Unter Dach und Fach
Private Equity Fonds
Private Equity Fonds konnten von der allgemein positiven Entwicklung am Kapitalanlagemarkt profitieren und haben sich mit einem platzierten Eigenkapitalvolumen von 1,4 Milliarden Euro als eigene Assetklasse unter den geschlossenen Fonds durchgesetzt. Allerdings kommt eine jüngste Studie des Bundesverbandes...
Alternative Investments e.V. (BAI) zu dem Ergebnis, dass es wünschenswert wäre, wenn mehr Investoren Private Equity näher in Betracht ziehen würden. Die Ergebnisse der Fonds sprechen jedenfalls rückwirkend betrachtet für sich.309 Millionen Euro platziertes Kapital in 2005 – darüber können sich Norman Lemke und Horst Güdel als Vorstände der RWB AG natürlich freuen. „Wir sind überzeugt davon, bei dem sehr vorteilhaften Marktumfeld für Private Equity das sehr hohe Platzierungsvolumen halten zu können“, meint Horst Güdel. Er könnte Recht behalten, denn kaum eine andere Anlageklasse wird derzeit so hoch gehandelt wie seine. Zudem dürfte die so genannte „Heuschreckendebatte“ dazu geführt haben, dass Private Equity in Deutschland in der breiten Öffentlichkeit bekannt bzw. bekannter geworden ist. Und die Branche hat es nicht versäumt, ihr Tun als sinnvoll herauszustellen.
Private Equity als eigene Anlageklasse des Kapitalmarktes bedeutet Investitionen in die Finanzierung nicht börsennotierter Unternehmen. Aus diversen Gründen, wie zum Beispiel den neuen Anforderungen im Umfeld von Basel II, wegen der Globalisierungsbestrebungen, aber auch wegen Fragen der Unternehmensnachfolge wird diese Form der Finanzierung weiterhin an Bedeutung gewinnen.
Begrifflichkeiten. Wer sich zum ersten Mal mit Private Equity Fonds beschäftigt, wird über Begrifflichkeiten stolpern: So gibt es zum einen so genannte Mittelstandsfonds, die im Prinzip auch unter den Oberbegriff Private Equity fallen und direkt in Unternehmen investieren (siehe Übersicht und Rating in FINANZWELT 06/2005). Die anderen Anbieter (siehe Tabelle S. 48) investieren über einen deutschen KG-Fonds in internationale Dachfonds von Private Equity Gesellschaften wie Carlyle, Cinven, Apollo, Wellington und viele mehr. Über diese eine aussagefähige Übersicht zu bekommen ist insofern schwer, als Private Equity Unternehmen aufgrund ihrer Unternehmensausrichtung und Insidereinschätzungen lieber unerkannt arbeiten. Der Know-how-Vorsprung ist hier Grundlage des wirtschaftlichen Erfolgs. Lediglich HCI lässt Direktinvestitionen in Unternehmen und Beteiligungen an Dachfonds zu.
Erfolgsfaktoren für Private Equity Fonds. Allerdings hängen die Ergebnisse der Private Equity Fonds von mehreren elementaren Faktoren ab: Die Qualität der Fondsmanager im Hinblick auf die Auswahl der Fonds, die Diversifikation der einzelnen Beteiligungen sowie die Liquiditätssteuerung. Gerade was letzteren Punkt anbelangt, hängen die Renditen von Private Equity Fonds auch von allgemeinen Marktfaktoren, insbesondere der Entwicklung der Einstiegs- und Verkaufspreise ab. Auf der anderen Seite ist ein großer Nachteil von Unternehmensfinanzierungen der schwer einschätzbare Zeitrahmen der Bindung des Kapitals. Dies erschwert ein kontrolliertes Vorgehen vor dem Hintergrund, als die Verkaufspreise einerseits durch das Börsenklima und andererseits durch die Kaufbereitschaft größerer Unternehmen bestimmt werden. Private Equity Fonds warten meist günstige Ausstiegszeitpunkte für ihre Beteiligungen ab.
„Durch das Timing können sie somit Auswirkungen der Volatilität der Marktpreise auf die Fondsperformance mildern“, so die Studie des BAI – Bundesverband Alternative Investments e.V. Dr. Thomas Meyer und Dr. Michael Jean Gschrei fassen in ihrem Handbuch „Liquiditätsmanagement für Private Equity- und Venture Capital Dachfonds“ zusammen, dass „die Planung und Steuerung der Liquidität in einem Private Equity bzw. Venture Capital Dachfonds eine entscheidende Komponente der Gesamtperformance darstellt“ und „ein sorgfältig strukturierter und disziplinierter Liquiditätsmanagement-Prozess ein wichtiger Bestandteil der Investitionsstrategie ist.“ Diese Situation macht deutlich, dass es bei Private Equity Fonds um mehr geht als nur die Auswahl der richtigen Zielfonds. Beispielsweise spielt die Frage, wann rufen die Fonds Kapital bei ihren Anlegern ab, eine zunehmend wichtigere Rolle. Bei Private Equity Fonds ist ein Ratensparangebot daher durchaus wirtschaftlich sinnvoll.
Beachtliche Performancezahlen. Was die Vergangenheitsrendite anbelangt, so zeigen unterschiedliche Studien auf, dass bislang nur verlässliche Zahlen für die USA und Großbritannien vorliegen, in denen Private Equity schon eine Historie hat. Dennoch glaubt auch hierzulande der Großteil der institutionellen Investoren, dass Private Equity gute Zukunftsaussichten besitzt. Eine langfristige Untersuchung von Thomson Venture Economics in Kooperation mit der European Private Equity & Venture Capital Association (EVCA) unter 956 Private Equity Fonds kommt zu dem Ergebnis, dass diese zwischen 1980 und 2004 langfristig Renditen im Durchschnitt aller Marktsegmente von 9,5 Prozent pro Jahr gemäß IRR erzielten. „Diese liegen somit erheblich über der Wertentwicklung aller wichtigen Aktienmärkte“ – so die BAI-Studie. Das obere Viertel, das so genannte Top-Quartile, erreichte übrigens eine Performance von 23,3 Prozent pro Jahr. Diese Top-Quartiler zu finden, sollte sich ein professionelles Management zur Aufgabe machen.
Die dargestellten Ergebnisse machen aber auch eines deutlich: Das vermeintliche Risiko ist stark davon abhängig, wie diversifiziert ein Fonds investiert. Dabei sollte man auch die Kostensituation, die mit der Auswahl und dem doppelten Management verbunden ist, nicht aus den Augen verlieren. Da es sich bei Private Equity Fonds in der Regel um Blindpools handelt, ist eine zielgerichtete Bewertung der Fonds dabei zumeist beschwerlich. Ein umfängliches Rating der Fonds hat die Fachzeitschrift Venture Capital vorgenommen und eine Vielzahl von Fonds unterschiedlichsten Kriterien unterworfen. Die Sonderbeilage aus dem August 2005 ist lesenwert.
Zukunftsperspektiven. „Wir wollten mit unserer Studie das Interesse institutioneller Investoren wecken, da diese im Ausland eine wichtige Rolle bei Private
Equity Investitionen spielen. Das heißt aber nicht, dass unsere Ergebnisse nicht auch für Anlageberater und deren Kunden interessant sind“, meint Roland Brooks vom BAI. Betrachtet man einmal die Vorgehensweise bei der Auswahl möglicher Dachfonds, zeigen sich zwei unterschiedliche Wege: Anbieter wie Alcas (Allianz Private Equity Partners), BVT (CAM Private Equity Consulting & Verwaltungs-GmbH). HCI (Golding Capital), König & Cie (bmp AG), MPC (Global Vision AG), Nordcapital (Equitrust AG), Star Private Equity (Auda Private Equity) und SVF (Feri Institutional Advisors) setzen auf die in Klammern genannten Investmentmanager, während RWB ein eigenes Netzwerk aufgebaut hat. Allerdings gibt es auch noch einmal Unterschiede, wie die Beteiligungs- (und Abhängigkeits) Verhältnisse zwischen den Fondsinitiatoren und den Investmentmanagern sind.
Beispiel König & Cie. Wer Tobias König als Vorstandsvorsitzenden von König & Cie. kennt, weiß, dass der Mann mit Geld umgehen kann und in den letzten Jahren sein Unternehmen weit nach Vorne gebracht hat. Allerdings überwiegend mit Schiffsbeteiligungen. Bei seinem aktuellen Fonds König & Cie. International Private Equity GmbH & Co. KG setzt er daher mit bmp auf einen erfahrenen Partner, der sich um die Auswahl der jeweils besten Dachfonds kümmert. Das Konzept des Fonds besteht dabei in dem Ansatz, in fünf bis zwölf Zielfonds zu investieren, die wiederum in 10 bis 20 Unternehmen investiert sind – also insgesamt in über 200 Unternehmen. Dabei zeichnet sich der Fonds dadurch aus, dass er bereits vier Investitionen (Carlyle, Wellington, OAK Hill Capital Partners und Francisco Partners) in Dachfonds getätigt hat, die jeweils zum Top Quartile ihres Segmentes zählen. Über seine Einschätzung zu den Chancen des Produktes und den weiteren Perspektiven befragte ihn FINANZWELT in einem Interview.
BAI veröffentlicht Private Equity Studie
Der Bonner Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI) stellt ab sofort seine neue Informationsbroschüre „Private Equity als alternative Anlageklasse für institutionelle Investoren“ kostenlos zur Verfügung. Die Studie bietet auch wichtige Informationen für Anlageberater. Der BAI, als Verband seit 1997 auf die Förderung von Alternative Investments spezialisiert, möchte mit dieser Arbeit dazu beitragen, dass die alternative Anlageklasse Private Equity insbesondere bei institutionellen Investoren mehr Beachtung findet. Die Studie kann kostenlos unter info@bvai.de bezogen werden.







