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MEINUNG

Rating: Do it yourself

© Foto: Martin Saure

Wenn es gilt, ein unternehmerisches Investment zu finanzieren, welches nur einem Zweck (Schiff, Immobilie, Windpark) dient, dann gibt es nichts Geeigneteres als den geschlossenen Fonds – wenn das Kapital des Unternehmers nicht reicht. Aber wie ist ein Fonds zu beurteilen? Ich habe da eine Idee für ein neues Prüfverfahren.

Der geschlossene Fonds. Eine deutsche Anlageklasse. Einzigartig auf der Welt. Bei uns so verbreitet wie nirgendwo sonst. Seit den 60er Jahren sind bei uns wohl mehr als 20.000 Fonds platziert worden, die geschätzte 100 Mrd. Euro investierten. Diese Fonds werden als „Grauer Kapitalmarkt“ und „Abschreibungsbranche“ verunglimpft. Investoren sind potenzielle Steuersünder, sagen gerne Vertreter der Finanzämter, Geld- oder Goldesel sagen Finanzdienstleister, die solche Fonds vermitteln, denn die Vertriebsprovisionen sind so hoch wie bei keiner anderen Assetklasse. Kein geschlossener Fonds gleicht dem anderen. Folgetranchen eines Fonds einmal ausgenommen. Damit ist auch das Problem beschrieben, das alle Fonds begleitet. Sie sind schwer durchschaubar, ihre Prospekte sind oft bibeldick und so leicht zu lesen wie die Gebrauchsanweisung einer Baumaschine. Sie stecken voller Fallen und dienen nur der Verschleierung von Anlegerabzocke. Auch das wird gelegentlich behauptet.
Auf der anderen Seite, objektiv betrachtet, sind geschlossene Fonds die fast ideale Lösung, ein Investment zu finanzieren, welches überschaubar ist und nicht einen dauerhaften Produktionsprozess erfordert.

Die Achillesferse des geschlossenen Fonds ist seine Intransparenz, seine Komplexität.
Das habe ich schon vor Jahrzehnten erkannt und die Idee entwickelt, ein Rating(Bewertungs)-Verfahren für solche Fonds zu entwickeln. Damit war eine Branche geboren. Heute gibt es fast ein Dutzend Ratingagenturen. Jede hat ihr Bewertungssystem und jedes dieser Rating-Verfahren hat Schwächen. Meine ersten Bewertungen druckte die „Wirtschaftswoche“, später dann „Capital“ und „Welt am Sonntag“, heute sind Rating-Publikationen überall zu lesen. Zwar ist die „Fondsindustrie“ inzwischen besser organisiert als damals. Es gibt jetzt Vorschriften für die Prospekterstellung, sogar die deutsche Finanzdienstleistungsaufsichtsbehörde „BaFin“ hat sich der Fonds angenommen. Geblieben ist dennoch die Intransparenz. Ein Fonds ist für den „normalen Anleger“ ein Buch mit jeder Menge Siegeln. Die meisten Anlageberater versagen auch, wenn sie Fonds prüfen sollten.

Ich habe mir überlegt, wie es mit Hilfe der modernen Informationstechnologien gelingen kann, Fonds auch als Laie „auf den Zahn zu fühlen“.
Ohne eine Fachausbildung als Rating-Analyst zu besitzen, versteht sich. Die traditionelle Prüfmethode von Fonds, die Analysten und Berater anwenden, beginnt mit dem gründlichen Studium des Prospektes, der Leistungsbilanz, gegebenenfalls des Prospektprüfungsgutachtens des Wirtschaftsprüfers. Nach zwei Tagen gründlichen Studiums dieses Experten, hat der Analyst eine schon weitgehend fundierte Meinung. Seine Erfahrung von Märkten, Emittenten und Branchen ist ihm dabei wertvoll.

Kein Terrain für Amateure.
Ich habe für Sie, liebe Leser, einen neuen Weg zur Meinungsbildung über Fonds entwickelt. Wenn Sie für jeden Fonds-Check zwei bis drei Stunden investieren, da bin ich ganz sicher, haben Sie einen Eindruck, ob der Fonds es wert ist, dass Sie ihn noch genauer betrachten. Mein Weg ist zuverlässig und simpel. Erforderlich sind nur ein PC, ein Drucker, Unvoreingenommenheit und zwei oder drei Stunden Zeit. Mein Quick-Check-System baut auf der grandiosen Servicemöglichkeit auf, die heute alle Emissionshäuser bieten: Die Online-Stellung ihrer Fondsprospekte, der Leistungsbilanzen und oft auch ergänzender Marktinformationen. Der konzeptionelle Kern meines Verfahrens ist der gewählte Entscheidungsmaßstab. Ich lege zehn KO-Kriterien als Maßstab zugrunde (s. Kasten S. 130). Für mich ist die mangelnde Überzeugungskraft eines dieser Knock-out-Punkte ein „No go“.
Das sind meine Gründe dafür: Ein wenig erfolgreiches Emissionshaus, die nicht offengelegte Qualität des Fondsmanagements, ein wenig überzeugender Investitionsgegenstand, fehlender Beirat, fehlende Kontrolle der Investition, keine sichere Mindestplatzierung, zu hohe Vorkosten, schwache Rendite, anlegerunfreundliche Verträge und viele Nachträge verhindern jeweils eine positive Wertung des Fonds. Es gibt andere KO-Gründe für Fonds, aber einer dieser reicht schon, denke ich. Jedem Kriterium habe ich einige Unterpunkte zugeordnet, die von Ihnen – nach Durchlauf des Verfahrens – gewürdigt werden müssen.

Ich schlage vor, dass Sie sich die Kriterien auf eine Kladde schreiben und dann mit dem Check einfach mal loslegen.
Nachdem das Kriterium durchgecheckt wurde, haken Sie es ab und gehen zum Nächsten. Selbstverständlich sollten Sie Ihre Suchergebnisse ausdrucken. Der erste Schritt: Die Homepage des Initiators, dessen Fonds Sie prüfen wollen, aufzusuchen. Irgendwo sehen Sie einen Button mit „Unsere Fonds“ oder „Unsere Anlageobjekte“. Klicken Sie die Seite des Prospektes an. Sie finden jetzt meist oben rechts eine Suchleiste, in die Sie Stichworte eingeben können. Und jetzt beginnt die große Zeitersparnis. Wollten Sie früher wissen, wer Geschäftsführer des Fonds ist und welche Vita dieser hat, müssten Sie lange blättern. Kein Inhaltsverzeichnis erlaubt das schnelle Auffinden der Stichworte, die Sie beantwortet haben wollen. Endloses Blättern war die Folge mit dem eingebauten Problem, dass Sie nicht wissen, ob noch woanders im Prospekt etwas zu Ihrem Suchbegriff geschrieben steht. Die Suchfunktion ist präziser. Nur: Der Suchbegriff muss passen.

Wollen Sie mal einen Quick-Check wagen?

Dann los, als Testbeispiel möchte ich Ihnen diesen Fonds von MPC vorschlagen: „Einundsiebzigste Sachwerte Rendite-Fonds“.

Sie gehen auf die MPC-Homepage. Dort klicken Sie „Produkte“. Dann „MPC Holland 71“. Danach rechts auf „Download/Prospekte“. Es erscheint „Verkaufsprospekt“. Diesen öffnen Sie. Es öffnet sich ein PDF-Dokument (Adobe Reader, meine weiteren Ausführungen beziehen sich auf Version 8). Im Suchfeld geben Sie jetzt einen Suchbegriff nach dem anderen gemäß Kasten ein. Mit den Buttons für „Weiterblättern“ (neben dem Suchfeld) suchen Sie jede Erwähnung des Suchbegriffes auf. Sie lesen jede farbig unterlegte Erwähnung oder/und drucken diese aus.
Nach maximal zwei Stunden wissen Sie, welchen Inhalt die KO-Kriterien besitzen. Jetzt sind Sie gefragt. Sie müssen notieren. Reichen Ihnen die Ausführungen zur Leistungsbilanz? Finden Sie es gut, dass zu Begriffen Emissionshaus oder Initiator der Prospekt nichts sagt, aber dafür ausführlich über den Emittenten informiert wird? Wenig leider auch zur Fondsgeschäftsführung. Gar nichts über Fondsmanagement und Lebensläufe. Einen Mangel könnte es für Sie bedeuten, dass es keine Mindestplatzierungsgarantie gibt. Andererseits wird die große MPC es wohl schon platzieren, oder? Sie sehen, Ihre Meinung ist wichtig. Auch gibt es vielleicht andere Kriterien, die Sie mit der Suchliste gut aufspüren können.

Ich würde mich freuen, wenn ich Ihnen ein neues Instrument zum Fonds-Check an die Hand geben konnte. Übrigens: Wenn Ihnen der Fonds nach kurzem Einstieg gefällt, dann schreiben Sie doch alle Begriffe auf, die Sie interessieren, geben Sie die Liste an Ihren Berater und erbitten Sie alle Ausdrucke des oder der Stichworte. Das ist auch ein schneller Weg zum Ziel, welches da heißt: Ich will alles über den Fonds wissen. Machen Sie Ihr eigenes Rating. Sie können das.

Nachsätze:
(1) Sie wollen wissen, wie ich den Fonds 71 von MPC finde? Das werde ich nicht verraten. Sie sollten Ihre eigene Meinung unbeeinflusst bilden. Wenn Sie interessiert, was ich denke, rufen Sie mich an. Übrigens: Fonds 71 ist inzwischen platziert. Das ging wirklich schnell, Kompliment, MPC!
(2) Das Quick-Check-Verfahren funktioniert so wie geschildert bei allen Fonds. Üben Sie doch einfach mal und berichten Sie mir Ihre Erfahrungen: Email an jansen@finanzwelt.de

(Dieter E. Jansen, Recherche: Kim Brodtmann)


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