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Inflation – was nun?

Rentenfonds

Anziehende Inflationsraten gelten als das Schlimmste, was dem Anleihe-Markt widerfahren kann.


Die normalerweise eingegangene feste Bindung an nominale Verzinsungen beschert den Anlegern nach Abzug der Geldentwertung Verluste, wenn sie ihre Anlagen behalten, und die mit den Inflationsraten nach oben tendierenden Renditen bringen Kursverluste, wenn verkauft wird. Inflation ist Gift für alle festverzinslichen Anlagen. Dennoch werden die wenigsten Anleger auf die Anleihen verzichten wollen, weil das Risiko einer ausschließlich aus Eigenkapitaltiteln wie Aktien oder einer Mischung nur aus Aktien und Immobilien gebauten Position zu hoch geschätzt wird. Zudem bieten Aktien keinen wesentlichen Inflationsschutz, wie viele Untersuchungen immer wieder bestätigt haben. Selbst in handelbare Wertpapiere wie Aktien oder Investmentfondsanteile verpackte Immobilien vom deutschen Markt sind in dieser Hinsicht nicht besonders stark. Variabel verzinste Anleihen (Floater) gelten als Ausweg, weil die nominalen Zinssätze in etwa parallel zu den Inflationsraten steigen, zumindest einen Teil der Inflationsverluste kompensieren. Gewöhnlich wird die Verzinsung der Floater an einen Geldmarktsatz gebunden (wie der Dreimonats-Libor), meist verbunden mit einem Zuschlag für die längerfristige Bindung des Kapitals, der proportional zu den Risikoprämien entsprechend den Ratings der Emittenten ist. Damit fährt ein privater Anleger bei steigenden Zinsen recht gut, stellt aber irgendwann fest, dass er im Floater gefangen ist: Diese Papiere haben kaum liquide Märkte, sind also am Ende nur begrenzt nützlich.

Eine sinnvollere Alternative bieten indexierte Anleihen, deren Verzinsung direkt an die Inflation gekoppelt ist. Mittlerweile bieten die meisten europäischen Regierungen solche Papiere an, in Frankreich haben sie eine lange Tradition und sind deshalb auch auf den deutschen Märkten gut vertreten. Verhältnismäßig liquide ist die indexierte OAT mit Laufzeit bis Juli 2011, die einen festen Kupon von 1,711 % plus Inflationsrate bietet (FR0010094375), die derzeit nominal mit rund 2,1 % rentiert. Die parallele Festzinsanleihe OAT Juli 2011 (FR0000187874) hat einen Kupon von 5 % und rentiert derzeit mit rund 4,6 %. Der Durchschnitt des Marktes unterstellt also eine Inflationsrate von etwa 2,5 %. Sollte die Inflation nach Auffassung von Marktteilnehmern unterschätzt werden, wäre die nominale Festzinsanleihe zu teuer, was eine Art Arbitragemöglichkeit ergäbe: Verkauf (Leerverkauf) der zu teuren Festzinsanleihe gegen den Kauf der indexierten Anleihe. Das Umgekehrte gilt, falls die Inflation überschätzt werden sollte. Dann wird der Tausch umgekehrt: Die zu teure Indexanleihe verkaufen gegen den Kauf der zu billigen Festzinsanleihe.

Das Verfahren „realer Kupon plus Inflationsausgleich für die Zinsperiode“ bietet einen ordentlichen Schutz gegen die Geldwertung. Papiere dieser Art kann sich jeder Anleger selbst ins Depot legen und damit einen Inflationsschutz einbauen. Der Haken daran: Die deutschen Finanzbehörden behandeln die Anleihen als Finanzinnovationen und besteuern sie stärker als normale Anleihen - obwohl auch die Bundesregierung selbst inzwischen solche Anleihen begibt.

Zudem ist für den individuellen Anleger die Planung der Laufzeitstruktur im Depot eine verzwickte Sache, wenn nicht im Hinblick auf konkret terminierte Ziele angelegt wird. In Zeiten stabiler Inflationsraten rentieren die an einen Preisindex gekoppelten Papiere relativ schwächer als normale Papiere. Zudem sind in stabilen Zeiten riskantere Anlagen besser tragbar, vor allem die hohen Kupons der Anleihen von Schuldnern mit schwächerer Bonität werden dann sehr interessant. Der Tausch kann bei schlechtem Timing schon zu Verlusten führen. Entsprechende Investmentfonds können in diesem Zusammenhang durchaus nützlich sein, weil sie den Zufluss der Mittel verstetigen, was einen späteren, nicht vorab geplanten Ausstieg erleichtern kann.

Es gibt eine ganze Reihe von Angeboten in diesem Zusammenhang, die in der derzeitigen Lage mit trendmäßig anziehenden Inflationsraten durchaus interessant sein können (siehe Chart). Wie leicht zu erkennen ist, unterscheiden sich die beiden Fonds in der Performance nicht sehr stark, was als Argument für den Lyxor-ETF EuroMTS Inflation Linked (FR00-10174292) gewertet werden kann: Der Fonds bildet einen Index für inflationsgeschützte Anleihen ab. Diese einfache Strategie bringt einen Kostenvorteil: Lyxor begnügt sich mit 0,2 % Managementgebühr, während es beim aktiv gemanagten DEXIA-Bonds Inflation-linked (LU01655-22086) bis an 1 % herangehen kann. Zudem kommt beim DEXIA-Fonds der Ausgabeaufschlag hinzu.

Neben diesen beiden bieten natürlich auch andere Anlagegesellschaften auf dem deutschen Markt entsprechende Fonds an, die sich aber zuweilen im Kleingedruckten unterscheiden. So sind beim DWS Invest Inflation Protect (ISIN LU0193195129) nur 70 % des Vermögens in inflationsgeschützten Anleihen anzulegen, der Rest kann in Aktien, Anleihen und andere Instrumente ohne Inflations-Indexierung fließen. Beim Cominvest InflationsSchutz müssen immerhin 90 % der Mittel in geschützte Anleihen fließen, die restlichen 10 % dienen einem kleinen Tuning mit Hilfe von Pfandbriefen und Staatsanleihen ohne Indexierung.

(Martin Klingsporn)


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