Gute Perfomance – relativ
Ranking der 10 größten Fonds auf dem deutschen Markt
Ein Blick auf die Bewertung der 10 größten am deutschen Markt angebotenen Fonds zeigt, dass sich nicht viel geändert hat an den von der Reuters-Tochter Lippers gelieferten Einschätzungen: Nur zwei der zehn stammen überhaupt vom deutschen Markt, die meisten erzielen ihr Volumen vornehmlich jenseits der Grenzen. Bei der Bewertung schneidet die DWS mit einer 2 – ordentlich aber nicht berauschend – ab und der AriDeka steht ganz unten.
Ein Blick auf die ausgewiesene Performance über fünf Jahre könnte allerdings irritieren: Ausgerechnet der an dieser Zahl gemessen schwächste Fonds (Pioneer Fund A) marschiert in der Bewertung vorne weg. Indes ist er als einziger auf Nordamerika konzentrierter Fonds mit den anderen nicht vergleichbar. Er gehört aber in allen vier geprüften Kriterien (siehe Tabelle) zu den jeweils besten 20 Prozent seiner Vergleichsgruppe und ist von daher relativ der beste der erfassten Fonds. Die Bewertung ist immer nur innerhalb einer Kategorie vergleichbar. Und nur in diesem Vergleich der Positionen relativ zu jeweiligen Vergleichsgruppe schneidet dieser Fonds gut ab. Die praktische Nutzanwendung heißt daher: Wer immer eine Nordamerika-Komponente für ein Portfolio braucht, ist mit diesem Fonds sicher gut bedient. Allerdings muss man ja nicht die Nordamerika-Komponente stärken.Schaut man auf die anderen Kategorien, dann haben die Europäer am besten abgeschnitten: Selbst der relativ schwächste (AriDeka) hat mit klar über 50 Prozent immer noch mehr abgeliefert als alle erfassten Fonds mit weltweit gestreuten Anlagen, die in den letzten drei Jahren Ergebnisse zwischen 40 und 45 Prozent vorzuweisen haben. Der absolute High-Flyer des Vergleichs kommt denn auch aus der Europa-Gruppe, der JPMorgan Europe Strategic Value mit einem Wertzuwachs von fast 90 Prozent in drei Jahren.
Glaubt man einer jüngst durchgeführten Befragungsstudie aus dem Hause Lipper, die auf den Antworten der Asset-Manager deutscher Anlagegesellschaften beruht, dürfte dieses Muster auch vorläufig erhalten bleiben: Die Titel vor allem aus der Eurozone werden nach wie vor gut bewertet und sind entsprechend zur jeweiligen Benchmark in der Regel übergewichtet. Zudem will keiner der Portfolio-Manager den Anteil der Eurozone herunterfahren, während 20 Prozent sogar eine Aufstockung für die kommenden drei Monate ins Auge gefasst haben.
Im Hinblick auf den japanischen Markt ist ein kleiner Widerspruch im Sentiment der Verwalter zu vermuten: Diese Position wird aktuell neutral, also entsprechend der Benchmark gehalten und wird mehrheitlich als unterbewertet eingeschätzt. Zudem wird der japanische Yen als stark und zur Aufwertung tendierend angesehen. Begeisterung für die japanischen Aktien will trotzdem nicht aufkommen, niemand unter den befragten Managern will seine Anteile über die Schwelle „neutral“ heben, einer von fünf Geldverwaltern plant sogar einen Abbau. Hier dürften die negativen Überraschungen bei den jüngsten Zahlen zur Volkswirtschaft und die unglückliche Selbstdarstellung der Regierung in diesem Zusammenhang eine Rolle gespielt haben.
Amerikanische Aktien sind aktuell bei mehr als der Hälfte der Depots untergewichtet. Immerhin ein Drittel will in den kommenden Monaten diese Anteile aufstocken, obwohl eigentlich keine großen Gewinnerwartungen vorhanden sein können: Die Aktien gelten ganz überwiegend als fair bewertet, so sehen es jedenfalls zwei Drittel der Befragten und beim Rest liegen die Skeptiker („überbewertet“) im Verhältnis 2:1 vor den Optimisten, die eine Unterbewertung vermuten. Zudem wird der US-Dollar mehrheitlich eher schwach erwartet.
Die Bereitschaft der deutschen Anleger, sich weiter zu engagieren, wird überraschend positiv eingeschätzt: Vier von fünf Gesellschaften planen die Auflage neuer Investmentfonds für die nächsten 6 Monate, wobei ein gewisser Schwerpunkt bei den Aktien zu erkennen ist: Nach Ansicht von zusammengenommen 50 Prozent der Befragten werden Misch- und Multi Asset Fonds die stärkste Klasse unter den neuen Fonds ausmachen, ein Viertel glaubt sogar daran, dass reine Aktiefonds den Schwerpunkt unter den Neuauflagen bilden werden. Neue Geldmarkt- und Rentenfonds sehen weniger als 10 Prozent als dominierendes Segment unter den Neulingen. Diese Verteilung harmoniert allerdings nicht recht mit den ebenfalls erfragten Erwartungen für die Mittelzuflüsse: Immerhin 40 Prozent halten zusammen genommen die Fonds für die festverzinslichen Anlagen (Geldmarkt plus Renten) für die Favoriten der Anleger. Dagegen sieht nicht einmal ein Viertel die Aktienfonds vorne und von den Immobilienfonds erwartet buchstäblich niemand nennenswerte Absatzerfolge.
Gemessen an den erwarteten Mittelzuflüssen wird die Stimmung der privaten Anleger vorsichtiger eingeschätzt als von der die Marktchancen spiegelnden Emissionsseite her. Das bestätigt auch die Frage nach den Instrument-Typen: Die Hälfte der Befragten sieht mit Garantien unterlegte oder anderweitig geschützte Fonds als absoluten Favoriten unter den neuen Angeboten des ersten Halbjahres 2007.
(Dr. Martin Klingsporn)







