwert ein. Auch sind sich immer mehr Menschen darüber im Klaren, dass die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung langfristig nicht mehr für eine gute Versorgung ausreichen werden und sie ebenfalls privat vorsorgen müssen. Daneben gibt es noch die Bereiche Berufsunfähigkeit und Pflege, wobei das Thema Berufsunfähigkeit gewichtiger beim Kundengespräch ist. Schließlich steht der Kunde ja noch mitten im Leben und möchte zunächst seine Arbeitskraft abdecken.

„Berufsunfähigkeit und Pflege sind wichtig, haben jedoch eine geringere Priorität als die Vorsorge für das Alter und den Krankheitsfall", so Bernd Goletz, Leiter Unternehmenskommunikation von Die Continentale. Die Menschen gehen zwar davon aus, dass sie auf jeden Fall das Rentenalter erreichen, und auch davon, krank zu werden, sie rechnen aber nicht damit, pflegebedürftig zu werden. „Wir erkennen in der Beratung, dass Kunden für dieses Thema aufgeschlossener sind als vor einigen Jahren, aber noch immer keine klare Vorstellung haben, wie hoch der finanzielle Aufwand im Pflegefall tatsächlich sein kann und was für große finanzielle Lücken bestehen", erklärt Markus Reis, Produktmanager Krankenversicherung MÜNCHENER VEREIN Versicherungsgruppe. Und Wiltrud Pekarek, Mitglied des Vorstands der HALLESCHE Krankenversicherung, ergänzt: „Der Bedarf an einer privaten Krankenversicherung des Pflegerisikos ist vielen Menschen immer noch nicht bewusst. Hier ist der Vertrieb gefordert." Auch laut VOLKSWOHL Bund ist im Vertrieb das Thema „Pflegeproblem" noch nicht ausreichend präsent: „Aus diesem Grund haben wir einen hochwertigen Pflege- Film produziert, der neben zahlreichen Informationen rund um das Thema Pflege ein strukturiertes Verkaufsgespräch zeigt. So wird aus jedem Berater im Handumdrehen ein Pflege-Profi", erklärt Christian Schröder, Abteilungsleiter Produktmanagement Leben.

Das Thema „Vorsorgen für den Pflegefall" ist noch „ausbaufähig". Somit sollte das Produkt frühzeitig beim Kunden angesprochen werden, da Pflegetarife umso teurer werden, je älter der Interessent ist. Auch wenn kein Kunde sich gegen alles absichern kann und das Thema Pflege sicherlich keinen schönen Inhalt bietet, muss es beim Beratungsgespräch intensiv angesprochen werden.

(Marc Oehme)


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