Hauptnavigation & Suche:

Unternavigation:


Zurück zur Übersicht

Lupenreine Mittelstandsfonds sind Mangelware

Private Equity

Trotz vieler Lippenbekenntnisse für den Mittelstand gab es bislang kaum ausgesprochene Mittelstandfonds. Jetzt können sich Anleger erstmals an einem Private Equity Dachfonds beteiligen, der ausschließlich in mittelständische Firmen investiert.

„Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft. In Deutschland sind mehr als 99 % aller Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen“, heißt es im Mittelstandsmonitor der KfW. Mittelständler produzieren knapp die Hälfte der Bruttowertschöpfung des Unternehmenssektors. Zwei Drittel der Beschäftigten verdienen ihren Lebensunterhalt bei mittelständischen Firmen, und rund zwei Drittel aller Azubis erhalten dort ihre Ausbildung.

Allerdings, trotz aller Bekenntnisse zur Bedeutung des Mittelstands, findet man unter den Private Equity Dachfonds bislang keinen reinen Mittelstandsfonds. Zwar ist viel davon die Rede, aber meist handelt es sich um Lippenbekenntnisse. „Generell sollte man sich nicht von den Werbeaussagen von Private Equity Gesellschaften blenden lassen, die sehr gerne verkünden, dass sie in den deutschen Mittelstand investieren“, meint Prof. Dr. Michael H. Grote in einem Beitrag „Private Equity im Mittelstand – Mythos und Realität“ (Working Paper Series: Finance & Accounting der Universität Frankfurt). Grote hat den Lehrstuhl für Corporate Finance an der Frankfurt School of Finance and Management inne.

Jetzt ist mit dem „Zukunft Mittelstand“ zum ersten Mal ein geschlossener Private Equity Dachfonds auf dem Markt, der ausschließlich in den deutschen Mittelstand investieren will. Allerdings sind auch Investitionen in Österreich und der Schweiz möglich. „Der Fonds investiert in die mittelständischen Firmen des deutschsprachigen Raums“, erklärt Christian Harreiner, Geschäftsführer des Initiators DBM Fonds Invest. Investiert wird in reinrassige mittelständische Firmen. Insgesamt soll das Portfolio aus 20 bis 25 Unternehmenmit einem Umsatz von bis zu 250 Mio. Euro jährlich bestehen. Bis zu zehn Zielfonds sind vorgesehen, mindestens sollen es aber zwei sein. Einer, der Buchanan Unternehmer-Fonds I, wurde bereits gezeichnet. Vorfinanziert wurde dies von der ABN Amro Bank N.V. Jersey Centre. Dieser Zielfonds hält bereits Beteiligungen beimYachtbauer Dehler und dem Spezialkurierdienst time:matters.

Dem DBM-Produkt am nächsten in der Fokussierung auf den Mittelstand kommt der LHI Fonds II Europäischer Mittelstand. Der Fonds investiert aber über Zielfonds in Unternehmen bis zu 500 Mio. Euro. Der geographische Schwerpunkt soll auch bei diesem Fonds im deutschsprachigen Raum liegen, nach den Autokennzeichen als D-ACH-Region bezeichnet (Deutschland, Österreich, Schweiz). Fondsmanager ist die 1999 gegründete Access Capital Partner S. A., Paris, die sich auf mittelständische Unternehmen spezialisiert hat.

Unterschiedlich ist das steuerliche Konzept. Während der Fonds Zukunft Mittelstand traditionell als vermögensverwaltend konzipiert ist und damit unter die Abgeltungssteuer fällt, beteiligt LHI die Anleger an dem vermögensverwaltenden Fonds über Genussscheine. So bleiben die Gewinne steuerfrei, weil die Genussscheine vor dem 31.12.2008 erworben werden.

Dass es so wenige Private Equity Dachfonds mit dem Fokus Mittelstand gibt, hat mit der traditionellen Fremdfinanzierung in Deutschland durch die Kreditbanken zu tun. „In Deutschland lernen die Geschäftsführer im Mittelstand gerade erst, Private Equity für ihr Unternehmen zu nutzen“, meint Olivier Palasi, der Fondsmanager des DBM-Fonds. Einen neuen Schub dürfte die in vielen Firmen anstehende Nachfolgeregelung bringen. „Zwischen 2005 und 2009 ist schätzungsweise jedes sechste Familienunternehmen in Deutschland von der Regelung der Nachfolge betroffen“, heißt es im Mittelstandsmonitor.

Private Equity ist durch die Subprimekrise etwas in die negativen Schlagzeilen geraten. Die Banken sind sehr viel kritischer bei der Finanzierung von Unternehmen geworden und zahlreiche Private Equity Mega-Deals platzten. Mittelstandsfonds sind indes weniger vom Fremdkapital abhängig.

Die Dachfonds selbst arbeiten ohne Fremdkapital, Bankkredite werden aber von den Zielfonds auf Ebene der erworbenen Unternehmen aufgenommen. „Diemittelständischen Zielfonds arbeiten auf Ebene der Portfoliounternehmen mit einem deutlich höheren Eigenkapital-Einsatz als die großen mehr auf financial leverage fokussierten Buyout-Fonds“, erläutert LHI-Projektleiter Ingo Gehrung. Die typischen Mittelstandsfonds sind nur zu maximal 60 % durch Kredite finanziert, während die großen Buyout-Fonds bis zu drei Viertel Fremdkapital einsetzen.

Überwiegend sind es die direkt anlegenden Private Equity Fonds, die bislang gezielt in den deutschen oder deutschsprachigen Mittelstand investieren wie die MIG-Fonds. „Die Versalien stehen auch für Made in Germany“, meint Alfred Wieder, der Spiritus Rector und Inhaber der Vertriebsfirma Alfred Wieder AG, der gern darauf hinweist, dass das von ihm eingesammelte Kapital die deutsche Wirtschaft stärkt. Bei den direkt anlegenden Fonds verzichtet der Anleger indes auf die starke Risikostreuung, die das Dachfondskonzept ermöglicht. „In bis zu 200 Unternehmensbeteiligungen investiert der typische Private Equity Dachfonds“, meint Robert List, Geschäftsführer der BVT, einem der Marktführer bei Private Equity Dachfonds.

Allerdings kann die starke Diversifikation auch zu Lasten des Renditepotenzials gehen, wie Stefan Löwer von der Cash.medien AG auf dem 5. Exekutivforum „Initiatoren treffen Journalisten“ aufzeigte. Für die Direktfonds errechnet er bei 10 Jahren Laufzeit eine Gesamtkostenquote von 32,8 %, für Dachfonds – einschließlich geschätzter Kosten der Zielfonds – von 45 bis 50 % des Eigenkapitals inklusive Agio. Um dem Anleger auf Dachfondsebene eine Rendite von 10 % (interne Zinsfußmethode) zu bringen, müssen die Zielfonds auf Basis einer modellhaften Berechnung eine Rendite von 16,0 % erzielen. „Das ist mehr, als der europäische Dachverband EVCA im langfristigen Durchschnitt an Performance ermittelt hat“, meint Löwer.

Seine Mahnung an die Initiatoren und Vermittler: „Keine übertriebenen Erwartungen wecken.“ Das tun die Private Equity Fonds im Allgemeinen und die Mittelstandsfonds im Besonderen nicht. Aber selbst um die angestrebten 10 % zu erreichen, ist eine überdurchschnittliche Managementleistung notwendig.

(Dr. Leo Fischer)


Zusatz-Informationen:

Aktuelle Ausgabe

Aktuelle Ausgabe

finanzwelt für unterwegs: Die neue finanzwelt-App bringt Ihnen die wichtigsten News des Tages auf Ihr Handy.

finanzwelt-App

finanzwelt.tv

Film: Alle Filme ansehen

Abo-Bestellung

Bestellen Sie die nächste Ausgabe der finanzwelt.

Jetzt abonnieren

Newsletter

Abonnieren Sie ab jetzt unseren kostenlosen finanzwelt-Newsletter.

Newsletter abonnieren

Fußzeile: