Den Versicherungsmarkt im Überblick
Ratings und Rankings
Ratings haben im deutschen Versicherungsmarkt in den letzten Jahren geradezu einen Boom erlebt. In dem immer undurchsichtiger werdenden Anbieterdschungel können sich auch Experten, wie Makler oder Versicherungsunternehmen selbst, oft nur noch mit Hilfe von Ratings einen aktuellen Überblick verschaffen.
Bis Mitte der Neunziger Jahre waren Ratings von untergeordneter Bedeutung, da bis dato die materielle Staatsaufsicht einheitliche Versicherungsprodukte verordnete. Mit Aufhebung dieser Verordnung wurde der Versicherungsmarkt heterogener und es entwickelte sich ein immer differenzierterer freimarktwirtschaftlicher Wettbewerb unter den Versicherungsunternehmen. Mit zunehmender Komplexität des Versicherungsmarktes stieg auch der Bedarf an objektiven Informationen und Marktvergleichen. Über die Jahre entstanden die unterschiedlichsten Ratingarten und Klassifizierungen. Inzwischen zählen A.M. Best, Assekurata, Fitch Ratings, Franke & Bornberg, Morgen & Morgen sowie Standard & Poors zu den namhaften Ratern in Deutschland. Ratings und Rankings sind auf dem deutschen Versicherungsmarkt mittlerweile nicht mehr weg zu denken.Unterschied Rating und Ranking. Oftmals werden die Begriffe Ratings und Rankings verwendet, ohne deren Bedeutung gerecht zu werden. Ein Rating stellt grundsätzlich eine Bewertung von qualitativen oder quantitativen Faktoren in Form einer Klassifikation dar. Produkte oder Unternehmen werden somit in Bewertungsklassen eingeteilt und erhalten eine entsprechende Auszeichnung. Ein Beispiel hierfür ist die Fünf-Sterne-Klassifizierung der Morgen & Morgen Ratings. Rankings bewerten ebenfalls Produkte oder Unternehmen, erstellen aber im Gegensatz zu Ratings keine Klassifizierungen mit entsprechenden Auszeichnungen, sondern Ranglisten.
Unterschiedliche Ratingansätze:
Ratings unterscheiden sich einmal in der Art der Ratingobjekte (Unternehmens- oder Produktrating) sowie in den Ratingverfahren - interne(interaktive)Ratings, externe Ratings, Mischformen.
Interne Ratings sind meist auftragsbezogene und entgeltliche Ratings. D. h. eine Versicherungsgesellschaft stellt zusätzlich zu den öffentlich zugänglichen Informationen auch interne zur Verfügung und bezahlt dafür, sich bewerten zu lassen.
Externe Ratings, auch pi-Ratings(pi=public information)genannt, sind unentgeltlich und basieren auf öffentlich zugängliche Informationen, wie Geschäftsberichte. Sie werden i der Regel auch ohne Einwilligung der jeweiligen Gesellschaft erstellt. Damit kann bei externen Ratings grundsätzlich der komplette Markt analysiert werden.
Mischformen zählen zu den neueren Ausprägungen von Ratings. Sie kombinieren die positiven Ansätze von internen und externen Ratings, indem sie interne Daten und eine große Grundgesamtheit anstreben.
Die Bedeutung von Ratings. Dass Ratings von allen Marktteilnehmern - Kunden, Vermittlern und Versicherern - als eine unersetzliche Informationsquelle gesehen werden, zeigt auch die Studie „Die Bedeutung von Ratings für den deutschen Versicherungsmarkt", die von der Assekurata GmbH in Auftrag gegeben wurde.
Für den Kunden. Ratings stehen hiernach für Kunden bereits an dritter Stelle der Informationsquellen, nach Ratgebersendungen und Erfahrungsaustausch mit dem näheren Umfeld. Kaum ein Versicherungskunde hat große Freude daran, den Versicherungsmarkt zu analysieren, um ein passendes Produkt zu finden. Die Versorgung mit Versicherungsprodukten wird meist eher als ein notwendiges Übel empfunden, dem sich gestellt werden muss. Ein Rating ist daher oft auch auf Grund seiner schnellen Erfassung zentraler Bestandteil in der Kaufentscheidung.
Für den Makler. Gerade im Zusammenhang mit der Umsetzung der Vermittlerrichtlinie wird es für Makler immer wichtiger auch zu dokumentieren, den Markt umfassend zu überblicken und seine Kunden dementsprechend beraten zu haben. Die meisten Makler greifen innerhalb der Beratung auf Ratings, Rankings und Analysesoftware zurück, um für ihre Kunden das individuell passende Produkt herauszufiltern und die Beratung zu dokumentieren. Ratings sind in diesem Zusammenhang jedoch immer nur als eine Facette in der Beratung zu sehen und können nie die bedarfsorientierte Beratung ersetzen. Sie sind Grundlage und Argumentationshilfe in der Beratung und können der Haftungssicherheit dienen. Grundsätzlich vertrauen sowohl Makler als auch Kunden Ratingergebnissen und ziehen diese zur Entscheidungsfindung heran. Dies ergab ebenfalls die Assekurata Studie.
Für das Versicherungsunternehmen. Die Versicherer selbst sprechen laut der Assekurata Studie den Ratings das größte Vertrauen aus. Ihnen dient das Ratingergebnis sowohl zur internen als auch zur externen Kommunikation sowie der Pflege von Kunden- und Vermittlerbeziehungen. Ein Ratingergebnis kann für interne Diagnosen, Verbesserungen der Produkte und Zielfindungen herangezogen werden.
Von Ratingerstellern wird in diesem Zusammenhang vor allem Eigenschaften wie Unabhängigkeit, Objektivität und Fachkompetenz verlangt. Ihnen kommt eine immer größere Verantwortung zu, da Ratings zentraler Bestandteil des Entscheidungsprozesses sind und damit eine einflussreiche Größe im Versicherungsmarkt darstellen. Die Bedeutung von Ratings wird auch weiterhin zunehmen, da der Versicherungsmarkt immer komplexer wird und die Produktheterogenität steigt.
(Joachim Geiberger)







