Notwendig „JA“, Nachfrage „Jein“
Private Pflegepolicen
Gleich welche aktuellen Studien man sich zu Gemüte führt, die Zahlen und die damit verbundenen Auswirkungen sind alarmierend. Durch die erfreu licherweise ständig steigende Lebenserwartung erhöht sich auch die Anzahl der Pflegebedürftigen gravierend. So prognostiziert das Bremer Institut für Gesundheits- und Pflegeökonomie (IGP) für das Jahr 2050 circa 4,7 Mio. Pflegebedürftige – mehr als doppelt soviel wie heute! Private Pflegepolicen werden damit zu einem unumgänglichen Produkt. Dennoch ist die Nachfrage noch recht zurückhaltend.
Allianz Pflegeindex 2007 bringt es ans Licht. TNS Emnid hat im Auftrag der PKV der Allianz im Mai dieses Jahres in Deutschland in einer telefonischen Umfrage 4.000 Menschen über 14 Jahre über die mit dem Alter verbundenen Ängste und die getroffene Vorsorge befragt: 75 % sorgen sich, dass sie einmal nicht mehr alleine auf die Toilette gehen können und ihnen bei der Körperpflege geholfen werden muss, 69 % haben Angst vor dauerhafter Bettlägerigkeit un d 60 % vor geistiger Verwirrung. Was die Hilfe bei etwaiger Pflegebedürftigkeit anbelangt, so hielten es 82 % für sehr bis eher wahrscheinlich, dass sie den ambulanten Pflegedienst benötigen, während es sogar 57 % für sehr oder eher wahrscheinlich hielten, dass sie einer Betreuung im Pflegeheim bedürfen.Was bedeutet dies im Klartext? Zunächst einmal – abgesehen von den sozialen und menschlichen Problemen – eine hohe finanzielle Versorgungslücke für den Pflegebedürftigen, denn gleich in welche gesetzliche Pflegestufe er vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse (MDK) „eingruppiert“ wird, und gleich ob er daheim oder vollstationär im Pflegeheim untergebracht ist, rein monetär gesehen klafft zwischen der finanziellen Unterstützung durch die Pflegekasse und den tatsächlichen Pflegekosten eine voluminöse Lücke – durchschnittlich gehen die Experten bei einem im Pflegeheim untergebrachten Bedürftigen von über 1.500 Euro aus. Und dies Monat für Monat, Jahr für Jahr. Denn: Wer bereits heute schwerst pflegebedürftig und somit in der höchsten Pflegestufe III ist, kann durch die gute medizinische Versorgung bzw. Pflege auf eine Lebenserwartung von im Durchschnitt 5 bis 7 Jahren blicken. Aktuell entsteht somit im letzten Abschnitt des Lebens eine Versorgungslücke von circa 126.000 Euro. „Allein aus Haftungsgründen im Zuge der EU-Vermittlerrichtline sollte jeder Vermittler das Pflegefall- Risiko ansprechen – für den Betroffenen selbst als auch für die Angehörigen. Für die Familie und die Angehörigen sehen wir die Absicherung des Pflegefalls sozusagen als Erbenschutzprogramm. Nebenbei gesagt, jeder Vermittler erhält für seine Beratertätigkeit von uns auch die volle Provision“, so Dr. Rainer Reitzler, Vorstandsvorsitzender Münchener Verein Versicherungsgruppe.
Abhilfe leisten somit Pflegerenten-, Pflegetagegeld- oder Pflegekostenversicherung (s. hier Artikel „Wenn Pflegefall zur Kostenfalle wird“, FINANZWELT 05/2006). Dennoch wurden bis dato erst ca.1 Mio. private Pflegeversicherungen abgeschlossen. Doch weshalb laufen die Pflegepolicen eher schleppend? „Eine Rolle spielt hier mit Sicherheit, dass eine private Pflegerente im Vergleich zum Pflegetagegeld teurer ist. Zum anderen sind die Produkte für die Zielgruppe 50Plus noch nicht optimal aufbereitet. Erschwerend ist auch die Tatsache, dass es am deutschen Markt noch kaum private Pflegeversicherungen ohne Gesundheitsprüfung gibt. Mit MV-Vital haben wir auf die Mini-Pflegereform geantwortet und unserer Verantwortung Rechnung getragen“, so Reitzler weiter.
Die Anbieter reagieren derzeit auf eventuelle Schwächen ihrer Pflegepolicen und machen sie „zielgruppentauglich“. Das Angebot stimmt also, nur muss der Berater seine Kunden aufklären, um auch der Vermittlerrichtlinie Rechnung zu tragen.
(MARC OEHME)







