Real Assets
Renaissance der Realwerte

Nach dem Fiasko mit komplexen Finanzinstrumenten, wie zum Beispiel kompliziert aufgebauten Zertifikaten oder strukturierten Anleihen, entwickelt sich derzeit ein Trend hin zu Anlagen, die nicht „nur auf dem Papier stehen“, sondern „fassbar“ sind.
Real Assets spielen hier vor allem eine Rolle, die durch globale Entwicklungen Rückenwind erhalten: Anlagen zur regenerativen Gewinnung von Energie, Wald, Agrarwirtschaft und Projekte zur Reduzierung der CO2-Emissionen.
Diese Neuorientierung der Anleger beruht auf mehreren Überlegungen. Innerhalb von nur knapp zehn Jahren mussten sie miterleben, wie zwei fulminante Spekulationsblasen platzten. Diese Krisen und die damit verbundenen Kursverluste an den Wertpapiermärkten werden das Risikoverhalten einer ganzen Generation prägen. Statt aufwändig strukturierter Finanzprodukte, die den direkten Bezug zur Realwirtschaft verloren hatten, werden mehr und mehr alternative Kapitalanlagen bevorzugt, die zur Entschärfung der globalen Ressourcenverknappung beitragen.
In der jüngsten Finanzkrise hat sich zudem gezeigt, dass eine Diversifikation mit den traditionellen Assetklassen nicht ausreichend funktionierte. Die Korrelationen zwischen den gängigen Anlageinstrumenten wie Aktien, Renten und Immobilien nahmen enorm zu. Es sind also andere gering korrelierte Werttreiber gefragt, die auch unter extremen Bedingungen noch eine klassische Diversifikation ermöglichen. Außerdem sollte es sich um einfache, transparente und bewährte Geschäftsmodelle handeln.
Diese Bedingungen erfüllen Investitionen in Wald oder in die Landwirtschaft sehr gut. Kapitalanlagen in Wald weisen eine weitgehende Unabhängigkeit von anderen Anlageklassen auf, da bei niedrigen Holzpreisen kein Einschlag stattfinden muss. Konjunkturschwächen schlagen sich so zwar auf die zwischenzeitliche Holznachfrage nieder, nicht aber auf das Ergebnis der Anleger. Die Benchmark für internationale Waldinvestments, der NCREIF Timberland Index, hat in den zurückliegenden 25 Jahren eine durchschnittliche Rendite von etwa 15 % p. a. erzielt. In der Forstwirtschaft lässt sich zudem wie auch in der Landwirtschaft eine diametrale Entwicklung zwischen dem Verbrauch, der durch die steil ansteigende Weltbevölkerung vorangetrieben wird, und den pro Kopf zur Verfügung stehenden Flächen beobachten. Während die Holznachfrage tendenziell weltweit wächst, nehmen die Forstflächen permanent ab.
Auf dem deutschen Markt werden seit knapp zwei Jahren Waldbeteiligungen in Form geschlossener Fonds angeboten. Da diese Beteiligungsform noch vergleichsweise jung ist, fehlt vielen privaten Anlegern erwartungsgemäß die Erfahrung zur Einschätzung der unterschiedlichen Angebote. Welche Kriterien sollten bei Waldfonds angelegt werden? Der Vergleich von zwei Beispielen führt die Punkte an, auf die vor einer Investitionsentscheidung geachtet werden muss.
Erstes Beispiel: KGAL Timberclass 1. Der Fonds bewirtschaftet Waldflächen in den USA, wo Wald bereits als etablierte Anlageklasse angesehen werden kann. Das lässt sich auch an dem Unternehmen erkennen, das für die Bewirtschaftung der Waldflächen verpflichtet wurde. Die „Cambell Group" ist ein erfahrener Waldmanager, der bereits Forstflächen im Wert von mehr als 4,5 Mrd. US-Dollar unter Verwaltung hat. Alle Waldflächen wurden für den Fonds bereits erworben, es handelt sich also nicht um einen Blind-Pool, der die Abschätzung von Chancen und Risiken vor der Anlageentscheidung erschwert.
Von Nachteil bei diesem Fonds ist seine starke Abhängigkeit von der Holznachfrage, vor allem bei Bauholz. Das kann zu vorübergehenden Ertragsminderungen für den Fonds führen, weil wegen zu niedriger Holzpreise der Einschlag zeitweise zurückgefahren wird. Aus diesem Grund sind die jährlichen Ausschüttungen für den Anleger nur wenig planbar. Investoren, die Wert auf regelmäßige Einnahmen legen, müssen daher prüfen, ob der KGAL Timberclass 1 die passende Anlage ist.
Wie unterschiedlich Waldfonds sein können, zeigt die Gegenüberstellung mit dem zweiten Beispiel, dem Nordcapital Waldfonds 1. Er investiert in naturnahe Mischwälder in Rumänien. Der Fonds konnte die Flächen zu einem günstigen Einstandspreis erwerben, der weit unter der Hälfte der Kosten liegt, die in Deutschland für vergleichbare Anschaffungen gezahlt werden müssen. Auch die Erntekosten liegen nur bei zwei Drittel der in Deutschland anfallenden Kosten. Da das Holz auf dem Weltmarkt allerdings zum gleichen Preis wie Holz aus deutschen Forsten verkauft werden kann, wächst die Gewinnmarge. Die in Rumänien erworbenen Waldflächen wurden über Jahrzehnte nicht bewirtschaftet. Daher sind allein schon aus forstwirtschaftlichen Gründen Einschläge erforderlich. Daraus resultieren schnelle Kapitalrückflüsse für die Anleger. Mit der Esterhazy- Gruppe wurde ebenfalls wie beim KGAL Timberclass 1 ein erfahrener Waldmanager unter Vertrag genommen. Da der Fonds allerdings noch nicht komplett investiert ist, liegt zum Teil ein Blindpool vor, der im Detail schwerer einzuschätzen ist.
(Georg Fehrentz)







