Spätstarter von der britischen Insel sind marktführend
Policenfonds
Zu den Shooting Stars unter den Policenfonds avancierten in den Jahren 2004 und 2005 die USLebensversicherungsfonds. Doch sinkende Einkaufsrenditen haben die anfängliche Euphorie gestoppt.
Dass die US-Policenfonds nicht mehr die erste Geige spielen, hat zahlreiche Gründe. Für die erste „Delle“ im Absatz sorgte im Frühjahr 2004 der Beginn des Steuerstreits mit der Finanzverwaltung, die die vermögensverwaltend konzipierten Fonds gewerblich einstufte. Damals wurde der BVZL gegründet, um in der Auseinandersetzung mit dem Fiskus mit einer Stimme zu sprechen. Der Streit schwelt immer noch, die verschiedenen Finanzämter behandeln die US-Policenfonds nicht einheitlich. „In den Fällen, da die Finanzämter die Fonds Vermögensverwaltend veranlagt haben, sind geänderte Bescheide zu erwarten“, meint allerdings Steuerberater Jörg Weidinger von der Kanzlei Weidinger & Collegen. Denn die Finanzverwaltung will die Fonds gewerblich behandelt wissen.
Bei den neuen Fonds haben die Initiatoren aus Gründen der Rechtssicherheit von dem vermögensverwaltenden Konzept Abstand genommen. Zwei, unter ihnen die Dr. Peters Gruppe, haben auf eine Zertifikatelösung gesetzt, derzeit hat das Dortmunder Emissionshaus keinen US-Policenfonds im Angebot. „Sobald der Markt gute Rendite- chancen für Anleger bietet, werden wir aber einen neuen Fonds auflegen“, meint Christian- Oscar Geyer, geschäftsführender Gesellschafter des Emissionshauses der Dr. Peters Gruppe. „Das wird dann höchstwahrscheinlich erneut ein Zertifikate- Modell sein.“ Dieses ermöglicht steuerfreie Ausschüttungen.
Überwiegend wurde aber wie bei den Fonds von BAC und Real I.S. die gewerbliche Lösung mit einer Betriebsstätte in den USA gewählt. Auf diese Weise kommen die Anleger in den Genuss des Einkommensteuer- Freibetrags in den USA (2007: 3.400 Dollar oder 2.630 Euro). Ausschüttungen bis zu diesem Betrag bleiben in den USA steuerfrei, in Deutschland gilt aber der Progressionsvorbehalt.
Diskussion um Steuer und Rendite. Neben der Steuerdiskussion, auf die der traditionell sehr steuerorientierte deutsche Anleger offenbar besonders sensibel reagiert, kam auch die Rendite in die Diskussion. Hatten die ersten Fonds noch mit Einkaufsrenditen (auf Fondsebene) von 16 und mehr Prozent kalkuliert, sind heute rund 12 % realistisch. Aber auch damit können die Anleger wohl leben. „Aktuell kaufen wir zu Renditen zwischen 12,5 und 13,5 % ein – prognostiziert haben wir 12 %“, meint Andreas Heilbrock, Mitglied der Geschäftsleitung Real I.S. AG.
Schließlich erschütterten auch Skandale bei den Providern (die die Policen am US-Markt für die Fonds kaufen) das Anlegervertrauen. Vor allem aber geriet die Qualität der medizinischen Gutachten über die Lebenserwartung der Versicherten in die Kritik. Mittlerweile sind die Gutachten vorsichtiger und konservativer. Aber bei den älteren Fonds, als die Gutachter noch aggressiver schätzten, deutet sich an, dass die Versicherten länger leben als erwartet. Dadurch gerät die Rendite zweifach unter Druck: Der Fonds kassiert die Ablaufleistung später und muss länger Prämien zahlen.
Vergleich von britischen zu deutschen und US- Policen. „Die britischen Policen stehen, was das Chancen-Risiko-Profil anbelangt, zwischen den deutschen und den US-Policen“, erläutert Thomas Gerald Foth, Vorstand der Rothmann & Cie. AG. Sie bringen höhere Renditen als die deutschen, weil sie mehr auf Aktien setzen, aber etwas geringere als die USPolicen. Das Risiko der US-Policen ist am höchsten, weil es schwer ist, die Lebenserwartung der Versicherten exakt zu prognostizieren. Diese spielt für die deutschen und britischen Lebensversicherungen keine Rolle, weil die Ablaufleistung auch im Erlebensfall ausgezahlt wird.
Das Fondskonzept der Policenfonds ähnelt den US-Fonds, auch sie sind grundsätzlich gewerblich konzipiert, wobei die Mitgliedsfirmen des BVZL (alle außer MPC und Lloyd Fonds) mit einer Betriebstätte auf der britischen Insel arbeiten. Auf diese Weise kommen die Anleger in den Genuss des hohen Freibetrags von 5.035 Pfund (7.640 Euro). Erforderlich für die Anerkennung einer Betriebsstätte auf der britischen Insel ist, dass die Policen gehandelt werden. „Aus dem Handel mit Policen haben wir eine zusätzliche Rendite erzielt, erläutert Daniela Schulte, Vorstand der Ideenkapital Financial Engineering AG. Wenn die britischen Policenfonds trotz grundsätzlich geringerer Rendite höhere Gesamtmittelrückflüsse prognostizieren können als die US-Produkte, so liegt das an den längeren Laufzeiten (s. Tabelle) und an dem Leverageeffekt durch Einsatz von Fremdkapital.
Bei britischen und US-Policenfonds tragen Anleger ein Währungsrisiko, auch wenn die Fonds teilweise auf Euro lauten und der Anleger die Ausschüttungen in Euro erhält. „Diese Möglichkeit haben wir bei unserem Fonds geschaffen, weil viele Anleger nicht über ein Dollarkonto verfügen“, erläutert Franz-Philippe Przybyl, Vorstandsvorsitzender der BAC, Berlin Atlantic Capital AG, „und der Umtausch in Dollar mit nicht unerheblichen Kosten verbunden wäre.“ In der Regel ist damit aber keine Devisenkursabsicherung verknüpft.
Der Hauptunterschied der US-Policenfonds zu den britischen Policenfonds (wie auch zu den deutschen Pendants) liegt darin, dass es sich um eine eigene Assetklasse handelt, die völlig unabhängig von den Finanzmärkten, also Aktien- und Anleihebörsen ist. „Sie eignen sich besonders zur Diversifizierung im Sinne der Portfoliotheorie“, meint Andreas Graf von Rittberg, Geschäftsführer der BVT GmbH, First Mover im Segment US-Policenfonds.
(Dr. Leo Fischer)







