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Flugzeugfonds

Rekordbestellung sorgt für Aufwind

© Foto: Okea - Fotolia.com

Nach der Emissionspause im ersten Quartal deuten sich neue spektakuläre Flugzeugfonds mit dem Megaliner A380-800 an.

Mit einer sensationellen Bestellung wartete Emirates, die größte arabische Fluggesellschaft mit Sitz in Dubai, auf der ILA Berlin Air Show im Juni dieses Jahres auf. In Anwesenheit von Kanzlerin Angela Merkel gab Emirates den Kauf von 32 Airbus A380-800, dem größten Verkehrsflugzeug der Welt, bekannt. Es handelte sich um den bisher umfangreichsten Einzelauftrag für den Airbus A380- 800 und den höchsten Auftragswert in der Zivilluftfahrt überhaupt. Nach Listenpreisen beträgt das Volumen 9,5 Mrd. Euro. Dieser Großauftrag sorgt für Aufwind bei den Flugzeugfonds, nachdem der Markt verhalten ins Jahr 2010 gestartet war. „Im ersten Quartal kam kein einziger neuer Flugzeugfonds auf den Markt“, konstatierte Wolfgang Kubatzki, der bei Feri für die Erfassung des Absatzes von geschlossenen Fonds verantwortlich ist. Aber inzwischen sind zahlreiche Flugzeugfonds angekündigt, und wieder steht der A380-800 im Mittelpunkt des Initiatoren-Interesses.

Deutlich verbessert haben sich mit der Konjunkturbelebung die Aussichten für den Flugverkehr. Die IATA, der internationale Dachverband der Fluggesellschaften mit rund 230 Airlines weltweit (Marktabdeckung 93 %), erwartet für das laufende Jahr einen Gewinn von 2,5 Mrd. US-Dollar aller Fluggesellschaften weltweit. Noch bei der letzten Prognose (März 2010) ging die IATA von einem Verlust von 2,8 Mrd. US-Dollar aus. „Es bestätigt sich wieder einmal, dass Nachfrageeinbrüche in der Passagierluftfahrt durch Krisen, Terroranschläge und Epidemien in den letzten 35 Jahren jeweils nur zwischen einem und drei Jahren dauerten“, meint Jürgen Salamon, Chef des Emissionshauses Dr. Peters. Derzeit bemüht sich das Dortmunder Haus, das keinen Flugzeugfonds im Vertrieb hat, um ein Großraumflugzeug. Ob es sich dabei um einen A380-800 handelt, vermag man noch nicht zu sagen. „Ein solcher muss dieselben Rahmenbedingungen bieten wie unsere bislang platzierten A380-800 Fonds“, betont Salamon. Das heißt: Eine sicherheitsorientierte Fondskonzeption, eine namhafte Fluggesellschaft als Leasingnehmer, ein langfristiger Leasingvertrag und attraktive Auszahlungen. Bisher hat Dr. Peters vier A380-800 für Singapore Airlines und zwei für Air France finanziert.

Seinen ersten A380-800 Fonds bringt in diesen Tagen Hannover Leasing auf den Markt, ein Initiator, der bis 2001 46 Flugzeugfonds mit über 50 finanzierten Verkehrsflugzeugen aufgelegt hat und diese Produktlinie 2008 (mit einem Airbus A321-200 für Air Berlin) zu neuem Leben erweckte. Bislang stand das Unternehmen, das früher vornehmlich Mittelstreckenflugzeuge finanziert hatte, die eine gute Wiederverwendbarkeit haben, dem neuen Großflugzeug als Anlageobjekt eines Publikumsfonds skeptisch gegenüber. „Beim A380 fehlt es an Erfahrung, was die Fungibilität anbelangt“, erläutert Andreas Ahlmann, Geschäftsführer von Hannover Leasing, seine vorsichtige Haltung. Darauf wurde das Fondskonzept des Flight Invest 49 von Hannover Leasing abgestellt. Die Maschine ist wie üblich bei den Fonds mit Großflugzeugen für 10 Jahre fest vermietet. Der Leasingnehmer Singapore Airlines hat eine fünfjährige Verlängerungsoption. „Sollte die Fluglinie die Option nicht ziehen, hat sie sich vertraglich dazu verpflichtet, einen neuen Leasingnehmer zu stellen“, erklärt Ahlmann. Unabhängig davon sichere Singapore Airlines für den fünfjährigen Optionszeitraum eine Mindestmiete.

Singapore Airlines war die erste Fluggesellschaft, die das größte Flugzeug der Welt im regulären Flugverkehr einsetzte; seit dem 25. Oktober 2007 verkehrt das Großraumflugzeug auf der Strecke Singapur- Sydney. Dieses ist das Investitionsobjekt des DS-Rendite-Fonds Nr. 129 Flugzeugfonds IV von Dr. Peters, der 2008 platziert wurde. „Doric wird noch in diesem Jahr voraussichtlich ebenfalls einen A380-800 Fonds auf den Markt bringen“, kündigt Doric-Geschäftsführer Matthias Böhm an. Das Haus hat bekanntermaßen einen guten Draht zur Fluggesellschaft Emirates. Die A380 des in der Platzierung befindlichen Fonds Sky Cloud von Hansa Treuhand beschaffte Doric, die auch den Fonds managt – ebenso wie die ersten Dr. Peters- Fonds.

Ein möglicher Partner für die Emissionshäuser wäre auch die Lufthansa, die 15 Maschinen dieses Typs bestellt hat. Aber das Unternehmen mit dem Kranich zieht andere Lösungen vor. Im Mai hat KGAL mit Lufthansa Leasing, einem Joint Venture des Münchener Emissionshauses, mit der Deutschen Lufthansa die Finanzierung des ersten A380 für die Lufthansa arrangiert, Mitte Juli folgte ein zweites Objekt. „Es handelte sich nicht um einen Publikumsfonds, sondern eine French Lease Struktur“, erklärt KGAL-Geschäftsführer Gert Waltenbauer. Finanzierungspartner waren Société Générale, Commerzbank, Deutsche Bank und Oberbank. Es heißt, die Konditionen, die Lufthansa eingeräumt werden müssen, seien für einen geschlossenen Fonds zu knapp.

Zu Unrecht im Schatten der Großflugzeuge bewegen sich die Regional-Flugzeuge, seit jeher eine Domäne von KGAL und nun auch von HEH. Beide sind derzeit mit Fonds auf dem Markt, die Flugzeuge für die britische Flybe Limited finanzieren, die größte Regionalfluggesellschaft Europas. Während der SkyClass 53 von KGAL in drei Flugzeuge des Typs Embraer 195 LR investiert, ist das Investitionsobjekt des Flugzeugfonds 11 flybe.Liverpool eine Bombardier Dash 8-Q400. Die Besonderheit bei diesem Fonds: „Bereits ein halbes Jahr vor Ablauf des 12-jährigen Erstleasingvertrags ist das gesamte Fremdkapital getilgt“, stellt Gunnar Dittmann, geschäftsführender Gesellschafter der HEH, heraus.

Als neue Assetklasse haben sich mittlerweile die Triebwerkfonds etabliert. Entwickelt wurde die Idee von Gerhard Krall, Geschäftsführer und Partner von GSI, die in den nächsten Wochen mit dem Triebwerkfonds 4 auf den Markt kommt. „Die Fonds vermieten Ersatztriebwerke, damit die Flugzeuge bei Wartung und Reparatur der Triebwerke nicht ungenutzt am Boden bleiben müssen“, erklärt Krall. LHI hat ebenfalls einen Triebwerkfonds in der Pipeline, seinen zweiten. Und auch Doric beschäftigt sich mit einem Triebwerkfonds. Die Triebwerkfonds haben eine kurze Laufzeit von 6 bis 7 Jahren. „Vertriebspartner und Anleger wollen derzeit Produkte mit überschaubarem Anlagehorizont“, meint Alexander Schönle, Leiter Publikumsfonds der LHI.

(Dr. Leo Fischer)


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