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Den Überblick behalten

Ratingverfahren

Aus vielen Bereichen ist das Rating nicht mehr wegzudenken. In die deutsche Fondslandschaft hat das Rating erst in der zweiten Hälfte der 90er Jahre Eingang gefunden. In Deutschland spielt ein gutes Rating bei Weitem nicht eine so wichtige Rolle wie in den USA, wo 80 Prozent der Anlegergelder in Fonds mit einem guten Rating gehen. Das Rating bringt immerhin in einem Fondsuniversum von rund 6.000 eine gewisse Transparenz hinein.

"Die Noten der Ratingagenturen schaffen mehr Aufmerksamkeit als konkreten Nutzen", meint Gerd Bennewirtz, Geschäftsführender Gesellschafter des Fondsberatungsunternehmens SJBFondsSkyline, Korschenbroich. In der Tat sehen die Fondsgesellschaften im Rating vor allem ein Marketinginstrument. Verbessert sich das Rating und wird ein zusätzlicher Stern verliehen, wird die Öffentlichkeit durch entsprechende Meldungen der Presseabteilung sofort informiert. Wird ein Stern gestrichen, wird das natürlich nicht an die große Glocke gehängt, auch die Ratingagenturen selbst sorgen dann nicht für eine Veröffentlichung.

Allen Ratings gemeinsam ist, dass sie zwar die Performance, die für viele Privatanleger das wichtigste und oft auch das alleinige Auswahlkriterium darstellt, stark gewichten, aber nicht zur alleinigen Messlatte der Beurteilung machen. Die Wertentwicklung wird in der Regel zum möglichen Risiko in Beziehung gesetzt. Im Allgemeinen wird als Kennziffer für das Risiko die Volatilität genommen. Aber ebenso wie die Performance ist die Volatilität (Standardabweichung der Erträge) eine Vergangenheitszahl, die nicht ohne Weiteres eine Aussage über die zukünftige Entwicklung zulässt. Hinzu kommt, dass es sich bei den meisten Ratings um rein quantitative Beurteilungen handelt. Lediglich das Sauren- Rating und das Manager-Rating von Moodys sind auf qualitative Kriterien ausgerichtet. Ein Managerwechsel findet in den rein quantitativen Kriterien keine Berücksichtigung. „Dasselbe gilt für einen Stilwechsel von Growth zu Value oder umgekehrt, der in letzter Zeit häufiger vorkommt“, meint Bennewirtz.
In die Bewertung kommen nur Fonds, die mindestens drei Jahre bestehen. Neue Fonds können aber durchaus bessere Perspektiven haben. Ein gutes Rating soll keine Kaufempfehlung sein, darauf weisen die Agenturen selbst hin. Es kann die Vorauswahl der infrage kommenden Fonds erleichtern, mehr nicht. Denn wichtige individuelle Eigenschaften des Anlegers wie Risikobereitschaft, steuerliche Situation und die übrige Vermögensstreuung müssen berücksichtigt werden.
Welche Bedeutung hat das Rating in der Anlageberatung? Wolfgang Sauer, Vorstand der Jung, DMS und Cie. AG sieht die Bedeutung vor allem bei der Vermarktung von Fonds. "Das Rating hat in der Beratung wenig Aussagekraft und gewöhnt das Denken ab." Für SJB-Chef Bennewirtz ist es zwar ein Hilfsmittel, um einen Überblick über die Fondsvielfalt zu schaffen. "Die richtige Asset Allocation ist aber für den Anlageerfolg viel wichtiger als das Fondspicking und damit die Ratingnote eines Fonds", unterstreicht Bennewirtz. “Die Bedeutung des Rating für die individuellen Anlageziele ist eher gering.” Für die BCA spielt es bei der Fondsauswahl durchaus eine gewisse Rolle. BCA-Vorstand Ferdinand Haas: "Wir wenden allerdings unsere eigene Methode an, die aber zu 95 Prozent mit der von S & P übereinstimmt." Ob ein solches Rating auch bei der heiklen Haftungsfrage der Vermittler eine Bedeutung haben könnte, wurde noch nicht ermittelt.




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