Beitragsstabilität und aktuelle Trends
Private Krankenversicherungen (PKV)
Die Analysten von MORGEN & MORGEN haben die Stabilität der PKV-Tarifkombinationen für das M&M Beitragsstabilitäts-Rating erneut unter die Lupe genommen sowie Trends am Markt der Privaten Krankenversicherungen analysiert.
Das Angebot an Tarifkombinationen ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und damit auch der Anspruch an den Makler in Bezug auf Informationstiefe und -breite. Die meisten Endkunden sind sich schließlich nicht bewusst, auf welche Eigenschaften geachtet werden muss und welche individuellen Forderungen sie an ihre PKV stellen sollen. Entscheidend ist vor allem die Leistungsfähigkeit eines Tarifes, also die Ausgestaltung des Bedingungswerkes, das genau den individuellen Bedarf decken sollte. Darüber hinaus spielt auch die bilanzielle und finanzielle Situation des jeweiligen Versicherers eine Rolle. Wichtig für den Geldbeutel und die Zufriedenheit des Versicherungsnehmers ist zudem die Stabilität des Beitrags über die Jahre hinweg.Das M&M Beitragsstabilitäts-Rating zeigt hierzu erneut die aktuellen Auswirkungen der unterschiedlichen Kalkulations- und Anpassungspolitiken der einzelnen Versicherungsgesellschaften: So passte beispielsweise eine Gesellschaft ihre Tarife in den letzten 10 Jahren im Durchschnitt um 1.106 Euro an, während eine andere um satte 3.501 Euro erhöhte. Die meisten siedeln sich allerdings im Mittelfeld an und steigerten ihre PKV-Tarife im Durchschnitt der letzten 10 Jahre um etwa 4,6 %.
Die PKV-Tarifkombinationen in der MORGEN & MORGEN Analyse. Das M&M Beitragsstabilitäts-Rating gibt eine Antwort auf die Frage: Wie stabil sind die PKV-Beiträge im Marktvergleich?
Hierzu werden die Beitragsanpassungen analysiert, marktweit verglichen und zu einer Bewertung pro Tarifkombination aggregiert. Für die Bewertung sind drei Indikatoren für den Betrachtungszeitraum von 10 Jahren besonders wichtig: die relative durchschnittliche Beitragssteigerung in Prozent sowie absolut in Euro und die Streuung der Anpassungshöhe über die Jahre verteilt. Eine stetige, aber geringe Steigerung zeichnet hierbei die Top-Tarife mit fünf Sternen aus. Seit letztem Jahr können Makler mit der Analyse- und Vergleichssoftware KVWIN für ihre Kunden Tarife nicht nur nach individuellen Leistungsmerkmalen, sondern auch nach ihrer Beitragsstabilität filtern. Natürlich lässt sich die Beitragsstabilität aus der Vergangenheit nicht ohne weiteres in die Zukunft extrapolieren, dennoch liegt hiermit ein relevanter Indikator für dieses wichtige Thema im Rahmen der PKV vor.
Aktuelle Trends am PKV-Markt. Nicht nur der stabile Beitrag ist wichtig, sondern vor allem auch die Berücksichtigung der vielen neu aufkommenden Variationen der Tarife. Mit zunehmender Variabilität und Modularität der PKV-Tarife öffnet sich schließlich auch die Preis- sowie die Leistungsschere der Tarifkombinationen immer weiter. KV-WIN, das Analyseprogramm von MORGEN & MORGEN, zeigt beispielsweise bei einem Zahnzusatztarif Preise von 1,32 Euro bis 20,72 Euro. Auch die Leistungen unterscheiden sich teils stark: von 15 bis 100 % Festzuschuss oder bis zu 80 % Erstattung der privatärztlichen Leistung. Damit werden eine genaue Bedarfsanalyse sowie Bedingungs- und Preisvergleiche mit anschließender Dokumentation immer wichtiger, um den genau passenden Tarif für den einzelnen Kunden zu finden und dies auch belegen zu können. Die Versicherer entdecken neue Zielgruppen, wie beispielsweise den ehemals „vernachlässigten“ Seniorenmarkt, für sich. KV-WIN zeigt momentan 118 Ergänzungstarifvarianten für einen 40-jährigen Mann. Ist das Eintrittsalter auf 75 gesetzt, sind es immerhin noch 24 Tarife. Diese Tarif-Auswahl wäre bis vor kurzem noch wesentlich geringer gewesen.
Das Antragsprocedere wird zunehmend vereinfacht und neue Kommunikationsmaßnahmen werden gestartet. So gibt es vor allem bei Zusatzpolicen vermehrt unkomplizierte Anträge, die schnell auszufüllen sind und meist sogar auf eine Seite passen. Oft wird nur noch auf die Ausschlussklausel hingewiesen, echte „Gesundheitsfragen" entfallen. Die angenehme Konsequenz für Kunden und Vermittler: Eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung ist hierbei nicht möglich. Inzwischen sind auch Prospekt-Anträge in Form von Werbeprospekten zu finden. Einfach und schnell ist hier die Devise. Aus Sicht der Risikoprüfung und des Bestandsschutzes sind solche „Vereinfachungen" jedoch eher kritisch zu beurteilen. Aktives Kostenmanagement wird nicht nur befürwortet, sondern gelebt: 13 % der PKV-Tarife garantieren mittlerweile Beitragsrückerstattungen, 20 % haben das Primärarzt- bzw. Hausarztprinzip weitere 20 % der Tarife verzichten auf die Anrechnung der Beitragsrückerstattung auf die Vorsorge und ca. 18 % zahlen einen Bonus für eigenverantwortliche Prophylaxe. Die ersten Versicherer beginnen bereits damit, ihre Produktpalette zu bereinigen und sich von unrentablen Tarifen zu trennen.
Fazit: Der Trend im PKV-Markt geht eindeutig in Richtung „intelligentere“ Tarife mit mehr Eigenverantwortung und Variabilität. Die aktuellen Entwicklungen in der PKV-Tariflandschaft fordern die Sensibilität der Makler und Vermittler für neue Produkte heraus. Momentan ist noch eine abwartende Zurückhaltung zu beobachten, sicherlich auch im Hinblick auf Haftungsbedenken. Doch die Dynamik, mit der sich der PKV-Markt differenziert, verlangt nach kompetenten, marktumfassend informierten und bedarfsgerecht beratenden Maklern.
(Joachim Geiberger)







