Justitia zeichnet Juragent
Prozessfinanzierung als Dienstleistung und Anlageform
In Deutschland und Europa summiert sich der Streitwert aus nicht realisierten Forderungen und Ansprüchen Jahr für Jahr auf mehrere Milliarden Euro. Tausende Verfahren finden nicht statt, weil den potentiellen Klägern das Geld fehlt oder weil sie das Prozesskosten-Risiko nicht eingehen wollen. FINANZWELT sprach mit Mirko Heinen, Vorstand der Juragent AG, einem Prozessfinanzierer.
FINANZWELT: Vielleicht kennen Sie unsere grundsätzlich kritische Einstellung zu Prozessfinanzierern, da wir den Eindruck haben, dass viele Anwälte beim „Mandantenfang“ nur deshalb so erfolgreich sind, weil sie mit kostenlosen Prozessen winken. Es werden so viele Kleinanleger in vermeintliche Sammelprozesse, die in Deutschland gar nicht zugelassen sind, gedrängt, ohne dass hier Aussicht auf Erfolg besteht.Heinen: Mit einer derartigen Vorgehensweise haben wir nichts zu tun. Das sehen Sie schon daran, dass unsere Streitwertvolumina ab 500.000 Euro im Einzelfall beginnen. Es geht uns aber schon darum, Anlegern berechtigte Ansprüche gegen kapitalstarke Marktteilnehmer zu ermöglichen.
FINANZWELT: Was heißt dies im Einzelfall?
Heinen: Da unsere Gesellschaft grundsätzlich nur die Prozesse finanziert, die nach vorausgegangener Bewertung überwiegend positive Erfolgsaussichten zulassen, muss also der Erfolg einer etwaigen Klage hinsichtlich Rechts und Beweislast sehr wahrscheinlich sein. Immerhin trägt Juragent auch die Kosten bei einer Niederlage vor Gericht – und das gilt in diesem Fall ebenso für die Aufwendungen der Gegenseite. Deshalb prüft Juragent unter Hinzunahme aller relevanten Unterlagen nebst der unumgänglichen Klageschrift in der Regel mehrfach Inhouse mit erfahrenen Juristen, zumeist Richtern a. D., und anschließend zur zusätzlichen Absicherung extern über zumeist ausgewiesene Spezialisten des jeweiligen juristischen Fachbereichs des entsprechenden Anspruchs.
FINANZWELT: Das klingt nach hohen Aufwendungen, rentiert sich das?
Heinen: In absehbarer Zeit, eindeutig ja! Zunächst einmal hat sich unser Prüfungsprozedere, auch hinsichtlich der Kalkulierbarkeit, sehr positiv entwickelt. Da wir über bis zu vier Juragent Instanzen die Aussichten einer etwaig zu finanzierenden Klage prüfen, gehen wir davon aus, dauerhaft eine Erfolgsquote von etwa 70% gemessen am Streitwert erreichen zu können. Ein Anspruch übrigens, den jede namhafte Rechtsanwaltskanzlei an sich selbst stellt. Müssten wir nicht erst die Investitionskosten der ersten drei Jahre amortisieren, würde schon eine Erfolgsquote von rund 40% ausreichen, um Schwarze Zahlen zu schreiben. Sie können sich also die über kurz oder lang zu erwartende attraktive Rendite sicher vorstellen. Berücksichtigt man dies, so sind die Aufwendungen in der Vorprüfung sinnvoll und berechtigt. Für Menschen, die sich an uns wenden, ergibt sich schließlich folgende Situation: Zum Einen wird die Wahrscheinlichkeit, den eigenen Prozess zu gewinnen, noch einmal mehrfach unter die Lupe genommen, was zusätzliche Sicherheit bedeutet. Zum Anderen wird das immer vorhandene Prozesskostenrisiko aufgeteilt. Der Mandant erhält also die Möglichkeit, gegen eine moderate Beteiligung – wir sprechen von 20 bis 30% des Prozesserlöses – eine Klagesumme zu erstreiten, ohne selbst finanziell in Vorleistung gehen zu müssen.
FINANZWELT: Es besteht derzeit die Möglichkeit, sich in unterschiedlicher Form an Ihren Dienstleistungen zu beteiligen: Zum Einen in Form einer Aktienbeteiligung, zum Anderen haben Sie zudem einen Fonds aufgelegt. Warum diese Diversifizierung?
Heinen: Die Prozessfinanzierungen von AG und Fonds greifen in unterschiedlichen Marktsegmenten. Während also die Juragent AG, wie schon erwähnt, ab 500.000 Euro Streitwert finanziert, setzt diese Dienstleistung über den Fonds erst ab 3 Mio. Euro Streitwert ein. Bei Letzterem geht es also eher um Industrieprozesse, Prozesse mit sehr hohen Forderungswerten, was sich freilich auf die Gewinne der Kommanditisten auswirken sollte. Immerhin rechnen wir beim Fonds mit Renditen von 10,7 bis 17% p.a., inklusive des Garantiezinses, der 6% p.a. beträgt. Beide Gesellschaften, die Juragent AG und die Erste Juragent GmbH & Co. Prozesskostenfonds KG, müssen natürlich weiterhin bzw. hinsichtlich des Fonds zunächst einmal finanziell in der Lage sein, die Prozesskosten – trotz hervorragender Gewinnaussichten – über eine nicht genau einzuschätzende Verfahrendauer vorzufinanzieren. Bei kumulierten Streitwerten im Hundert-Millionen-Bereich ist dies naturgemäß sehr kapitalintensiv. Es gilt also, die Kapitaldecken zu stärken, Expansion zu ermöglichen und etwas für die Risikoabsicherung zu tun. Die Fondszeichner und unsere 3.500 Aktionäre sollen zufrieden, nicht zuletzt durch den angestrebten Börsengang, sein.
FINANZWELT: Derzeit sieht es bei einigen Mitbewerbern nicht gar so rosig aus. Was veranlasst Sie zu glauben, dass Sie aufgrund einer erfolgreichen Performance in den nächsten ein bis zwei Jahren an die Börse gehen können?
Heinen: Bei Prozessfinanzierern ist es wie bei anderen Anbietern von Dienstleistungen: Die Qualität der Leistung und die Durchsetzbarkeit machen den Erfolg aus. Vor diesem Hintergrund sind wir sicher, dass wir hier mittelfristig eine herausragende Rolle als Prozessfinanzierer ausfüllen und das bisherige Tempo der Gesellschaft unterstreicht dieses Vorhaben noch.







